„Happy End“ in Hickory für Pechvogel Harold Lloyd

Das Werner Loll-Quartett (Kiel; l.) verpasste dem Schwarz-Weiß-Klassiker „The Kid Brother“ (1927) von und mit Harold Lloyd in der Neuen Schauburg Burgdorf anlässlich der SCENA-Reihe Stummfilm-Matinée den perfekten spannungs- und klangvollen Rahmen. (Foto: Georg Bosse)

SCENA Stummfilm-Matinée mit „The Kid Brother“

BURGDORF (gb). Durch Weiterentwicklungen im Bereich Technik und Fotografie entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Westeuropa und in den Vereinigten Staaten von Amerika der Stummfilm. Seine Aufführungen in Filmtheatern wurde zeitgenössisch fast ausnahmslos live-musikalisch begleitet. Ein Zelluloid-Schätzchen aus jener Zeit präsentierte der Burgdorfer Kulturverein SCENA mit „Der kleine Bruder“ (The Kid Brother; 1927) am ersten Februarsonntag in der Burgdorfer Neuen Schauburg. In der Reihe Stummfilm-Matinée ließ SCENA Harold Lloyd - Markenzeichen: Hornbrille und Hut - auf der Leinwand flimmern, der mit diesem Film einer der großen Kassenhits des Jahres 1927 war.
Harold Clayton Lloyd (1893-1971) war einer der großen Komiker der Stummfilmära. Für seine spannenden Verfolgungsjagdszenen und sein akrobatisches Klettern an Wolkenkratzern in schwindelnden Höhen schufen die Cineasten den Begriff „thrill comedy“.
Die Geschichte mit dem freundlichen jungen Mann, dem es zwar an Geschick, nicht aber an Tatendrang mangelt, wollten sich gut 110 Film- und Kinofreunde nicht entgehen lassen. In „The Kid Brother“ spielt Harold Lloyd den jüngsten Sohn eines Sheriffs im hinterwäldlerischen Hickory. Er ist der ewige sympathische Pechvogel, der immer wieder in die komischsten Situationen gelangt und darüber selbst erstaunt ist.
Harold kann sich nicht mit seinem starken Vater und seinen zwei Brüdern messen und muss als eine Art „Aschenbrödel“ der Familie den Haushalt besorgen. Er leidet sehr darunter, dass man ihn nicht ernst nimmt. Unberufenerweise genehmigt er den Auftritt einer Schaustellertruppe im Ort, was ihm nicht nur den Ärger des Vaters und den Aufruhr um die gestohlene Gemeindekasse, sondern auch eine Reihe anderer Widrigkeiten und Abenteuer einträgt. Einziger Lichtblick für Harold ist die schöne Schaustellertochter Mary, deren Liebreiz ihn sofort gefangen nimmt. Am Ende jedoch beweist er allen, was wirklich in ihm steckt und er kann die Familienehre wieder herstellen. Ein typisches Hollywood-Happy End, bei dem „der amerikanische Traum Wirklichkeit wird“, wie es der SCENA-Vorsitzende Dr. Matthias Schorr formulierte.
Der Schwarz-Weiß-Klassiker wurde vom Werner Loll-Quartett aus Kiel musikalisch untermalt. Denn Stummfilme wurden nie in aller Stille, sondern immer mit der passenden musikalischen Begleitung präsentiert. Und die Spezialisten um den Musikwissenschaftlicher und Pianisten Dr. Werner Loll verpassten den laufenden Bildern in der Burgdorfer Neuen Schauburg in der Besetzung Peter Weise (Schlagzeug), Volker Linde (Gitarre) und Ralf Lentschat (Trompete/Flügelhorn) den perfekten spannungs- und klangvollen Rahmen.