Großer Aufschrei – und was kam dann?

Viele Fragen bei der anschließenden Podiumsdiskussion an Kriminaldirektor Jürgen Graver, Leiter der PI Burgdorf, die Gleichstellungsbeauftragte Sehnde Sarah Peters, die Journalistin Khola Maryam Hübsch sowie Ute Vesper, AWO Fachbereichsleitung. (Foto: Dana Noll)
 
Die Medien überschlugen sich nach den Ereignissen in Köln. (Foto: Dana Noll)

Informationsabend zum Thema „Sexualisierte Gewalt“

BURGDORF/BURGWEDEL/SEHNDE (dno). Der Aufschrei nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln war groß. Danach war irgendwie alles anders – die Sicht auf die Geflüchteten, die verschiedenen Kulturen oder der Umgang mit sexualisierter Gewalt. Über Wochen und Monate wurden Debatten in den Medien geführt, die teilweise von Unter- oder Übertreibung geprägt waren. Zurück blieben viele, offene Fragen.
Zu einem Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion luden daher die Gleichstellungsbeauftragten Ute Pape (Stadt Burdorf), Ilinda Bendler (Stadt Burgwedel) und Sarah Peters (Stadt Sehnde) sowie Ute Vesper, Fachbereichsleiterin für den Bereich Frauen bei der AWO Region Hannover, in den Ratssaal im Schloss Burgdorf ein.
Als Arbeitsgruppe unterstützen sie das Aktionsbündnis „Stoppt sexualisierte Gewalt“, das sich unmittelbar nach den Vorfällen in Köln gegründet hatte und verschiedenste Akteur/innen beispielsweise aus Frauen- und Männerberatungsstellen, Frauenhäusern, Notrufen, Politik, Gewerkschaft, Flüchtlingsrat, Landesfrauenrat, Kirchen oder Jobcenter aus der Region Hannover und Niedersachsen vereint.
„Unser Anliegen ist es, darüber aufzuklären, dass das Problem nicht die vermeintliche Kultur der Täter am Silvesterabend ist, sondern die Übergriffe selbst sind, die für eine rassistisch eingefärbte Debatte instrumentalisiert wurden. Die Ereignisse in Köln haben erschreckt, aber es fehlt bis heute an Antworten und Aufklärung“, so Petra Pape, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Burgdorf.
Als Referentin konnte Khola Maryam Hübsch, Journalistin, Aktivistin und Autorin gewonnen werden, die sich mit dem Thema Sexismus und Rassismus und deren Verhältnis zueinander intensiv beschäftigt hat. „Die Legende vom triebhaften Orientalen besteht und ist seit jeher Bestandteil anti-islamischer Propaganda, Sexismus sind immer die anderen“, so Hübsch, „Doch Sexismus hat es schon immer gegeben, nur die Flüchtlingspolitik damit zu verbinden, ist falsch!“
Besonders Parteien wie die AfD wurden nach den Ereignissen in Köln laut und instrumentalisierten die Gewalt gegen Frauen. „Das ist so eine Art Doppelmoral. Oft äußern sich gerade die, die sich für Feminismus noch nie interessiert haben“, so Hübsch.
Ute Pape zitierte anfügend die Worte von Publizistin Carolin Emcke, aus ihrem Buch „Gegen den Hass“, das auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt wurde: „Angst und Sorge dürfen nicht das Ende der Auseinandersetzung, sondern sollten der Anfang des Gespräches sein!“
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion standen neben Khola Maryam Hübsch auch Ute Vesper, AWO Fachbereichsleitung, sowie Kriminaldirektor Jürgen Graver, Leiter der Polizeiinspektion Burgdorf, für Fragen zur Verfügung.
„Was in Köln passiert ist, ist furchtbar und darf sich nicht wiederholen. Aber es ist zu einfach, das Problem ausschließlich bei Männern mit Migrationshintergrund zu suchen. Tun wir das, blenden wir die 99 Prozent des Problems aus, in denen deutsche Männer Frauen Gewalt antun“, so Pape.