Größenwahn: Weihnachten fällt aus! Finden Sie das gut?

Hallelu Hallelu – jetzt ist Ruh. Kein Weihnachten, der Himmel schläft von August bis August. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
„Engel TV“ fragt nach: Weihnachten fällt aus, finden Sie das gut? Sie muss nicht jede Gans loben, obwohl ihr der Sinn nach Pommes steht. (Foto: Svenja Steinseifer)

Konzert in der Pauluskirche stößt auf positive Resonanz im Publikum

BURGDORF (svs). Ambrosius Schneeweiß verpennt das Fest, den Bäckern geht das Geschäft des Jahres durch die Lappen und wenn es nach den Interviewpartnern von „Engel TV“ ginge, gäbe es Pommes statt Gans. „Weihnachten fällt aus“, mit dem Singspiel von Peter Schindler brachten die Burgdorfer Kinderchöre in Kooperation mit dem Chor der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HTMH) am vergangenen Sonntag in der Pauluskirche ein witziges Himmelszenario mit sozialkritischer Note auf die Bühne.
Er kann nicht mehr, er will nicht mehr. Als der Weihnachtsmann Ambrosius Schneeweiß von seinen Engeln im August geweckt wird, hat er endgültig die Nase voll von Lebkuchen, Lametta und Weihnachtsbäumen. Statt Stress und Hektik wünscht er sich Zeit für Ruhe und Besinnlichkeit und eine ordentliche Mütze Schlaf bis zum nächsten August. „Ich habe mich bewusst gegen ein getragenes Werk entschieden“, begründet Chorleiter Markus Kaiser seine Entscheidung für Peter Schindler, „da wir in diesem Jahr schon ein großes klassisches Projekt hatten.“ Sowohl für die 40 jungen Akteure als auch für die Zuschauer stand bei diesem „Werkstattkonzert“ der Spaß im Vordergrund.
Ambrosius Schneeweiß jedenfalls ist der Spaß am Weihnachtsfest gründlich vergangen. Glöckchen polieren, Flocken züchten, Flügel bügeln – viel zu viel Arbeit für den überlasteten Weihnachtsmann. Und erst die Geschenke! Gedanken über den eigentlichen Sinn des Festes mache sich niemand mehr, es ginge nur noch um eine kaum zu bewältigende Flut von überteuerten Geschenken. „Weihnachten ist nur noch Größenwahn!“, beschwert sich Ambrosius Schneeweiß. „Natürlich fragt man sich in solchen sozialkritischen Momenten – traut man sich“, sagt Kaiser, „aber Schindler verpackt die wichtige Botschaft auf sehr spielerische und witzige Art!“
Als der „Weihnachten fällt aus Brief“ die Menschen erreicht, finden sie die Himmelsentscheidung weniger witzig. Kein Weihnachten – für die Bäcker eine finanzielle Katastrophe, die Kinder leiten den Wunsch nach zwei Computern dann eben an den Osterhasen weiter, andere ersparen sich den Familienstress weil jede Oma die beste Gans kocht und die Eltern sparen Nerven und Geld. Auch der Müllmann kann aufatmen – keine Plastikkrippen mit Diskobeleuchtung oder Gummistiefel zum Rückwärtslaufen müssen entsorgt werden.
Nur eine Familie bekommt von dem Anti-Weihnachtsprogramm nichts mit. Tief im Tannenwald bereiten sie sich auf Heiligabend vor. Und in einer wundersamen Nacht kehren die Menschen zum ursprünglichen Weihnachtsfest zurück. Sie staunen über das Neugeborene und sind sich einig – Geschenke, wozu? „Für mich ist das Wichtigste an Weihnachten die Zeit mit meiner Familie und den Menschen, die ich ´gern hab“, sagt eine Besucherin. Auch Tochter Sarah möchte nicht auf Weihnachten verzichten. „Das wär schade“, sagt die Vierjährige.
Vier Monate habe Martin Kaiser mit den Chören intensiv gearbeitet. „Die jüngsten sind gerade mal fünf und sechs Jahre alt“, sagt der Chorleiter, „daher haben wir den Rahmen bewusst locker gehalten. Für die Kinder ist so ein Konzert eine aufregende Sache! Aber es hat ja alles wunderbar geklappt.“ Das Singspiel mit Phillip Rupe und Jonathan Hofmann in den Hauptrollen stößt durchweg auf eine positive Resonanz im Publikum. „Es hat uns sehr gut gefallen“, sagt ein Besucher, „und den Ansatz finde ich gar nicht mal schlecht!“ Für Ambrosius Schneeweiß steht die Entscheidung fest: „Vom Himmel hoch geht’s auf die Erde, auf das es doch noch Weihnacht werde!“