"Glaubenssache": Ein Schaf namens Eva . . .

Davud und Schulschaf Eva. (Foto: Netzwerk Mensch-Tier e.V.)

Von Heige Kienle, ehrenamtliche Mitarbeiterin in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ilten.

Davud und Eva haben sich gerade ein Brötchen geteilt. Verschmiert aber glücklich schauen sie einander an und wer die beiden beobachtet, ahnt, dass zwischen Mensch und Kreatur gerade Sympathie entsteht.
Davud, ein zweijähriger Junge, sieht zum ersten Mal in seinem Leben ein Wesen wie Eva. Eva ist nämlich ein Schaf - mit cremeweiß bewolltem Körper, schwarzem Kopf und honiggelbem, neugierigem Blick.
Schon sein ganzes Leben lang, also seit gut zehn Jahren, erfreut das zutrauliche Wollvieh kleine und große Menschen. Könnte man mit Eva sprechen und würde man sie fragen, was sie neben dem Chillen auf der grünen Wiese und dem genüsslichen Wiederkäuen und schafstypischen Rülpsen mit ihren vierbeinigen Kumpels noch so tut, würde sie von ihrem Beruf erzählen.
Sie würde berichten, wie sie schon als Lamm Kindergärten und Schulen besuchte, wie sie seither bei unzähligen Geburtstagen mitwirkte, mit Konfirmandengruppen auf Wanderschaft ging, bei Gottesdiensten anwesend sein durfte und dabei die in Bibeltexten benutzten Bilder vom „Guten Hirten und seiner Herde“, vom „verlorenen Schaf“ oder vom „Lamm Gottes“ für Erwachsene und Kinder greifbar machte. Eva arbeitet als Schul-Schaf und vierbeinige Botschafterin für den Tierschutzverein Netzwerk Mensch-Tier e.V.
Schafe sind aus der Advents- und Weihnachtszeit nicht wegzudenken. Schließlich waren sie ja Augenzeugen, als der Engel Gottes den Hirten die Geburt Jesu verkündete. Kein Wunder, dass Eva auch alle Jahre wieder der Star bei diversen Krippenspielen ist. Und immer wieder zeigt sich, dass die wenigsten Menschen vorher schon einmal einem leibhaftigen, freundlichen Schaf gegenüberstanden.
„Echt schade“, findet das Sonderpädagogin Mona Kostecki aus Bilm. Zusammen mit ihrer Klasse hat sie Eva und ihre beiden Freundinnen Frieda und Camilla als echte „Entschleuniger“ kennengelernt. „Hektische, laute und unkonzentrierte Kinder wurden bei den Schafen plötzlich ganz ruhig und waren auf einmal in der Lage, aufmerksam mitzuarbeiten“, berichtet Kostecki.
Schafe scheinen die Unruhe, die oft in uns rumort, förmlich aufsaugen zu können. „Ich stecke meine Hand tief in diese warme Wolle und auf einmal rülpst das Schaf meine ganze schlechte Laune weg“, behauptete ein Mädchen beim Besuch auf der Weide.
Auch in diesem Jahr hat Eva wieder einen Job in der Adventszeit: Beim „Lebendigen Adventskalender“ in Ilten darf sie mit von der Partie sein. Sie lädt alle Besucher dazu ein, einmal einem nichtmenschlichen Mitgeschöpf der wolligen Art gegenüberzutreten. Und wer weiß – vielleicht erlöst das brave Tier den einen oder die andere dabei mit einem sanften Rülpser für kurze Zeit von Stress und Hektik.
Den Veranstaltungsplan für den Lebendigen Adventskalender in Ilten finden Sie im Internet unter www.kirchenkreis-burgdorf.de/lebendiger-adventskalender.html