Gegen den enormen Stress in der modernen Arbeitswelt

IG BCE-Gewerkschafter Maximilian Schmidt (Celle; Mi.), DGB-Ortsverbandsvorsitzender Burgdorf/Uetze Michael Miethe (l.) und Burgdorfs Bürgermeister Alfred Baxmann (r.) auf der Maikundgebung in Hänigsen. (Foto: Georg Bosse)

In der Zukunft faire Balance zwischen Arbeit und Leben herstellen

HÄNIGSEN (gb). Mit dem Anspruch „Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!“ fand am vergangenen 1. Mai, dem Internationalen Kampftag der Arbeiterklasse, die übliche Kundgebung des Ortsverbandes Burgdorf/Uetze im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) im Restaurant „La Selina“ (vorm. „Friesenbrücke“) in Hänigsen statt.
Als Gastredner konnte DGB-Ortsverbandsvorsitzender Michael Miethe das IG BCE- und Landtagsmitglied Maximilian Schmidt (Celle) sowie Burgdorfs Bürgermeister Alfred Baxmann begrüßen. Der ebenfalls geladene Bürgermeister der Gemeinde Uetze, Werner Backeberg, war krankheitsbedingt verhindert.
„Ohne Gewerkschaften geht es nicht“, sagte Baxmann, der in Richtung der eigenen Genossen erneut die rot-grüne Agenda-Politik kritisierte, die nach seiner Auffassung eine neoliberale Politik auf Kosten von Arbeitnehmerrechten gewesen sei. Und obwohl im Land der armen Reichen die Verteilung des Reichtums obszön sei, findet die Gerechtigkeitsdiskussion einfach nicht statt: „Der so genannte wirtschaftliche Aufschwung nimmt zahlreiche Alte und Jugendliche nicht mit.“ Gar nicht gut kam bei Alfred Baxmann die „schwarze Null“ von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) weg: „Die Zeche zahlen Städte und Gemeinden, denn ohne finanziellen Gestaltungsspielraum gibt es keine kommunale Demokratie. Das bedeutet für uns eher planieren als sanieren.“ Die Aussagen von Wirtschaftswissenschaftler, wie beispielsweise vom Ökonom und Präsidenten des ifo-Instituts für Wirtschaftsförderung (München), Prof. Hans-Werner Sinn, dass der Mindestlohn von 8,50 Euro/Stunde unter anderem die Schwarzarbeit fördere, sei die „übliche Heuchelei von gekauften Leuten in TV-Talkshows“, wetterte Baxmann.
Trotz Mindestlohn sei „das Abendland nicht untergegangen“, nahm Maximilian Schmidt den Ball auf: „In Niedersachsen haben 360.000 Menschen von seiner Einführung profitiert.“ Beim Zeitdruck in der heutigen Arbeitswelt und der ständigen Verfügbarkeit, Stichwort: Industrie 4.0, muss die Frage gestellt werden: „Wo bleibt der Mensch?“ Weil die Schere zwischen Arbeitsplätzen in der Industrie und im Sozialbereich immer mehr auseinanderklafft, müsse für die Sozialberufe ein merkliches Plus her und für die Zukunft eine faire Balance zwischen „Arbeit und Leben“ hergestellt werden, so der 32-jährige geborene Dresdner: „Dafür ist die Solidarität in der Arbeiterbewegung wichtig.“
Maximilian Schmidt plädierte für eine Entlastung bei den Steuerlasten in der breiten Mitte der Gesellschaft, für ein ordentliches Steuersystem mit Erbschaftssteuern für „Herrschaften mit großem Vermögen ohne eigener Hände Arbeit“ und bezeichnete die immer noch bestehenden Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern als sittenwidrig.