Gedenktafel für Karl Heinrich Ulrichs enthüllt

Superintendentin Sabine Preuschoff-Kleinschmit enthüllte die Gedenktafel an ihrem Amtssitz auf dem Burgdorfer Spittaplatz. (Foto: Georg Bosse)

Aus dem „Dunkel der Stadtgeschichte“ ans Licht

BURGDORF (gb). Seit dem vorvergangenen Freitag prangt eine Bronzetafel an der der Stadt sowie der St. Pankratiuskirche zugewandten Wand der Superintendentur auf dem Spittaplatz, die an den schwulen Burgdorfer Juristen Karl Heinrich Ulrichs (1825-1895) erinnern soll. Ulrichs hatte bereits auf dem Deutschen Juristentag 1867 in München die Forderung erhoben, die strafrechtliche Verfolgung von homosexuellen Menschen sowie ihre gesellschaftliche Ausgrenzung zu beenden.
Dieser „Paukenschlag“ fand von A wie Amsterdam bis Z wie Zürich ein weltweites Echo. Karl Heinrich Ulrichs gilt somit als engagierter Vorkämpfer der Homosexuellenbewegung. „Karl Heinrich Ulrichs ist ein Burgdorfer Kopf“, sagte der Pastor und Kirchenvorstandsvorsitzende Dirk Jonas zum Auftakt der Veranstaltung anlässlich der Enthüllung der Gedenktafel. „Und die Stadt ein Ort, der für sein Leben mitbestimmend war“, ergänzte Pastor i.R. Rudolf Bembenneck.
Dass der „Burgdorfer Kopf“ nun aus dem „Dunkel der Stadtgeschichte“ ans Licht gehoben werden konnte, sei der Initiative von Rudolf Bembenneck zu verdanken, so Bürgermeister Alfred Baxmann. Die Realisierung wurde von der Stadt Burgdorf, der St. Pankratius-Kirchengemeinde sowie vom Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Burgdorf (finanziell) unterstützt.
„Die Enthüllung erfolgt zum richtigen Zeitpunkt und tut uns gut. Geistige Enge und Vorurteile zeigen derzeit Tendenzen einer Gegenaufklärung. Dagegen müssen Haltung gezeigt und Bekenntnisse abgelegt werden“, betonte Baxmann.
„Christliche Kirche(n) und Homosexualität ist eine Geschichte aus wahrlich fernen Zeiten. Das Alte Testament birgt dazu Schätze und Schattenseiten, die alle Buchreligionen zur kritischen Auseinandersetzung veranlassen sollten. Aber die Auslegung der Heiligen Schrifte(n) werden immer von den aktuell herrschenden, gesellschaftlichen Rahmenbedingungen beeinträchtigt“, führte der Vizepräsident und Cheftheologe des Landeskirchenamtes Hannover, Arend des Vries, in seinem Vortrag an, den er mit „Der lange Weg zu Ja ohne Wenn und Aber“ überschrieben hatte.