Frauen in der Rushhour des Lebens

Interessiert lauschten die Besucherinnen der Lesung im Rahmen des Internationalen Frauentages in der Stadtbücherei in Burgdorf. (Foto: Dana Noll)

Dorothee Döring trifft mit Buch „Sandwichgeneration“ genau „den Nerv“

BURGDORF (dno). Schulpflichtige Kinder, Pubertät, Beruf, Karriere, Haushalt und möglicherweise noch pflegebedürftige Eltern – Frauen stecken im Alter zwischen 40 und 60 Jahren in einer Mehrfachbelastung und stoßen in ihrem hektischen Alltag regelmäßig an ihre Grenzen. Delegieren und abgeben fällt schwer, die Perfektionismus-Falle hat sie fest im Griff. Der Erwartungsdruck, dem sie gerecht werden müssen, ist enorm. Und zugeben, dass alles manchmal zu viel wird, fällt schwer. Zeit zum Durchatmen und Regenerieren ist Mangelware. Um diesen Konflikt geht es im Buch „Sandwichgeneration – Leben zwischen Beruf, eigener Familie und alten Eltern“ von Dorothee Döring.
Zu einer Lesung mit Möglichkeit für Fragen und Austausch, lud der Arbeitskreis „ Frauen in Burgdorf“ am vergangenen Mittwochabend in die Stadtbücherei ein. Die Anwesenden waren ausschließlich Frauen – und das zeigte schon, dass dieses Thema scheinbar ausschließlich Frauen betrifft. Mission Beruf, Kindeserziehung und Elternpflege war und ist „weiblich“! Doch, wenn am Internationalen Frauentag nicht Klartext geredet wird, wann dann. Und so nahm auch die Autorin kein Blatt vor dem Mund und beschrieb den Alltag „der Frauen in der Rushhour des Lebens“ als „Leben am Limit“. Zwar bringen sich die Männer heute mehr ein als noch in den letzten Generationen, dennoch fühlen sie sich häufig weniger verantwortlich oder stellen gar ihre eigenen Karrierepläne oder Bedürfnisse zurück.
„Frauen haben das Muttergen. Sie möchten immer, das es allen gut geht und alle gut versorgt sind. Sie haben das Rollenbild der Mütter verinnerlicht und setzen sich selbst unter Leistungsdruck“, so Döring. Dazu tappen sie noch in die „Harmoniefalle“, stecken in ihren Mustern fest und schaffen es nur schwer, diese zu durchbrechen. Doch, „der Kopf ist rund, damit die Gedanken auch mal ihre Richtung ändern können“, so die Autorin.
Gelingen kann das nur dann, wenn man sich gemeinsam um eine neue Familienkultur bemüht und die tägliche Last auf vielen Schultern verteilt, damit die Gratwanderung zwischen Liebe und Pflicht nicht zur Zerreißprobe wird. „Wer etwas ändern will, muss bei sich selbst anfangen. Kleine Auszeiten nehmen, um die Akkus aufzuladen. Tun, was einem gut tun. Nicht überfordern, eigene Grenzen finden und Bedürfnisse erkennen“, rät Döring.