Frauen „behaupteten“ sich

WenDo-Trainerin Ira Morgan (links) vermittelte Techniken zur Selbstbehauptung sowie -verteidigung in Burgdorf. (Foto: Dana Noll)

Großes Interesse am WenDo Kurs im Johnny B.

BURGDORF (dno). Am vergangenen Wochenende lud das Frauen- und Mütterzentrum Burgdorf in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten zu einem Intensivkurs zur Selbstbehauptung und -verteidigung ein.
Elf Frauen jeden Alters „kämpften“ sich im Johnny B. durch das Programm und lernten neben den Techniken vor allem ihre eigenen Möglichkeiten und Grenzen kennen. Dazu nutzte Ira Morgan ihre 35-jährige Erfahrung als WenDo-Trainerin. Das Programm setzt gezielt auf die innere Einstellung, sich in Gefahrensituationen zu verteidigen. Denn, „was nützen die besten Selbstverteidigungstechniken, wenn Frau sich im Notfall nicht traut, diese einzusetzen.“
WenDo entstand Anfang der 70er Jahre in Kanada und basiert auf dem Prinzip der Ganzheitlichkeit. Innere Einstellung wird gleichermaßen trainiert wie die körperliche Selbstverteidigung. Mit Wahrnehmungsübungen, Rollenspielen, Atem- und Stimmtraining sowie intensiven Gesprächen gilt es, Verhaltensstrategien zu entwickeln und eigene Möglichkeiten kennen zu lernen.
„Die Gruppe war bunt gemischt und es herrschte trotzdem gleich eine gute Stimmung und Gemeinschaft. Relativ schnell wurde untereinander Solidarität entwickelt und es wurden sich gegenseitig Tipps gegeben“, so Ira Morgan begeistert. Die studierte Sportwissenschaftlerin arbeitet seit 1991 ehrenamtlich im Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen in Hannover.
Das Interesse an Kursen zur Selbstverteidigung und -behauptung ist in den letzten Jahren gestiegen. Ereignisse, wie die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln, rückten das Thema ins öffentliche Interesse. Die starke mediale Präsenz sensibilisierte zahlreiche Mädchen und Frauen. Doch, „Gewalt gegen Frauen hat es schon immer gegeben!“ So wurden rund ein Drittel der Frauen in Deutschland schon sexuell belästigt oder haben körperliche Gewalt erlebt. Im letzten Jahr erreichten weit über 60.000 Hilferufe die bundesweiten Beratungsstellen – Tendenz steigend!
„Wichtig ist die innere Haltung. Es geht nicht nur um die großen Gefahrensituationen, sondern auch um Bemerkungen oder Anzüglichkeiten beispielsweise am Arbeitsplatz. Nicht nur mit Fäusten auch mit Worten kann man sich wehren und zwar immer dann, wenn eine Situation für einen unangenehm ist“, so Morgan.