Flüchtlinge erzählen von ihren Erlebnissen

Aghiad Freej erzählt Margrit Friedrichs von der Flüchtlingshilfe Sehnde e.V. auf der Bühne seine Fluchterlebnisse.

Erfahrungsaustausch im Rahmen des 3. Generationentages in Sehnde

SEHNDE (dno). Im Rahmen des Generationentages an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Sehnde berichteten Mahnaz Ahmadi und Aghiad Freej von ihren Erlebnissen auf der Flucht aus ihrem Heimatland. Auf der Bühne führte der Flüchtlingsverein Sehnde e.V. kurze Interviews sowohl mit den Geflüchteten als auch den ehrenamtlichen Betreuer/innen.
Der Flüchtlingshilfeverein gibt Förderung und Hilfe für Flüchtlinge und Asylsuchende, die sich in der Stadt Sehnde aufhalten, weil sie aus Ihren Heimatländern geflohen sind, um in Deutschland Asyl zu erhalten. Dabei steht die Integration der Menschen in die Stadtgemeinschaft als auch der interkulturelle Austausch und die Pflege einer Willkommenskultur für Menschen im Fokus. Ob Sprachunterricht, Fahrradwerkstatt oder eine Patenschaft, die Aufgaben der Ehrenamtlichen sind vielfältig. Zu ihnen zählt auch Margrit Friedrichs, die den aus Syrien geflüchteten Aghiad Freej betreut und unterstützt. Erst kurz vor der Veranstaltung legte er seine Sprachprüfung C1 ab und konnte seine Fähigkeiten gleich auf der Bühne in einem kurzen Interview unter Beweis stellen. Der aufgeschlossene 20-jährige junge Mann antwortete sicher und fließend und beeindruckte das Publikum mit interessanten Einblicken, in sein Leben sowohl vor seiner Flucht als auch bei der Ankunft in Deutschland. Schade nur, dass der Saal nicht halb so voll war, wie bei den vorherigen Tanzdarbietungen, denn der junge Syrer als auch die Flüchtlingshilfe verdienten mehr Zuhörer/innen!
Vor etwa zwei Jahren kam Aghiad Freej mit seinem Vater und einem Bruder nach Deutschland. „Die Angst in den Augen seiner Kinder, hat meinen Vater veranlasst, sein Heimatland zu verlassen“, so Aghiad Freej. Zurückgeblieben sind seine Mutter und zwei Geschwister. Keine leichte Entscheidung, wie man dem jungen Mann anmerkt: „Wir wussten nicht, was uns auf der Flucht erwartet und fanden es sinnvoller, den Rest der Familie später nachzuholen.“ Doch seit 19 Monaten sitzen die Mutter und seine zwei Geschwister in Griechenland fest. Kontakt gibt es kaum und die Zustände sind nur schwer nachvollziehbar. Doch, den Entschluss nach Deutschland zu kommen, hat er nicht bereut. „Ich fühle mich hier wohl und sicher. In unserem Land hatten alle eine Waffe, das ist nicht richtig“, so Freej. Als Palästinenser hatte er und seine Familie eine Sonderstellung im Land. „Wir wurden weites gehend anerkannt, hatten aber keine syrische Staatsangehörigkeit.“, erzählt er, „Als der Krieg anfing, formierten sich zahlreiche Gruppen, wir haben gelitten, weil wir eine Minderheit sind und nirgends so richtig dazu gehörten.“
Derzeit lebt Aghiad in Bolzum und wünscht sich nichts mehr, als dass „seine Familie bald zusammen ist.“ In der Zukunft sieht er sich als „Student an der Uni“. „Das wäre großartig“, schmunzelt Aghiad Freej.