„Fehlverhalten“ belastet die Marktstraße

Buchhändler und AKEB-Sprecher Ulrich Wegener (l.) behauptete in der Ein-/Anwohnerversammlung „Verkehrssituation Marktstraße“ gegenüber Bürgermeister Baxmann, Tiefbauamtsleiter Rainer Herbst und Danielle Frommelt (v.r.), dass er niemanden in der Kaufmannschaft kenne, der sich über Verkehr in der Innenstadt beschwert. (Foto: Georg Bosse)

„Verschlimmbesserungen“ bei Veränderung der Verkehrssituation vermeiden

BURGDORF (gb). Die Ein- bzw. Anwohnerversammlung zur „Verkehrssituation Marktstraße“, zu der die Stadtverwaltung am vergangenen Dienstagabend in den Ratssaal des Schlosses am Spittaplatz eingeladen hatte, war erfreulicherweise ordentlich besucht. Zu Beginn „der Informations- und Diskussionsveranstaltung“, so Bürgermeister und Verwaltungschef Alfred Baxmann, stellte Tiefbauamtsmitarbeiterin Danielle Frommelt Zahlen zur Entwicklung des Marktstraßen-Durchgangsverkehrs nach Fertigstellung der B188neu vor. Demnach sei die Belastung durch seinerzeit 18.355 Fahrzeugen pro Tag auf 11.849 Fahrzeuge pro Tag in 2015 gesunken. „Derzeit rechnen wir mit rund 7.200 Fahrzeugen pro Tag im Jahr 2020“, lautete die weiter reduzierte Prognose von Danielle Frommelt.
„Wir wollen Verkehr in der Innenstadt, aber auch schlauer werden. Jedoch gestaltet sich die Harmonisierung der städtebaulichen, verkehrstechnischen und wirtschaftlichen Betrachtungsweisen als die Quadratur des Kreises“, stellte Baxmann in den Raum. Und außerdem seien es eher die Burgdorfer Autofahrer selbst, die mit ihrem „Fehlverhalten“ für eine erhebliche Belastung der Marktstraße sorgen, weniger der reine Durchgangsverkehr in Richtung Uetze, Gifhorn usw. Aber den Burgdorfer Autofahrern fehlt es auch an der Einsicht, dass sich Fußgänger, Radfahrer und Kraftfahrzeugführer in einer Tempo-20-Zone (Marktstraße) gleichberechtigt begegnen. Außerdem ist die Missachtung der Vorfahrtsregel „rechts-vor-links“ eher die Regel als die Ausnahme. Bei Beachtung aller „Spielregeln“ würde sich die Geschwindigkeit auf der Marktstraße automatisch und für viele „nur Durchfahrer“ unattraktiv verringern, was für Fußgänger auch mehr Zeit für eine sicherere Querung sorgen könnte.
Danielle Frommelt stellte vier modifizierte Varianten vor, die alle keinen Verkehr mehr von der Hochbrücke kommend in die Südstadt und in Richtung Uetze/Gifhorn zulassen, dafür aber eine beträchtliche Belastung für die Nebenstrecken, wie beispielsweise für die Gartenstraße, bedeuten würden. Darüber hinaus wären die City-Geschäfte erheblich schlechter für den Individualverkehr zu erreichen. „Eigentlich fehlt uns eine direkte Verbindung zwischen Süd- und Weststadt“, machte Baxmann deutlich.
Neben dem Vorschlag, Lichtsignalanlagen (Ampeln) besonders für den Durchgangsverkehr unattraktiv umzuprogrammieren, gab es aus dem Publikum heraus auch „bremsende“ Statements. So sagte Schuh- und Sporthändler Harm Goslar, dass bislang doch viel erreicht worden sei. Dem schloss sich Modekaufmann Jörg Fehling voll an: „Nach einem positiven Prozess sucht man jetzt fast nur noch Negatives, obwohl sich die Situation im Vergleich von vor zehn oder 12 Jahren sehr verbessert hat.“ Julia Obermeyer vom gleichnamigen Modehaus mahnte: „Die Bürger brauchen eine Bindung zu ihrer Innenstadt. Man sollte jetzt nicht anfangen die (Verkehrs-)Situation noch zu „verschlimmbessern“. Kleine Unannehmlichkeiten müssen in Kauf genommen werden können.“ Der Sprecher des AKEB, Buchhändler Ulrich Wegener, hält die Marktstraßensituation für „nicht völlig unattraktiv“ und behauptete: „Ich kenne niemanden aus der Kaufmannschaft, der sich über den Verkehr in der Marktstraße beschwert.“
Und das Fazit der Informations- und Diskussionsveranstaltung? Nach besseren Querungsmöglichkeiten suchen, aber von grundsätzlichen Änderungen Abstand nehmen, um keine „Verschlimmbesserungen“ herbeizuführen.