„Es bleiben unvertilgbar Deine Spuren“

Die Trauergäste nehmen vor der Kirche Abschied. Tochter Ursula von der Leyen ist tief bewegt. (Foto: Dana Noll)

Bewegende Trauerfeier in der St. Pankratiuskirche für Ernst Albrecht

BURGDORF (dno). Zahlreiche Freunde, Weggefährten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kirche sowie Politik nahmen am vergangenen Samstag Abschied von Ernst Albrecht. Unter den circa 450 Gästen der Trauerfeier in der St. Pankratiuskirche zu Burgdorf waren u.a. Ex-Ministerpräsident David McAllister und der frühere CDU-Bundesschatzmeister Walter Leisler Kiep sowie Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe. Die große Familie Albrecht und von der Leyen saßen traurig und ergriffen in den vorderen Reihen der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche.
Trotz Regen, Wind und Eiseskälte säumten zahlreiche Burgdorfer die Marktstraße, um ebenfalls Abschied zu nehmen oder einen Blick auf die prominente Trauergesellschaft mit Albrecht-Tochter und Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen zu erhaschen. In der Kirche herrschte eine ruhige, andächtige Atmosphäre, als die Trauerfeier mit einem Stück aus der Motette „Jesu, meine Freude“ von J.S. Bach, vorgetragen vom Knabenchor Hannover, um 14 Uhr begann. Der helle, schlichte Holzsarg mit dem am 13. Dezember 2014 im Alter von 84 Jahren verstorbenen Ernst Albrecht war im Altarraum aufgebahrt, umsäumt von zwölf Blumenkränzen, unter anderem von Bundeskanzlerin Andrea Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck.
In dem einstündigen Gottesdienst wurde aus Psalm 103 und der Offenbarung gelesen. Der Knabenchor sowie die Trauergemeinde sangen jeweils drei Lieder und auf dem Violoncello wurde die Sarabande aus der Suite Nummer 3 ebenfalls von J.S. Bach vorgetragen. „Das hätte Ernst Albrecht gefallen“, so Pastor Michael Schulze, der die Predigt hielt und den Verstorbenen lange Jahre kannte. Denn Familie Albrecht war immer sehr musikalisch. So beschrieb Ursula von der Leyen in einem Interview ihren Musikgeschmack so: „Bei uns hört man Geigen, Gesang und harte Bässe – je nachdem, welches Fenster gerade offen steht!“
„Tagelang könne man Geschichten aus dem bewegten Leben Ernst Albrechts erzählen, gespeist aus unendlich vielen Erinnerungen“, so der Pastor. 1976 zum Ministerpräsidenten gewählt, beeinflusste er 14 Jahre lang das politische Geschehen und damit die Biographien zahlreicher Menschen. Ganz besonders der 1000 vietnamesischen Flüchtlinge, der „Boat People“, die 1979 auf sein Betreiben hin in Niedersachsen aufgenommen wurden. Er wollte zeitlebens mitgestalten und Verantwortung übernehmen. Gerne wäre er auch Philosoph geworden, doch ein Weggefährte sagt mal zu ihm: „Das wird nichts. Du kommst zu schnell zur Entscheidung!“
Hartnäckigkeit und Überzeugungskraft prägten seine Wesenszüge, die ihm auch privat beim Werben um seine Ehefrau Heidi Adele von Nutzen waren. Schon im zarten Alter von 13 Jahren hatte er Interesse an dem 16-jährigen Mädchen, mit der er fünf Jahre später dann auch zusammen kam und weitere Jahre später verheiratet war und sieben Kinder zeugte. Ernst Albrecht war vielseitig interessiert, liebte Natur und Tiere und „wirkte selten gestresst“, so seine Kinder. Er interessierte sich für die Relativitätstheorie von Albert Einstein, der selbst darüber einmal sagte: „Ich glaube, es gibt nur 50 Menschen auf der Welt, die diese eigentlich wirklich verstehen!“ Ernst Albrecht war sich sicher: „Ich bin einer davon!“
In den letzten Jahren war er erfüllt von großer Dankbarkeit. Er wird fehlen mit seinen Ratschlägen und seinem Urteilsvermögen und seinen Nächsten vor allem mit seiner Freundlichkeit und dem typischen Lächeln. „Doch er hat Spuren hinterlassen“, so Pastor Michael Schulze und fügt für die Familie zum Trost hinzu: „Tauchen Sie ein in die Welt das Vertrauens und Glaubens und Ernst Albrecht wird ein Teil der Familie bleiben.“