Erzieher wollen nächste Woche die Arbeit wieder aufnehmen

Der Pfarrgarten lädt zum Toben, Klettern und Spielen für die 3- bis 6-jährigen Kinder ein. Die Eltern sind erleichtert über die schnelle Hilfe mit der Notfallbetreuung. (Foto: Dana Noll)

Vertrauensverhältnis gestört / Viel Aufbauarbeit muss geleistet werden

BURGDORF (dno/jk). Die Möglichkeiten waren erschöpft. Langsam schwand das Verständnis und Ratlosigkeit machte sich breit. Der KITA- Streik hatte vor allem den beruftätigen Eltern einiges abverlangt, denn sie mussten in der Not individuelle Lösungen für die Betreuung ihrer Kinder suchen.
Dabei wurde jede Hilfe dankend angenommen. Diese kommt unter anderem derzeit von der Kolpingsfamilie sowie der katholischen St. Nikolaus-Pfarrgemeinde. Hier im Langen Mühlenfeld 19 werden für mindestens drei Wochen Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren betreut. Gerade Berufstätige oder/und Alleinerziehende sind für diese Notfallbetreuung dankbar. „Ich wüsste gar nicht mehr, wie es weiter gehen soll. Oma, Freunde, alle sind schon eingesprungen“, so eine Mutter verzweifelt.
Von 7 Uhr morgens bis 13 Uhr, nach Bedarf auch bis 14 Uhr, werden derzeit 14 Kinder im Pfarrheim betreut. Wie in einem „echten“ Kindergarten wird hier vorgelesen, gespielt, gebastelt und wenn nötig getröstet. „Die Kinder machen das ganz toll“, so eine Erzieherin, „und dass, obwohl sie sich meist untereinander gar nicht kennen!“ Doch auch für die neun ehrenamtlichen Helferinnen ist die Situation nicht ganz einfach. Dennoch: Die Eltern sind dankbar für diese Lösung, die gleichzeitig Entlastung bringt. Die Hilfsbereitschaft untereinander ist enorm. So wurden in kurzer Zeit Spielsachen und weitere Spenden organisiert, damit den Kindern eine schöne „Übergangslösung“ geboten werden kann. Neben dem gemeinsamen Mittagessen gibt es eine großzügige Freispielanlage, die zum Toben einlädt. Hier wurde sogar der Sandkasten frisch aufgefüllt, damit die kids baggern und buddeln können. Auch die Räumlichkeiten im Pfarrheim sind kindgerecht und einladend. Sogar Kinderschminken stand in dieser Woche auf dem Programm.
Kein Wunder also, dass die Wartelisten lang sind.
Vielleicht hat sich die Notfallbetreuung aber auch zeitnah erledigt. Nach vier Wochen Streik sollen die Erzieherinnen und Erzieher ab Montag vorerst wieder normal zur Arbeit gehen. Denn Arbeitgeber und Gewerkschaften einigten sich am frühen Donnerstagmorgen nach stundenlangen, zähen Gesprächen auf eine Schlichtung, die zunächst die Arbeitsaufnahme der Erzieherinnen in der kommenden Woche ermöglichen soll. Nach der geltenden Schlichtungsvereinbarung handelt es sich allerdings nur um eine Aussetzung des unbefristeten Streiks. Ab Montag, 8. Juni 2015, werden alle städtischen Kindertagesstätten daher ihren Betrieb erst einmal wie gewohnt aufnehmen. Wie lange der Streik ausgesetzt wird, ist bisher noch nicht bekannt.
Auf eine baldige Lösung hoffen Kinder und Eltern schon sehr lange, um endlich zu den gewohnten Abläufen zurückkehren zu können. „Das wird nicht so einfach, denn das Vertrauensverhältnis ist massiv gestört“, so eine Mutter bedenkend. Ein Dauerstreik in einem so sensiblen Bereich wie dem Sozial- und Erziehungsdienst sei unerträglich. Gerade in den Ortsteilen von Burgdorf seien Ersatzbetreuungen mangels Personal und Räumlichkeiten schwer zu organisieren.