Erinnerung und Gedenken an die „Reichskristallnacht“

In der Burgdorfer St. Pankratiuskirche sprach der Ratsvorsitzende Olaf Weinel (r.) das Gedenkwort der Stadt anlässlich des 75. Jahrestags der Reichspogromnacht 1938. (Foto: Georg Bosse)

Arbeitskreis „Gedenkweg 9. November“ erinnerte an 75. Jahrestag der Novemberpogrome

BURGDORF (gb). In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland und in Österreich jüdische Synagogen und Gebetshäuser. Der um sich wütende Nazi-Terror zertrümmerte die Schaufenster jüdischer Geschäfte, im damaligen Berliner Volksmund „Reichskristallnacht“ genannt, demolierte die Wohnungen der jüdischen Mitbürger und machte auch vor Misshandlungen ihrer Bewohner nicht Halt. Die Weisung zur Reichspogromnacht war durch die Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschland (NSDAP) von München ausgegangen. Als die Flammen noch nicht erloschen und Scherben kaum beseitigt waren, wurden mehr als 30.000 männliche Juden in Konzentrationslager (KZ) verschleppt.
Während des schockierenden Novemberpogroms brannte die Burgdorfer Synagoge zwar nicht, aber diese schrecklichen Ereignisse waren auch in der Auestadt der Auftakt zu gesellschaftlichen Ausgrenzungen, Verschleppungen und späterer Ermordung von jüdischen Mitbürgern, die zuvor geschätzte und angesehene integrierte Persönlichkeiten in Burgdorf, z.B. im Schützen- und Feuerwehrwesen, gewesen waren.
Um das Gedenken an die Opfer von Verfolgung und menschenverachtender Meuchelei wachzuhalten, hatte der Burgdorfer ökumenische Arbeitskreis „Gedenkweg 9. November“ anlässlich des 75. Jahrestages der Reichspogromnacht zu einer Gedenkstunde in die evangelisch-lutherische St. Pankratiuskirche am Spittaplatz eingeladen.
Was unterscheidet diese Nacht von anderen Nächten? Sie war der sichtbare Beginn der Shoa! Der hebräische Begriff für „Unheil“ steht für den nationalsozialistischen Völkermord an den Juden Europas. In seinem Gedenkwort für die Stadt sah der Ratsvorsitzende Olaf Weinel (SPD) im Erscheinen von rund 100 Teilnehmern am Gedenkweg zu ehedem bedeutsamen Häusern von Juden und Jüdinnen in Burgdorf sowie zu den Stolpersteinen ein ermutigendes Zeichen: „Der „Gedenkweg 9. November“ sorgt in Burgdorf für eine Kultur des Erinnerns, des Hinsehens und Zuhörens.“
Zum Zuhören und Erinnern führte Pastor i.R Rudolf Bembenneck die Gedanken und das Gedenken der Anwesenden noch einmal durch berührende Ausführungen zu Schicksalen jüdischer Menschen und Familien in Burgdorf, die Opfer der verbrecherischen Nazi-Diktatur und des mehr als vereinzelten Wegsehens geworden waren.