Einigung im Klinikstreit - Ein Ein großer Tag für die Region?

Übereinstimmung bei allen Parteien bei der Abstimmung. (Foto: Renate Tiffe)
 
Oliver Brandt (CDU) während seiner Rede. (Foto: Renate Tiffe)

Krankenhäuser in Burgwedel und Lehrte sollen zukunftsfähig werden

HANNOVER/BURGWEDEL/LEHRTE (ti). Es war ein großer Tag für die Region. Die Fraktionen von SPD, CDU und Grünen hatten in der Regionsversammlung einen gemeinsamen Antrag gestellt, in dem es um die Zukunftsfähigkeit der beiden Krankenhäuser in Großburgwedel und in Lehrte ging – eine Rarität auf dieser politischen Ebene. Aufgeräumt bis heiter gaben sich die Abgeordneten, die Redebeiträge blieben, bis auf wenige Ausrutscher, sachlich und konstruktiv. Bei einer Enthaltung gab es ein erleichtertes, einstimmiges Votum der anwesenden 80 Mandatsträger für die künftige Entwicklung der beiden Klinikstandorte im Nordosten der Region.
Der Beschluss beinhaltet weiter einen Neubau am bisherigen Standort in Großburgwedel und die Spezialisierung dort im Bereich Herzkatheter und Schlaganfallpatienten. In Lehrte bleiben die Versorgungsangebote der Inneren Medizin, der Chirurgie und Notaufnahme erhalten. Zusätzlich soll ein altersmedizinisches Zentrum entstehen, zu dem auch die Aus-, Fort- und Weiterbildung für das entsprechende Fachpersonal gehört. Das Konzept, das von der Geschäftsleitung des Klinikums zu erarbeiten ist, soll so rechtzeitig vorliegen, dass die Regionsversammlung im Juni darüber beraten kann.
Vorausgegangen waren dem Antrag, neben den teils auch öffentlich heftig geführten Diskussionen seit Herbst 2014, vor Kurzem die politischen Auseinandersetzungen im Sozialausschuss (wir berichteten) und schließlich am Freitag vergangener Woche das Zusammenraufen in einem Achter-Gremium, das aus den Vorsitzenden der Fraktionen und deren gesundheitspolitischen Sprechern bestand. Ein wenig Hektik war also zum Schluss angesagt.
Silke Gardlo, die Fraktionsvorsitzende der SPD, freute sich über die zukunftsfähige Version für beide Krankenhäuser und pries das Ergebnis als einen „Supertag für die Region“. Ausführlicher kam der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Oliver Brandt, zur Sache. Brandt hob die seltene Übereinstimmung und gute Arbeit in der Achter-Sitzung hervor. Gewinner seien die Patienten. Erwiesen seien die guten Leistungen der beiden Krankenhäuser und deren „Kundenbindung“. Wichtig sei, dass in dem gemeinsamen Vorgehen die Krankenhäuser nicht gegeneinander ausgespielt wurden. Der Sprecher der SPD, Paul Krause, meinte, dass von dem Antrag, der an diesem Tag auf den Weg gebracht werde, alle Beteiligten profitierten. Die Kompetenz des Klinikums Region Hannover (KRH) in der zukunftsträchtigen Geriatrie werde am Standort Lehrte nach den Landesempfehlungen herausgearbeitet, um die Förderfähigkeit zu erfüllen. Der Sozialdemokrat rügte, dass es bei den Querelen um die Medizinstrategie 2020 zu wenig um die Sache und zu viel um Unterstellungen gegangen sei. Jetzt gebe es die Chance auf konstruktive Lösungsansätze, da es auf kräftige Unterstützung für die nächsten fünf bis acht Jahre ankomme, wo die Landesmittel nicht ausreichten.
Ärzteeinspruch nicht seriös
Ein klares Wort fügte Krause zum Ärzteeinspruch hinzu, der in den letzten Wochen Aufsehen erregt hatte. Ein solcher Brief sei bei der Region nicht angekommen, er sei offensichtlich nur der Presse vorgelegt worden, eine Kommunikationsmethode, die zwar um sich greife, aber nicht seriös sei.
Doris Klawunde von den „Grünen“ stellte bei der medizinischen Neuausrichtung den Spagat zwischen der hochtechnisierten Medizin und den zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel heraus. Ein wichtiger Baustein werde die Aus-Fort- und Weiterbildung in Lehrte sein. „Sehr ambitioniert“ nannte die FDP-Fraktionsvorsitzende Christiane Hinze das KRH-Projekt. Elementar wichtig sei die Wirtschaftlichkeit, wenn es um die Zukunftsfähigkeit gehe. Die Zusammenarbeit mit anderen Krankenhausbetreibern solle nicht außen vorgelassen werden. Bedenken äußerte die Liberale bezüglich der kurzen Zeit bis zum Juni, angesichts der großen Aufgaben, vor denen die Geschäftsleitung jetzt steht. Als eins der größten Medizinunternehmen des Landes bezeichnete CDU-Fraktionssprecher Bernward Schlossarek das KRH. Der politische Diskurs lohne sich dafür, weil es u.a. auch um viele Arbeitsplätze gehe.
Die Region stehe weiter zum KRH und habe jetzt eine gute Lösung gefunden, die zur Beruhigung beitrage, resümierte Regionspräsident Hauke Jagau. Es seien sehr anspruchsvolle Voraussetzungen, mit denen auf die Geschäftsleitung eine Menge Aufgaben zukommen, betonte auch er. Jagau forderte die Regionsversammlung auf, auch in Zukunft gemeinsam im Interesse der Menschen zu arbeiten.
Neben allen „Rettern“ der Zwei-Häuser-Lösung, die sich zur Zeit im Licht der Öffentlichkeit sonnen, sollte die Rolle der beiden Regionsvorsitzenden der Parteien, Dr. Matthias Miersch ( SPD) und Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU), nicht außer acht lassen. Just an dem Tag, an dem das Modell vom „Neubau auf der grünen Wiese“ öffentlich gemacht wurde, stellte Miersch bei der SPD die Weichen für den Erhalt beider Kliniken. Vermutlich nicht ganz ohne den Blick auf die Kommunalwahlen im September. Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU), dessen Partei sich von Beginn an für den Erhalt beider Häuser eingesetzt hatte, richtet jetzt den Blick auf das Gesamtklinikum mit den verlustbringenden Standorten in der Landeshauptstadt. Es dürfe keine Zeit mehr verloren gehen. Es komme jetzt darauf an, dass der Aufsichtsrat die Beschlüsse der Politik zeitnah umsetzt.