Eine Liebeserklärung an die Stadt Burgdorf

HAZ-Redakteur Klaus von der Brelie (rechts) führte in die Ausstellung ein. (Foto: Dieter Heun)
 
Aus fast 80.000 Fotonegativen hatten die Ausstellungsmacher die Exponate der Ausstellung ausgewählt. (Foto: Dieter Heun)

Ausstellung würdigt das Reporterleben Jochen Mellins

BURGDORF (r/jk). „Es war Zeit, dass man diesen Fundus gehoben hat“, meinte Bürgermeister Alfred Baxmann bei der Eröffnung der neuen Ausstellung „Jochen Mellin: Fotograf – Journalist - Mensch“, die der VVV und die Stadt seit vergangenem Sonnabend in der KulturWerkStadt präsentieren. Dass die Erinnerung an den 2009 verstorbenen und aus Burgdorf stammenden Journalisten nicht erloschen ist, zeigte der große Gästezustrom bei der Eröffnungsveranstaltung.
Als langjähriger Weggefährte Mellins zeichnete HAZ-Redakteur Klaus von der Brelie in seinem von fühlbarer Wertschätzung geprägten Einführungsvortrag ein nuanciertes und mit vergnüglichen Anekdoten angereichertes Bild von dessen Persönlichkeit und seinem Wirken als Journalisten. Fast 24 Jahre teilten sich die beiden Kollegen ein Büro der Niedersachsen-Redaktion der HAZ. Dabei hätte sich ein sehr enges Vertrauensverhältnis aufgebaut. Bevor sich Mellin diesem von 1977 bis 2005 währendem Aufgabenfeld widmete, war er nach einem einjährigen Intermezzo beim „Burgdorfer Kreisblatt“ bereits 15 Jahre für die HAZ tätig gewesen.
Von der Brelie unterstrich, dass er Mellin als verlässlichen Journalisten mit festen Prinzipien, fundierter Arbeitsweise und schnörkelloser Wortwahl kennen gelernt habe. Bewundernswert sei sein feines Gespür für die leisen Zwischentöne in der Sprachschöpfung sowie eine äußert präzise Beobachtungsgabe beim Ablichten eines Fotomotivs und Verfassen eines Textbeitrags gewesen. Als einen weiteren wichtigen Bestandteil von Mellins journalistischem Leben würdigte der HAZ-Redakteur dessen uneigennützigen Einsatz für die Interessenvertretung seiner Berufskollegen im Deutschen Journalisten-Verband (DJV) und im Verein „Kollegenhilfe niedersächsischer Journalisten“, dessen Vorsitz er 1992 übernahm und bis zu seinem Tode inne hatte.
Fast alle Exponate der Schau stellte Mellins Witwe Ute zur Verfügung. Aus fast 80.000 Fotonegativen hatten die Ausstellungsmacher um Dieter Heun, Heidi Rust, Otto Lorenz, Heinz Neumann, Ernst Cordes, Armin Baur und Anke Gehrke eine schwierige Auswahl zu treffen. „Ich finde, dass dies dem Ausstellungsteam sehr gut gelungen ist“, meinte Ute Mellin sichtlich bewegt beim Rundgang durch die Schau, die bis zum 10. Februar zu sehen ist. Die Fotografien, in denen Mellin fünfzig Jahre der Burgdorfer Stadtentwicklung mit nicht unkritischem Blick portraitierte, stellen „eine Liebeserklärung an die Stadt“ dar, wie Bürgermeister Baxmann sinnierte. Sie zeigten, dass Mellin als Zeitzeuge und Anteil nehmender Fotochronist mit viel Herzblut an seiner Heimatstadt hing. Es lohne sich, in deren Bilderwelt einzutauchen.
Weitere Segmente der Rückschau blicken auf seine familiären Wurzeln zurück und beleuchten unter Einbeziehung seiner herausragenden Reportagen die wichtigsten Etappen von Mellins journalistischem Lebensweg. Elementares Handwerkszeug des Reporters – von der Schreibmaschine über Fotoapparate bis zum Fotolabor - , das seine tägliche Arbeit über Jahrzehnte begleitete, rundet den breiten Ausstellungsrahmen ab.