Eine berührende Foto-Dokumentation der Vertreibung

Für viele Flüchtlinge ein Endpunkt der Flucht: Ebeleben bei Sondershausen. (Foto: VVV)

Beiprogramm am 18. August im Stadtmuseum

BURGDORF (r/jk). Die bis 25. August im Stadtmuseum (Schmiedestraße 6) laufende Ausstellung „Hier geblieben – Flüchtlinge und Vertriebene in der Nachkriegszeit“ regt zu einer unverkrampften Auseinandersetzung mit der Frage an, unter welchen Begleitumständen sich im Burgdorf der Nachkriegszeit die Aufnahme Hunderter Flüchtlinge und Vertriebener im Rahmen einer millionenfachen Fluchtbewegung aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten gestaltete.
Waren Sie in der Stadt willkommen und trafen auf wohlwollendes Entgegenkommen oder reagierten die Einwohner mit Ablehnung und Überforderung? Wie gelang es, die Menschen in der an knappem Wohnraum leidenden Stadt unterzubringen und ihnen neue Lebens- und Berufsperspektiven zu vermitteln? Auf diesen Fragenkomplex versucht die Ausstellung passende Antworten zu finden und greift beispielhaft für viele andere Vertriebenenschicksale die Biografien einer Reihe betroffener Menschen heraus. Die Zurückverfolgung ihres Lebensweges von den Wochen der Vertreibung bis zur Ankunft in Burgdorf und die von ihnen zu bewältigende Standortbestimmung im Beziehungsgefüge der Stadt steht dabei im Mittelpunkt der Betrachtung, der sich eine Einordnung in den zeitgeschichtlichen Hintergrund anschließt.
Zu einer Fortsetzung des ausstellungsbegleitenden Beiprogramms lädt der VVV am Sonntag, 18. August, ein. Manuela Diers, Doktorandin an der Uni Hildesheim, stellt um 14.30 Uhr das von ihr gestaltete Ausstellungssegment über die Vertreibung ihrer Urgroßeltern aus Schlesien vor. Es trägt den Titel „Laut Anordnung der Regierung der Republik Polen hat die gesamte deutsche Bevölkerung das polnische Staatsgebiet zu verlassen“. Zu sehen sind fotografische Arbeiten, die vor dem Hintergrund ihrer fachpraktischen Prüfung im Fach Kunst entstanden.
Die Lehrterin hat sich nach umfangreichen Vorrecherchen in Begleitung ihrer Fotokamera auf eine historische Spurensuche an die damaligen Schauplätze begeben und die nachvollziehbaren Etappen der Fluchtbewegung ihrer Urgroßeltern Klara und Hermann Reinhold aus ihrem Heimatort in der Nähe von Hirschberg/Schlesien nach Ebeleben bei Sondershausen in eindrucksvollen Fotografien festgehalten. In ihnen manifestiert sich auf direkte Weise der menschenverachtende Charakter der Vertreibung. Manuela Diers hebt den symbolischen Ausdrucksgehalt ihrer Fotoserie hervor: „Der Weg meiner Urgroßeltern steht exemplarisch für die gleichen Lebenslinien unzähliger anderer unschuldig Vertriebener, die Hals über Kopf ihr gewohntes Umfeld zurücklassen und unter unsäglichen Strapazen sich in den Westen durchschlagen mussten, immer die letztlich vergebliche Hoffnung in sich tragend, einmal in die Heimat zurückkehren zu können, und im ungewissen, was der nächste Tag bringt.“