Ein wahres Kreuzfeuer von Gag-Attacken

Mit bissigen Kommentaren versucht Werner Momsen (links) den Tenor Henning Kothe zum Singen von Shanty Liedern zu überreden. (Foto: VVV)

„Klappmaulkomiker“ Werner Momsen gastierte im CulturCircus

BURGDORF (r/jk). Vom oft gescholtenen, unterkühlten Temperament der Norddeutschen war beim Auftritt des Hamburger Klappmaulkomikers Werner Momsen und seines für glänzende Gesangspunkte sorgenden Begleiters Henning Kothe im mit rund 300 Besuchern ausverkauften roten Zirkuszelt im Schlosspark nichts zu spüren. Beide Künstler waren einer Einladung des jungen VVV, der Kulturabteilung der Stadt und des JohnnyB. zum 7. Burgdorfer CulturCircus gefolgt. Schon in den ersten Minuten geriet das Publikum in ein wahres Kreuzfeuer von Gag-Attacken, deren Treffsicherheit sich in den zunehmenden Lachanfällen des Publikums schon nach kurzer Zeit offenbarte und von diesem im Verlauf des Abends mit gesteigertem Applaus honoriert wurde.
Momsen, hinter dessen Puppenkörper sich sein Drahtzieher Detlef Wutschik in einer bis über den Kopf reichenden schwarzen Montur verbarg, nahm sich zuerst spezielle norddeutsche Eigentümlichkeiten vor. Der meist nach innen gewendete Frohsinn, der sich nur bei erhöhtem Alkoholpegel nach außen kehre, die übertriebene Leidenschaft für das Bosseln und die Neigung zu skurrilen Redewendungen standen ebenso im Fadenkreuz seiner spöttischen Einwürfe wie bissige Kommentare über die Mundfaulheit der Deutschen, bei der mit Wortfetzen ganze Sätze angedeutet würden. Wenn im übrigen Deutschland ein Mensch sagt: „Wir werden in den nächsten Jahren harte Einschnitte nicht verhindern können und es wird Jahre dauern, bis wir wieder darüber hinwegkommen“, dann würde laut Momsen ein Norddeutscher sich so äußern: „Nützt scha nix“.
Nach dieser Soloeinlage betrat sein Partner Henning Kothe die Bühne. Der Auftritt war als inszenierte Verwechslungsszene gestaltet. Angekündigt hatte Momsen den Auftritt des begnadeten Shanty-Sängers Fiete Hansen. Doch dieser entpuppte sich zu seiner (natürlich nur fingierten) Überraschung als der stimmgewaltige Tenor Henning Kothe, der seinen Auftrittsort verwechselt hatte und nun zu einem Vortragsabend mit von ihm am Klavier angestimmten Liedern aus der Zeit der Romantik ansetzen wollte. Um die Situation zu retten, brachte der von dieser angedrohten „Schubertiade“ wenig begeisterte Momsen die selbst verfasste Ballade „...ist da wer im Sanitär?“ nach der Melodie von Jonny Hills 1970er Country-Hit „Ruf Teddybär eins-vier“ zu Gehör. Nur dass sich hier alles um einen einsamen Sanitärfachverkäufer drehte, der eine gestörte Beziehung zu Kunden hat. Zum erhöhten Heiterkeitspegel der Zuschauer trug bei, dass Kothe Momsen mithilfe der Klangerzeugung auf (zufällig!) herumliegenden Zubehörteilen des Sanitärbereichs musikalisch unterstützte und dabei auf einer Kloschüssel Platz nahm. Bei seinem nächsten Liedbeitrag, einer Liebeserklärung an Lisbeth, bediente sich Werner Momsen der bekannten Melodie von „True Love“ aus dem gleichnamigen Film und wusste dem in sehr eigenwilliger Weise eingedeutschten Gesangstext urkomische Akzente zu verleihen.
Tenor Henning Kothe eröffnete den zweiten Teil des Abends mit einigen Kostproben seiner Gesangeskünste. So sang er die in höchsten Tönen schwelgende Arie der Königin der Nacht und das mit süffisantem Lächeln dargebotene Vogelfängerlied aus der „Zauberflöte“. Werner Momsen gab amüsante Einblicke in sein Seelenleben und berichtete, wie er davon träume, als Puppe eines Tages auf dem Sondermüll zu enden.
Seine Reflexionen über geschlechtsspezifische Verhaltensmuster stießen offensichtlich auf einen großen Wiedererkennungswert. So plauderte er über verschämt in einen Sex-Shop schleichende Männer, die Neigung der Frauen, ihren Auto Kosenamen zu geben oder über das mangelnde Körperpflegebedürfnis der Männer. Die erotische Komponente kam ebenfalls nicht zu kurz, als sich Momsen über die stimulierende Wirkung eines Überbrückungskabels ausließ oder davon berichtete, dass eine sanft über den Rücken einer Frau gestrichene Gänsefeder zur Perversion ausarte, wenn die Gans noch hinten dran hänge.
Nach mehreren Überredungsversuchen gelang es Momsen endlich, Kothe zum Singen von Shantys zu animieren, bei deren Vortrag sich der Sänger auch nicht von seinem herabfallenden Notenständer irritieren ließ. Für ihre Vorstellung ernteten beide Künstler tosenden Applaus, für den sie sich mit einer prächtigen Zugabe revanchierten. Werner Momsen holte seine mit Kothes Stimme zu gesanglichem Leben erweckte Puppenkollegin Gerda auf die Bühne, mit der er sich zum Duett „Something Stupid“ vereinte.