Ein Streifzug durch die Abenteuerwelten von Karl May

Auch das Leben der Indianer wird dargestellt. (Foto: VVV)

Neue Zinnfigurenausstellung vom 7. Mai bis 3. Juli

BURGDORF (r/jk). Der VVV, der Förderverein Stadtmuseum und die Stadt Burgdorf präsentieren vom Samstag, 7. Mai, bis Sonntag, 3. Juli, die zehnte Ausstellung der Burgdorfer Zinnfigurensammlung. Die im Stadtmuseum (Schmiedestraße 6) gezeigte Sonderschau trägt den Titel „Der Wilde Westen – Indianer, Cowboys, Siedler“. Sie lädt zu einem unterhaltsamen Streifzug durch die in Zinn gegossene Abenteuerwelt von Karl May ein. Fördernde Unterstützung leistet die Stadtsparkasse Burgdorf. Zur Eröffnung findet am Samstag, 7. Mai, eine Führung mit dem Leiter der Burgdorfer Zinnfigurensammlung, Horst Hübner, und dem Sammlerfreund Dr. Werner Rabe statt. Beide sind auch für die Zusammenstellung der Ausstellung verantwortlich. Der Rundgang beginnt um 14.00 Uhr.

Der „Wilde Westen“

Die in den Schauvitrinen präsentierten Szenen aus dem „Wilden Westen“ stehen erstmals im Blickfeld der Öffentlichkeit. Sie lassen Karl Mays Helden und Abenteuer aus den Büchern heraustreten und in Zinn plastisch werden. Das friedliche Leben der Indianer, aber auch ihre Konflikte mit den unaufhaltsam vordringenden Siedlern stehen im Mittelpunkt der Darstellungen. Die Inbesitznahme des „Wilden Westens“ seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts weckte die Abenteuerphantasien vieler Europäer. Abenteuer- und Jugendliteratur zu diesem Thema fand weite Verbreitung und zeichnete ein meist romantisch-verklärtes Bild vom unbeschränkt freien Leben im „Wilden Westen“. Die größte Popularität genossen in Deutschland die Werke des sächsischen Schriftstellers Karl May, der die unsterblichen Helden Winnetou und Old Shatterhand schuf. Auch die Zinnfiguren-Hersteller (Offizine) reagierten auf diese Entwicklung und entwickelten noch zu Mays Lebzeiten die ersten Zinnfigurenserien mit Westernmotiven. Der Nürnberger Offizin Ernst Heinrichsen brachte im 65. Lebensjahr von Karl May im Jahre 1906 eine Western-Edition heraus, die unter der Bezeichnung „Winnetou I“ in die Spielzeugläden kam und 10 Flachfiguren enthielt. Ihr folgten ein Jahr später „Winnetou II“ und „Der Schatz im Silbersee“.
Heinrichsen blieb lange Zeit der einzige Hersteller von May-bezogenen Zinnfiguren. Erst fast 23 Jahre später gab es Konkurrenz: ab 1929 widmete sich auch die von einigen Zinnfigurensammlern 1924 in Kiel gegründete „Fabrik für historische Zinnfiguren und Kulturbilder G.m.b.H.“ dem May-Thema. Sie brachte Anfang der dreißiger Jahre zwei Serien in beachtlichem Umfange von jeweils bis zu 40 Teilen auf den Markt: „Durch die Wüste“ und „Der Schatz im Silbersee“. Das Zustandekommen ist ein Verdienst von Otto Gottstein (1882 bis 1951), dem bedeutendsten Privatherausgeber von Zinnfiguren der Vorkriegszeit. Es entstand eine Vielzahl von Typen aus dem Figuren-Universum von Karl May, die den Erwartungen der Kinder an ein realitätsgetreues Nachspielen spannender Szenen und Abenteuer aus den Westernromanen entsprachen. Ein im Jahr 2015 im Karl May-Verlag erschienenes Buch gibt einen zusammenfassenden Überblick über die Sammlerfiguren mit Bezug zu den Romanen Karl Mays.
In der Ausstellung ist die Entwicklung der Figuren allgemein von der Urmasse (Elastolin) bis zur heutigen Zinnfigur in der Größe von 30 bis 35 mm zu erleben. Zudem treten Landsknechte und Ritter in unterschiedlichen Darstellungen auf, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts ebenfalls als Spielzeug in den Kinderzimmern tummelten.

Größte kommunale Sammlung

Die Ursprünge der seit vielen Jahren von Horst Hübner betreuten Sammlung liegen im Jahr 1935, als der von Celle nach Burgdorf versetzte Lehrer Friedrich Schirmer die erste Ausstellung der von ihm seit frühester Jugend zusammengetragenen Zinnfiguren der Öffentlichkeit vorstellte. Schon damals bewunderte die Fachwelt die Präzision der dargestellten Miniaturszenen. In den folgenden Jahrzehnten stellte Schirmer mit zahllosen neuen Zinnfiguren und fantasievoll gestalteten Szenarien aus der Welt- und Regionalgeschichte einen Materialbestand mit einmaligem Charakter zusammen.
Nach seinem Tod im Jahr 1973 übernahm die Stadt Burgdorf die in internationalen Fachkreisen hoch angesehene Sammlung, der bis dahin feste Ausstellungsräume verwehrt geblieben waren. 1978 gelang es einigen enthusiastischen Sammlerfreunden um Friedrich Karl Wiesener und Horst Hübner, die Zinnfiguren mit Unterstützung der Stadtsparkasse Burgdorf in einer Sonderschau einem größeren Publikum wieder zugänglich zu machen. Danach begann die Zusammenarbeit mit dem VVV, der die organisatorische Basis für zahlreiche weitere Ausstellungen schuf, die in regelmäßigen Abständen im Stadtmuseum zu sehen sind. Aktuell umfasst der Fundus mehrere Großaufstellungen, über 130 Dioramen und mehr als 200 Kleinaufstellungen mit unzähligen Zinnfiguren. Als Zinnfigurensammlung in kommunalem Besitz ist sie die größte ihrer Art in Deutschland.
Das Stadtmuseum ist sonnabends und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Führungen können in Absprache mit VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich (Tel. 05136/1862) auch in der Woche stattfinden.