Ein „Nomade“ ist in Burgdorf sesshaft geworden

Seyba Oumar Coulibaly und Mohammad Ali (v. li.) erzählten von den Wegwirrungen aus ihren Heimatländern Mali bzw. Somalia nach Deutschland und Burgdorf. (Foto: Georg Bosse)

„Burgdorf Afrikanisch“ mit Seyba Oumar Coulibaly und Mohammad Ali

BURGDORF (gb). Wie die Wege von Menschen aus der westafrikanischen Republik Mali oder aus Somalia, dem Staat am Horn von Afrika, nach Burgdorf führen können, erfuhren am vergangenen Samstag gut 70 Besucher in der KulturWerkStadt. Dort stellten die in der Auestadt lebenden Seyba Oumar Coulibaly und Mohammad Ali ihre Heimatländer Mali bzw. Somalia im Rahmen der neunwöchigen Dokumentationsreihe „Burgdorf International“ vor.
Seyba Oumar Coulibaly wurde 1963 in dem kleinen malinesischen Dorf Farabougou geboren. Als „Nomade“, wie sich Coulibaly selbst gern bezeichnet, zog es ihn als junger Mann in die weite Welt. So kam er über viele afrikanische und europäische Lebenswegstationen 1990 nach Deutschland. Persönliche Kontakte führten den damals 33-Jährigen sechs Jahre später nach Celle, wo er eine berufliche Anstellung bei der I.A.C. Groupe Europe (ehem. Stankiewiecz) in Adelheidsdorf fand. Seit 1997 lebt Seyba Oumar Coulibaly in Burgdorf: „Ich habe gelernt, in Burgdorf zuhause zu sein, weil mir hier eine Heimat geschenkt wurde. Hier habe ich mittlerweile mehr Freunde als in Mali. Nach all meinen Erfahrungen ist Burgdorf für mich „größer als Indien“. Und obwohl ich ein Nomade bin, möchte ich diese Stadt nicht mehr verlassen.“
Dabei schwingt in seinen Worten viel Zuneigung zu Burgdorf und seinen Menschen mit. Zu diesen Menschen gehört unter anderen der Burgdorfer Rechtsanwalt Rüdiger Zach. Der Vorsitzende des Heesseler SV (HSV) ist derzeit Sprecher des „Freundeskreis Mali“, der 2009 ins Leben gerufen wurde. Gemeinsam mit dem Journalisten Hans-Anton Papendieck, dem Entwicklungshelfer Hans Dehne, Burgdorfs Stadtjugendpfleger Bernd Witte, der „International“-Projektleiterin Ursula Wieker und eben Seyba Oumar Coulibaly plante der „Freundeskreis“ für 2011 eine gut organisierte Reise nach Mali. Das Ziel war, mit dem Heimatdorf des „Nomaden“, Farabougou, eine Städtepartnerstadt in Gang zu bringen. „Das Projekt sollte keine „Entwicklungshilfe“, sondern ein kultureller Austausch werden, um voneinander lernen zu können“, betonte Rüdiger Zach in seinem Aktionstags-Grußwort in der KulturWerkStadt.
Mitten in die konkretisierenden Vorbereitungen platzte der so genannte „Arabische Frühling“ mit dem Bürgerkriegskonflikt in Libyen. „Malinesische Söldner, die als Marodeure in ihr Land zurückkehrten, hätten für unsere Reisegruppe jedoch eine zu große Gefahr dargestellt. Deshalb ist das Projekt derzeit auf Eis gelegt. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, zeigte sich Zach zuversichtlich, das „Freundeskreis“-Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt erneut in Angriff nehmen zu können.
Mohammad Ali stammt aus dem im äußersten Osten Afrikas zerfallenen Staat Somalia. 1972 in der früheren somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren, musste Mohammad mit seiner Familie das bürgerkriegsgeschundene Land 1989 in Richtung Karachi (Pakistan) verlassen. Nach dem Bauingenieursdiplom in Pakistan führte Mohammad Alis Weg in die Vereinigten Staaten, wo er, inzwischen US-amerikanischer Staatsbürger, in der Ostküstenmetropole Boston seine spätere deutsche Ehefrau Inga Cramer aus Burgdorf kennen und lieben lernte. „Nach der Hochzeit hatten wir zwei Länder zur Auswahl - wir entschieden uns für Deutschland. Und so ist Burgdorf auch eine Heimat für mich geworden“, erzählte Mohammad Ali, während seine in afrikanisches Tuch gekleidete Frau Inga den Gästen ein Gläschen Ingwer/Zitronen-Erfrischung reichte.
Das Programm des afrikanischen Nationentages in der Burgdorfer KulturWerkStadt wurde für die Gaumen von Couscous, Süßkartoffeln und heißem süßen Tee sowie für die Augen und Ohren von Vorträgen von Ursula und Valentin Wieker über die täglichen Abläufe in Mali begleitet.