Ein Jahr Pause – dann geht's weiter

Neue Chance für junge Literaten: Für nächstes Jahr soll der Burgdorfer Literaturwettbewerb voraussichtlich wieder ausgeschrieben werden. (Foto: Pixabay)

Stadt und Ratspolitik wollen den Jugendliteraturwettbewerb für nächstes Jahr wieder ausschreiben

BURGDORF (fh). Neue Chance für den Burgdorfer Jugendliteraturwettbewerb: Nach einem Jahr Pause wollen Politiker und Verwaltung die Veranstaltung nächstes Jahr wieder aufleben lassen. Einen entsprechenden Antrag bringt die SPD gerade in die Ratsgremien ein. Aber schon vor der ersten offiziellen Debatte im Jugendhilfeausschuss scheinen sich die Parteien und die Stadt weitgehend einig zu sein. „Es sieht im Moment danach aus, dass es eine deutliche Mehrheit für die Wiederauflage gibt. In diesem Fall werden wir das Vorhaben unterstützen“, kündigt Stadtrat Michael Kugel an.
Im vergangenen Jahr hatte Stadtjugendpfleger Bernd Witte, der Cheforganisator der Veranstaltung, bei der Preisverleihung schlechte Nachrichten für die Fans des Wettbewerbs: Er kündigte an, die Veranstaltung auf den Prüfstand stellen zu wollen. Der Grund: Es hatten sich nur noch 106 Jugendliche mit 150 Beiträgen beteiligt. In den Vorjahren waren es bis zu 184 Teilnehmer mit rund 350 Beiträgen gewesen. Und noch etwas anderes stimmte die Verwaltung nachdenklich: Nur rund 20 junge Literaten stammten aus Burgdorf. Das zeigt einerseits, dass der Wettbewerb weit über die Stadtgrenzen hinaus beliebt ist. Die andere Seite der Medaille: „Wir mussten uns fragen, ob wir weiterhin eine Aufgabe stemmen wollen, von der auch andere Kommunen profitiert haben“, sagt Stadtrat Michael Kugel.
Die Stadt entschied sich, zumindest für 2018 eine Pause einzulegen, auch um das Geld einzusparen. Die Kosten kann der Stadtrat nicht genau beziffern. Jährlich seien mehrere Tausend Euro für Organisation, Preisverleihung und den Band mit den Gewinnerbeiträgen angefallen. „Das mag wenig erscheinen, aber im Zuge der Haushaltskonsolidierung müssen wir uns auch kleine Beträge angucken“, argumentiert Kugel. Außerdem sei der Wettbewerb mit viel Arbeit verbunden: „Es erschien fraglich, ob sich dieser Aufwand vor dem Hintergrund sinkender Teilnehmerzahlen noch lohnt.“ Bei den Überlegungen dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass Jugendpfleger Bernd Witte, der sich bisher um die Organisation gekümmert hatte, in Ruhestand geht.
Trotz dieser Bedenken ist die Stadt jetzt aber bereit, die Veranstaltung nächstes Jahr wieder aufleben zu lassen. Das liegt auch daran, dass sie darauf hofft, die Kosten künftig nicht mehr alleine stemmen zu müssen. „Sponsoren haben uns ihre Unterstützung in Aussicht gestellt“, so Kugel.
In der Ratspolitik stößt das auf Zustimmung. „Wir haben in der Fraktion noch nicht darüber gesprochen, aber persönlich würde ich das sehr begrüßen“, sagt Mirco Zschoch, der Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion. Es sei wichtig, nach einem Jahr Pause wieder daran anzuknüpfen: „Sonst gerät das in Vergessenheit, das wäre schade.“ Auch von den Grünen kommt Unterstützung. „Der Antrag erhält unsere volle Unterstützung, denn in Zeiten von Twitter und Co ist eine solche Auseinandersetzung mit längeren auch eigenen Texten von Jugendlichen immer zu fördern“, sagt der Fraktionsvorsitzende Hartmut Braun.
Diesen Aspekt hebt auch die FDP hervor. „Es ist richtig, Kindern und Jugendlichen mit dem Literaturwettbewerb Spaß an eigener Kreativität mal ohne digitale Medien zu vermitteln“, sagt Ratsherr Thomas Dreeskornfeld. Zugleich mahnt er aber an, unter Beachtung der angespannten Haushaltslage die Kosten im Blick zu behalten: „Es ist gut, wenn die Ausgaben der Stadt mithilfe von Sponsoren gesenkt werden.“ Er schlug außerdem vor, das Einzugsgebiet klar zu definieren und beispielsweise nur Teilnehmer aus dem Altkreis zuzulassen.
SPD-Ratsherrin Christiane Gersemann freut sich über die positive Resonanz. Mit ihrem Antrag habe sie verhindern wollen, dass der Jugendliteraturwettbewerb ganz einschläft. „Er gehört zum Profil unserer Stadt“, betont sie. Es sei legitim gewesen, ein Jahr innezuhalten, die Idee solle aber in jedem Fall weiter verfolgt werden. „Ich habe bei den Preisverleihungen viele junge Leute erlebt, die mit großer Begeisterung und Engagement dabei waren“, so Gersemann.