Ein Brutkasten für Schleiereulen wurde angebracht

Ralf Bühring (rechts) und Marco Wickbold neben dem Eulenkasten. (Foto: Eckhard Gieseler)
 
Claudia Mithöfer weist auf Spuren von Schleiereulen. (Foto: Eckhard Gieseler)

Steinwedeler Jäger praktiziert Eulenschutz ganz praxisnah

STEINWEDEL/ALTKREIS BURGDORF (r/jk). Dass sich Schleiereulen in seiner Scheune eingefunden hatten, bemerkte Ralf Bühring schon vor geraumer Zeit. Immer wieder fand der Steinwedeler auf dem Dachboden Zeichen ihrer Anwesenheit: Gewölle und Kotspritzer, die eindeutig belegten, dass sich die Nachtgreife dort aufgehalten haben mussten. Irgendwann reifte in ihm dann die Idee, die Vögel heimisch zu machen und mit dem Anbringen eines Eulenkastens bei der Brut zu unterstützen.
„Acht Euro zwanzig Material und anderthalb Stunden Arbeit“ habe ihn die Aktion gekostet, sagt Bühring bescheiden. Was so einfach klingt, hat es aber in sich: Der Kasten hat die beachtliche Größe von 120x60x80 Zentimetern. Von drei Männern musste er auf den Balken gehievt und dort befestigt werden. Außerdem galt es beim Bau und Anbringen einige wesentliche Details zu beachten.
Um sich fachkundig zu machen, erkundigte sich Bühring, selbst Jäger, im Vorfeld bei Claudia Mithöfer, Obfrau für Eulen-und Greifvogelschutz der Jägerschaft Burgdorf, und fertigte dann nach ihren Angaben selbst den Brutkasten an. Claudia Mithöfer war auch bei der Aufstellung anwesend. Wichtig, sagt sie, sei neben der passenden Größe der – noch anzubringende - Marderschutz, der verhindern soll, dass die Eulenbrut Steinmardern zum Opfer fällt. Auf Einflugbretter verzichte man bei den Kästen. Notwendig sei eine auch große Versorgungsklappe in der Rückwand zum Kontrollieren und Reinigen des Kastens.
Die Eulenbeauftragte berät nicht nur in der Frage der Brutkästen, sie beteiligt sich auch an der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Aktion. Sie betreut Eulenkästen auch in Isernhagen, Otze, Thönse und Fuhrberg. Die Jungvögel werden beringt und die Daten werden an die Vogelschutzwarte Helgoland weitergeleitet. Ziel ist es, mehr über den Verbleib der Vögel zu erfahren, die eine hohe Mortalitätsrate aufweisen. Mithöfer will ihr Schleiereulenprojekt im März auch im Hegering Burgdorf vorstellen, um neben dem Hegering Isernhagen, der bereits daran beteiligt ist, weitere Mitstreiter zu finden. Die Jägerschaft übernimmt das Kontrollieren und Reinigen der Kästen. Und für Interessierte hält die Waldpädagogin Seminare über Greifvögel und Eulen an der VHS Hannover Land ab.
Warum ist es überhaupt nötig, Eulenkästen anzubringen? Mithöfer: „Bei den Schleiereulen herrscht Wohnungsnot!“ In der Natur nisten Schleiereulen in Felswänden, in Dörfern eben auch auf Dachböden. Aber ihre Unterschlupfmöglichkeiten werden bei der modernen Bebauung immer geringer. Dabei sind sie Kulturfolger, kein anderer Greif kommt so dicht an Menschen heran. Schleiereulen fangen Kleinnager, auch Spitzmäuse, und so helfen sie bei der natürlichen Schädlingsabwehr. Dass Eulenkästen angenommen werden, zeigt ein Beispiel aus Isernhagen: Zehn Tage nach Anbringen des Kastens entdeckte man, quasi durch Zufall, drei Eier darin. Da Schleiereulen aber nur alle zwei Tage ein Ei legen, musste die Bruthilfe quasi umgehend angenommen werden sein.
Auch Ralf Bühring hat schon Erfolge beim Anbringen einer Bruthilfe aufzuweisen – allerdings auf einem ganz anderen Gebiet. Im März 2010 montierte er eine Platte auf einen sechzehn Meter hohen Masten, befestigte darauf ein künstliches Reisignest und brachte es zusammen mit Helfern in einer Weide in der Aueniederung unweit des Paradieswegs an. Ein Storchenexperte hatte der Familie Bühring bestätigt, dass der Standort ideal für Störche sei. Bereits wenige Tage später ließ sich ein Storch auf dem Kunstnest nieder – er blieb aber partnerlos. In den beiden Folgejahren war der Aufwand dann von Erfolg gekrönt: Ein Storchenpaar brütete und brachte Junge hoch.