Drei Windräder für Dachtmissen

Östlich von Dachtmissen sollen sich bald drei Windräder drehen. (Foto: Symbolfoto: Pixabay)
 
In der Feldmark von Dachtmissen wollen Grundeigentümer drei Windräder bauen. (Foto: Karte: r)

Grundeigentümer planen Burgdorfs dritten Windpark

DACHTMISSEN (fh). In der Feldmark östlich von Dachtmissen sollen sich bald drei Windräder drehen. Die Initiative dazu kommt von 16 Grundeigentümern, die in diesem Bereich Flächen besitzen. Zusammen mit dem Unternehmen Reon wollen sie Burgdorfs dritten Windpark errichten. „Wir sind schon seit drei Jahren mit der Region und anderen Akteuren im Gespräch“, sagt der Dachtmisser Landwirt Albert Schrader junior. Bis zum Baubeginn könnten noch einmal ein bis drei Jahre verstreichen.
Die neuen Anlagen sollen eine Nabenhöhe von 115 Metern haben und eine Gesamthöhe (inklusive der Rotorblätter) von rund 170 Metern. Damit wären sie deutlich höher als die vorhandenen Windräder nördlich von Schillerslage und nordöstlich von Ehlershausen mit Gesamthöhen von maximal 100 Metern. Für die künftigen Eigentümer lohnt sich das: Die drei Anlagen in Dachtmissen würden zusammen 9,6 Megawatt Strom erzeugen – und damit mehr als als der Windpark bei Ehlershausen mit neun Anlagen (8,1 Megawatt).
Im Bauausschuss der Stadt Burgdorf hat Jörg Neitzel, der Ortsvorsteher von Dachtmissen, die Pläne kritisiert: „So wie es sich jetzt darstellt, ist das nicht zumutbar. Das wäre im Dorf schlecht zu vermitteln.“ Dabei geht es ihm vor allem um das Windrad, das mit gut 800 Metern den kleinsten Abstand zum Ortskern hat. Er plädierte dafür, es ganz aus der Planung zu streichen oder es zumindest weiter noch Osten zu verlegen, sodass alle drei Anlagen einen Mindestabstand von einem Kilometer zu der Siedlung einhalten. „Das würde viel Ruhe in die Diskussion bringen. Die Akzeptanz für die anderen beiden Anlagen ist deutlich höher“, sagt Neitzel.
Die Nähe zur Wohnbebauung sehe er sowohl wegen der Geräuschkulisse als auch wegen des Schattenwurfs kritisch. „Wenn sich die Rotorblätter drehen, kann es in den Wohnungen zu einer Art Disco-Effekt kommen“, beschreibt er seine Befürchtungen. Landwirt Schrader junior weist diese Bedenken zurück. „Wir halten die gesetzlichen Vorgaben ein. Ein Abstand von 800 Metern wird als akzeptabel eingestuft“, argumentiert er. Außerdem sei er genauso betroffen wie alle anderen Dachtmisser auch: „Vielleicht sogar etwas mehr, weil ich ständig in der Feldmark unterwegs bin.“
Auch die Stadt Burgdorf sieht allerdings Nachbesserungsbedarf – doch ihr Handlungsspielraum ist begrenzt. Denn für die Genehmigung ist die Region Hannover zuständig. Die Stadt gibt in dem Verfahren zwar eine Stellungnahme ab, doch selbst wenn sie das Vorhaben ablehnt, kann sich die Region darüber hinwegsetzen. Im Baugesetzbuch ist außerdem geregelt, nach welchen Kriterien sie das Projekt zu bewerten hat, unter anderem Umwelteinwirkungen, Natur- und Lärmschutz. „Wir dürfen unsere Zustimmung nicht aus beliebigen Gründen verweigern, sondern müssen rechtsförmig argumentieren“, erklärt Bürgermeister Alfred Baxmann.
Die Verwaltung will deshalb ihr sogenanntes gemeindliches Einvernehmen erteilen, ihre Zustimmung aber an bestimmte Bedingungen koppeln. „Wir dürfen nicht 'nein' sagen, aber wir sagen auch nicht hundertprozentig 'ja'“, warb Stadtplanerin Martina Behnke im Bauauschuss für dieses Vorgehen. Vehementer Widerspruch kam vom Linken-Ratsherrn Michael Fleischmann, der im Bauausschuss jedoch kein Stimmrecht hat. „Wir sollten das Einvernehmen bewusst nicht erteilen“, appellierte er. Die Mehrheit der stimmberechtigten Mitglieder folgten hingegen Behnkes Argumentation. FDP-Ratsherr Karl-Ludwig Schrader enthielt sich, alle anderen Vertreter stimmten dem Papier der Stadt zu.
Die Bedingungen, die darin formuliert sind, decken sich im Wesentlichen mit den Forderungen des Dachtmisser Ortsvorstehers. Die Stadt fordert in ihrer Stellungnahme, dass der Betreiber die Anlage, die dem Ortskern am nächsten liegen würde, weiter nach Osten verlegt. Ein Mindestabstand von einem Kilometer zu den Wohnhäusern solle eingehalten werden. Außerdem verlangt sie umfassendere Gutachten zum Naturschutz. Ortsvorsteher Neitzel äußert vor allem Sorgen um die dort lebenden Vögel: „Wenn man sich die Windräder in Hänigsen anschaut, ist es unglaublich, wie viele Vögel dort zerhäckselt werden.“
Für den Burgdorfer Modellbauclub, der in der Nähe eine Anlage hat, sollen sich hingegen keine Einschränkungen ergeben. Nach jetziger Planung liegen die drei Windräder außerhalb des Flugsektors. „Ein gefährdungsfreier Betrieb des Modellfluges wäre somit weiterhin möglich“, heißt es in einer Stellungnahme der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. „Wir haben uns mit dem Verein im Guten geeinigt“, betont Schrader junior. Es sei den beteiligten Landwirten wichtig, die Aktivitäten auf dem Flugplatz und vor allem die Jugendarbeit nicht zu gefährden. „Ein externes Unternehmen wäre da wahrscheinlich viel rücksichtsloser vorgegangen“, wirbt er für die Idee des Bürgerwindparks mit Beteiligung ortsansässiger Eigentümer. Auch den übrigen Forderungen von Stadt und Ortsvorsteher will er sich nicht verschließen, sofern Kompromisslösungen gefunden werden können, die das Projekt nicht gefährden.

Vorranggebiet Windenergie

Möglich ist der Windpark in dem Bereich östlich von Dachtmissen auch deshalb, weil die Region Hannover ihn in ihrem neuen Raumordnungsprogramm als Vorranggebiet Windenergie ausgewiesen hat. Die Verordnung ist seit einem halben Jahr in Kraft. In Burgdorf ist außer der Fläche in Dachtmissen nur noch ein weiteres Vorranggebiet vorgesehen, und zwar zwischen Schillerslage und Otze.