Diskussionen um die geplante Ortsmitte in Kirchhorst

Um die neue Ortsmitte in Kirchhorst wird viel diskutiert.

Das Dorf soll wachsen – aber wie?

VON DANA NOLL

KIRCHHORST. Derzeit kreist eine Petition durch Kirchhorst sowie durch die sozialen Netzwerke. Bislang konnten mit ihr etwa 480 Unterschriften gesammelt werden.
Die Petenten werben dabei um die „Erhaltung des Freiraums südlich der Steller Straße“ und sammeln Unterschriften dafür, dass Kirchhorst in Hinblick auf den Dorfentwicklungsprozeß „seinen ursprünglichen Charakter beibehält“.
Stein des Anstoßes war ein - angebliches - Verwirrspiel um die Größe der zu bebauenden Fläche für eine neue Ortsmitte, die im Rahmen des Dorfentwicklungsplanes Kirchhorst 2040 entstehen soll.
„Auf der Bürgerversammlung im September 2017 war die Rede von 1,6 Hektar, die bebaut werden soll, doch es stellte sich heraus, dass mittelfristig bis zu 19 Hektar bebaut werden dürfen“, so Christian Herrmann von der Petition Freiraumsicherung.
Diese Zahlenangaben zur Größenordnung der Bebauung durch den Unternehmer sind „falsch“, entgegnet Ortsbürgermeister Herbert Löffler. „Bei der Auftaktveranstaltung hat keiner der Moderatoren überhaupt eine Größenangabe gemacht. Das Durcheinander der Zahlen haben die Petenten selbst inszeniert!“
Mittlerweile wurde die Petition hinsichtlich der genannten Bebauungsfläche auf 10 Hektar „korrigiert“. Was bleibt, sind dennoch die Forderung der Petenten „für die Beibehaltung der dörflichen Struktur sowie den Erhalt von Freiflächen“.
„Es gibt genug Alternativflächen, beispielsweise nördlich der Steller Straße oder auch Hinter Pastors Hofe“, so Herrmann.
„Bereits in den Arbeitskreissitzungen konnte Herr Herrmann sich mit dieser Behauptung nicht durchsetzen. Zunächst kann eine vor 30 Jahren avisierte Fläche wie „Hinter Pastors Hofe“ nicht überplant werden, solange die rechtliche Auseinandersetzung mit der geplanten Windkraftanlage am Oldhorster Moor läuft“, so Löffler.
Auch bereits öffentlich deutlich gemacht wurde, dass es keine Bereitschaft gibt, das Land nördlich der Steller Straße für eine Bebauungsplanung herzugeben. Die Aussage des Investors Berkemeier - dass Projekt ausschließlich südlich der Steller Straße zu verwirklichen - ist ebenso eindeutig.
„Wir sind nicht gegen eine geplante Dorfmitte, aber gegen eine massive Bebauung. Die Infrastruktur ist ausgereizt, der Ort am Maximum beispielsweise im Bereich der Kinderbetreuung angekommen“, so die Petenten“.
„Es gibt jede Menge kleinere Dörfer, die kulturell und von Wohnraum und Infrastruktur mehr zu bieten haben als Kirchhorst. Bereits der Beschluss aus dem Jahr 2015 sieht vor, Kirchhorst als Wohnstandort mithilfe einer Siedlungserweiterung langfristig unter Berücksichtigung der Infrastrukturverhältnisse zu stärken. Für eine bedarfsgerechte Wohnraumentwicklung gibt es nur wenige geeignete Stellen in Kirchhorst, die wichtige Rahmenbedingungen bieten. Die Lage der geplanten neue Ortsmitte bietet
die Möglichkeit, über kurze Wege eine Verbindung zum sozialen Zentrum zu schaffen. Für den geäußerten Bedarf an Treffpunktmöglichkeiten, in Form eines Dorfgemeinschaftshauses oder einer Gastronomie kann hier in Verbindung mit der Bereitstellung von unterschiedlichen Wohnformen ausreichend Flächenpotential bereitgestellt werden“, argumentiert der Ortsbürgermeister Kirchhorst, „Zudem müssen
viele ältere Menschen ihre Häuser nach und nach aufgeben, weil sie diese nicht mehr alleine bewirtschaften können. Hierfür müssen wir in Kirchhorst, ihrer Heimat, Wohnraum schaffen. Und auch junge Leute brauchen bezahlbaren Wohnraum.“
Auch für Arpad Bogya, Bürgermeister der Gemeinde Isernhagen, steht die Entwicklung einer ansprechenden Ortsmitte in Kirchhorst auf der Tagesordnung:“Wir nehmen die Ansätze, die im Rahmen des Dorfentwicklungsplanes gesammelt werden, als Ausgangspunkte. Wir legen Wert darauf, dass es in einem städtebaulichen, vernünftigen Rahmen entwickelt wird. Es geht aber um weit mehr als nur um Gastronomie, Wohnraum oder ein Dorfgemeinschaftshaus zu schaffen. Viel wichtiger ist es zu klären, wie sich Kirchhorst in Zukunft entwickeln will, wo und auch was in welcher Größenordnung umgesetzt werden kann.“