"Die Schule liegt mir am Herzen"

Karen Lindner leitet seit Februar die Otzer Grundschule.

Seit Februar leitet Karen Lindner die Grundschule Otze

OTZE (fh). Ein Jahr lang war die Stelle unbesetzt – jetzt hat die Grundschule Otze eine neue Schulleiterin: Anfang Februar hat Karen Lindner ihren Dienst angetreten. Im Interview erklärt die 43-Järhige, warum Sie zunächst gezögert, sich dann aber doch beworben hat. Und sie beschreibt, welche Aufgaben in den nächsten Monaten auf sie zukommen.

Sie haben sich erst als Schulleiterin beworben, als die Stelle zum zweiten Mal ausgeschrieben war. Warum haben Sie so lange überlegt?

Ich muss es andersherum formulieren: Wenn es nicht Otze gewesen wäre, hätte ich gar nicht überlegt. Dann wäre mir nicht in den Sinn gekommen, mich als Schulleiterin zu bewerben. Ich war immer sehr gern Lehrerin und mir hat nichts gefehlt. Für die Stelle musste ich außerdem noch eine Rektorenprüfung ablegen, auf die ich mich acht Wochen lang intensiv vorbereitet habe. Der Zeitpunktwar nicht optimal, weil ich zusätzlich
gerade mitten in der
Bauphase für unser neues Haus
steckte.


Das klingt nach vielen Gegenargumenten. Warum haben Sie sich trotzdem dafür entschieden?

Ich wusste, wie schwierig es war, einen neuen Schulleiter für die Otzer Grundschule zu finden. Meine Vorgängerin Antje Kuchenbecker-Rose hatte mich schon darauf angesprochen, als sie die Schule vor einem Jahr verlassen hat. Als sich niemand meldete und die Stelle zum zweiten Mal ausgeschrieben war, bin ich dann noch mal in mich gegangen. Die Otzer Grundschule liegt mir am Herzen. Sie ist bei den Eltern beliebt, hat ein gutes Konzept und ein tolles Kollegium. Außerdem bin ich als Kind selbst dort zur Schule gegangen.


Warum war es so schwierig, einen neuen Schulleiter zu finden?

Es ist keine gefragte Stelle, weil man viel Verwaltungsarbeit hat. Bei einer so kleinen Schule werden einem dafür nur elf Stunden zur Verfügung gestellt. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Pro Woche werde ich noch 17 Stunden unterrichten. Im Moment gebe ich Mathematik- und Musikunterricht in einer Eingangsstufe.


Sie haben eben erwähnt, dass Sie selbst in Otze zur Schule gegangen sind. Gibt es etwas, das nach all den Jahren noch genauso ist wie zu Ihrer Grundschulzeit?

Eigentlich ist noch sehr vieles so wie damals. Den Schulhof erkenne ich zum Beispiel gut wieder. Alle Spielgeräte aus Metall gab es auch schon in meiner Kindheit. Die Elemente aus Holz sind neu dazugekommen.


Äußerlich hat sich also gar nicht so viel verändert. Das pädagogische Konzept ist heute aber ein ganz anderes?

Das ist tatsächlich ein gravierender Unterschied. Anstelle der ersten und zweiten Klassen gibt es an der Otzer Grundschule jetzt die so genannte Eingangsstufe. Die Kinder können sie in einem, in zwei oder in drei Jahren absolvieren, je nachdem welche Vorkenntnisse sie mitbringen und wie schnell sie lernen. Außerdem helfen die älteren Schüler den jüngeren und geben ihnen Tipps. Ich selbst unterrichte zum ersten Mal in einer Eingangsstufe; bisher kannte ich das Konzept nur aus der Theorie.


Neben dem Unterricht haben Sie noch viele andere Aufgaben. Was wollen Sie in den nächsten Monaten angehen?

Die Schule platzt aus allen Nähten. Wir sind deshalb froh, dass die Stadt einen Anbau plant und dem Projekt hohe Priorität einräumt. Für das nächste Schuljahr brauchen wir aber erst einmal eine Übergangslösung, am besten Container. Wenn wir in den Eingangsstufen neue Themen einführen, teilen wir die Schüler nach Altersstufen auf. Dafür müssen wir schon jetzt den Flur, die Küche und eine kleine Dachstube nutzen. Und die Schülerzahl wächst weiter. Ab dem nächsten Jahr haben wir zwei dritte Klassen. Dann müssen wir auch noch den Mehrzweckraum belegen, in dem bisher beispielsweise der Musik- und Werkunterricht stattfindet.


Werden Sie die Arbeit Ihrer Vorgängerin fortführen oder bringen Sie ganz neue Konzepte mit?

Ich komme nicht hier an und will alles ummodeln. Ich habe das große Glück, dass es ein funktionierendes Kollegium gibt. Nicht umsonst haben sich vier Kolleginnen bereit erklärt, kommissarisch die Schulleitung zu übernehmen, als die Stelle nicht besetzt war. Das ist nicht selbstverständlich. Erst einmal schaue ich mir also an, wie es gegenwärtig läuft. Dann werde ich nach und nach ganz in Ruhe gucken, wo sich noch etwas optimieren lässt. Und natürlich entwickelt sich Schule weiter und wir gestalten sie immer wieder neu.