Die KulturWerkStadt verwandelt sich in eine große Sammlerstube

Erzieherin Bärbel Börges stellt ihre Pixi-Bücher vor. (Foto: VVV)
 
Die Radiosammlung von Horst Regenthal. (Foto: VVV)

Ausstellung vom 23. Januar bis 28. Februar: „Verborgene Schätze – Sammeln als Hobby“

BURGDORF (r/jk). Welche Kostbarkeiten in regionalen Sammlerstuben zu finden sind, zeigt die neue Ausstellung „Verborgene Schätze – Sammeln als Hobby“, die der VVV, der Förderverein Stadtmuseum und die Stadt Burgdorf von Samstag, 23. Januar, bis Sonntag, 28. Februar, in der KulturWerkStadt (Poststraße 2) präsentieren. Fördernde Unterstützung leistet die Stadtsparkasse Burgdorf. Die Schau startet am Samstag, 23. Januar, mit einer Führung um 14.00 Uhr. Öffnungszeiten der KulturWerkStadt: samstags und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr.
Die Ausstellungsstücke stammen von Sammlerinnen und Sammlern aus Burgdorf, Steinwedel und Uetze. Sie haben sich teilweise über mehrere Jahrzehnte ihren Interessengebieten gewidmet und dabei umfassende Sammlungen von oft besonderem Seltenheitswert zusammengetragen. Für die Ausstellung wählten sie einen repräsentativen Querschnitt aus. Einige Objekte waren noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen. Die Bandbreite reicht von Kofferradios über Puppengeschirr und Erzeugnissen der Tafelkultur bis zu seltenen Sammlerstücken aus der Burgdorfer Postgeschichte.

Kofferradios und Küchenminiaturen

Der ehemalige Realschullehrer Horst Regenthal sammelt seit über 35 Jahren Radios und Plattenspieler. Zudem sorgt er für die äußere und innere Instandsetzung der Geräte und beschäftigt sich mit der Rundfunk- und Firmengeschichte. In der Schau lädt er zu einem Streifzug in die Geschichte des Rundfunkzeitalters ein und zeigt Kofferradios aus mehreren Jahrzehnten.
Seit 1978 gilt Helga Hußmanns Sammelleidenschaft den Puppen der Herstellerfirma Schildkröt, die in ihrem Haus eine neue Heimat gefunden haben. Bis heute ist ihre Sammlung auf mehr als 300 Puppenexemplare aller Größenordnungen angewachsen, die in der Zeit von 1905 bis 1980 das Licht der Puppenwelt erblickten. Dazu kamen Puppen- und Kindergeschirr sowie kleine Kochherde, von denen sie diverse in ihrem Detailreichtum beeindruckende Exemplare für die Ausstellung auswählte.

Glanzstücke der Tafelkultur

Der Diplom-Pädagoge Heinz-Jürgen Averwerser entdeckte vor über 25 Jahren seine Leidenschaft für Besteck- und Geschirrartikel in allen Variationen. Seine kontinuierlich gewachsene Sammlung deckt den Zeitraum von 1900 bis 2000 ab und umfasst gegenwärtig über 15.000 Teile aus der ganzen Welt. Sie gilt im Bereich Besteckdesign als größte Privatsammlung in Deutschland. In der Ausstellung sind Bestecke und andere Garnituren der Tafelkultur zu sehen, für deren Herstellung das Unternehmen von Arthur Salm verantwortlich zeichnete. Der aus Köln stammende Haushaltswarenfabrikant jüdischen Glaubens hatte mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten flüchten müssen und emigrierte 1940 nach Amerika. Dort baute er ein bis in die 1980er Jahre weltweit erfolgreiches Unternehmen zum Vertrieb von Edelstahl-Tafelobjekten und Besteck auf, die er in Europa produzieren ließ.

Kinderbücher mit Kult-Status

Die Erzieherin Bärbel Börges entwickelte in den 1980er Jahren ein Faible für Pixi-Bilderbücher, die heute einen Kult-Status genießen. Dabei handelt es um kleinformatige Kinderbücher, die seit 1954 in Deutschland erscheinen und in 14 Sprachen übersetzt worden sind. Unterschiedlichste Themen finden in den 10 mal 10 Zentimeter großen Büchern und immer 24 Seiten langen Büchern eine kindgerechte Darstellung. Über 2.000 Exemplare hat der Carlsen-Verlag seitdem veröffentlicht, von denen sich ein Großteil in ihrem Besitz befindet. Zudem stellt Bärbel Börges eine 120 cm große Pixi-Figur aus, die seit 1994 erhältlich ist und in den Armen eine Schüssel zur Aufbewahrung von über 300 Pixi-Büchern trägt.

Weihnachtsmänner in allen Variationen

Bei Karin Sander fiel die Initialzündung für ihre Sammlertätigkeit bereits in den Kindertagen. Als ihre Familie während des Krieges flüchten musste, gelangte sie in den Kreis Gifhorn, wo sie in einer Notunterkunft vorübergehende Aufnahme fand. Dort kam am Heiligen Abend der Weihnachtsmann zu Besuch und schenkte ihr eine Apfelsine und ein Paar Nüsse. Diese emotionale Begegnung hinterließ nachhaltige Spuren bei ihr, so dass schließlich eine Vorliebe für Weihnachtsmannfiguren in ihr aufkeimte, die sie bis heute in vielen Erscheinungsformen sammelt. Ihr Haus verwandelte sich dabei in eine Herberge für eine beträchtliche Anzahl von Weihnachtsmännern. Die attraktivsten Exemplare hat Karin Sander für die Schau ausgesucht.
Unter den vielen Sammlerinteressen Ingrid Blümels nahm das Bemahlen von Zinnfiguren einen besonderen Stellenwert ein. Die dafür notwendigen Kenntnisse eignete sie sich selber an. Sie erwarb die notwendige Fingerfertigkeit, um den Gesichtern, Augenpartien und Körpern der Miniaturfiguren exakte Farbkonturen zu verleihen. Neben den Zinnfiguren, die berühmten Persönlichkeiten der Weltgeschichte darstellen, zeigt die Uetzer Sammlerin ungewöhnliche Sport- und Rennwagenmodelle ihres verstorbenen Mannes Thomas Blümel.

Burgdorfer Postgeschichte

Wie vielfältig menschliche Sammlerneigungen sind, zeigen auch die anderen Exponate. Das umfangreiche Ausstellungsspektrum komplettieren Science Fiction-Fanartikel von Michael Slapnicar, Büro- und Schreibgeräte sowie etliche Ausgaben des „Spiegel“-Magazins von Christoph Adolph und Autogramme aller Art von Matthias Mollenhauer. Dazu kommen Burgdorfer Poststempel aus der Zeit von 1795 bis 1945 und Burgdorfer Ansichtskarten aus dem 20. Jahrhundert. Die originalen postgeschichtlichen Dokumente gehören zur Sammlung des Vorsitzenden des Briefmarkensammler-Clubs Burgdorf, Holger Evers.