Die Burgdorfer „Franzosenzeit“ lebt neu auf

Die St. Pankratius-Kirche ab 1814. (Foto: VVV)
 
Die Autoren Dieter Heun und Heidi Rust. (Foto: VVV)

Ein neues Buch von Dieter Heun und Heidi Rust

BURGDORF (r/jk). Geschichte kann sehr unterhaltsam sein. Das haben Dieter Heun und Heidi Rust mit ihren beiden Büchern „Komm mit!“ und „Tatort Burgdorf“ bereits unter Beweis gestellt. Nun gibt der VVV das dritte Gemeinschaftswerk der beiden Hobby-Historiker zur Burgdorfer Stadtgeschichte heraus. Es trägt den Titel: “Frédéric, mon amour – Das Tagebuch der Louise Rougemont“.
Die Stadtsparkasse Burgdorf, Bleich Drucken und Stempeln sowie Stadtmarketing Burgdorf haben die Herausgabe des 205 Seiten (mit 72 Abbildungen) umfassenden Buches unterstützt. Die stadtgeschichtliche Publikation ist zum Preis von 14 Euro (VVV-Mitglieder: 13 Euro) bei Bleich Drucken und Stempeln (Braunschweiger Str. 2), Buchhandlung Gillmeister (Marktstraße 54) und Wegener´s Buchhandlung (Hannoversche Neustadt 25) erhältlich.
Beide Autoren verstehen es erneut, dem Leser einen faszinierenden Einblick in die Burgdorfer Vergangenheit zu geben. Der Lesestoff ist fesselnd von der ersten Seite an. Denn das Buch beginnt ganz ungewöhnlich. Aber der Reihe nach. Die beiden Verfasser haben sich mit einem Zeitraum befasst, den sie als einen der schlimmsten Abschnitte bezeichnen, die Burgdorf in seiner Geschichte je durchlebte. Es geht um die sogenannte Franzosenzeit, also die Jahre der Herrschaft Napoleons in Europa.
Doch schon die ersten Zeilen des Buches bringen eine Überraschung. Sie behandeln nicht – wie es der Leser wohl erwarten würde – die Zeit um 1800. Das erste Kapitel trägt vielmehr die Überschrift „Der Bombenangriff“ und schildert den Luftangriff auf Burgdorf im Februar 1945. Das zweite Kapitel macht einen kurzen Ausflug zum Bau des Kreisverkehrs am Schwarzen Herzog im Jahre 2013. Wie es Heun und Rust gelingt, von hier aus eine Brücke in die Zeit Napoleons zu schlagen, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.
Die Besetzung Burgdorfs durch französische Truppen im Jahre 1803 hat für die Bevölkerung elf Jahre lang enorme Belastungen zur Folge. In dieser Zeit sind nach und nach rund 400.000 fremde Soldaten in Quartieren unterzubringen oder auf dem Durchmarsch zu verpflegen. Von den Begleiterscheinungen bleibt kein Burgdorfer verschont. Die Stadt leidet Not und sieht sich permanent vor kaum lösbare Aufgaben gestellt.
Das Buch berichtet über die Auswirkungen dieser Vorgänge auf das Alltagsleben der Einwohner. Dies geschieht in einem kurzweiligen, gut lesbaren Erzählton, weil die Autoren die Ereignisse von einer fiktiven Augenzeugin in deren Tagebuch schildern lassen. Verfasserin dieser Chronik ist Louise Rougemont, Ehefrau des Apothekers Wackenroder, die zu dieser Zeit in Burgdorf lebt. Neben den historischen Erläuterungen der Autoren kommt sie immer wieder zu Wort und reflektiert in ihren Aufzeichnungen die Burgdorfer Ereignisse aus ihrer eigenen, sehr persönlichen Betroffenheit.
Ihre Tagebucheintragungen bekommen schon bald eine besonders eindringliche emotionale Färbung, weil sich die attraktive Frau in einen jungen französischen Offizier verliebt, der ihre Gefühle erwidert und alles daran setzt, möglichst lange in Burgdorf zu bleiben.
Das neue Werk der beiden Autoren ist ein außergewöhnliches Geschichtsbuch. Es ist unterhaltsam geschrieben und ein Beleg dafür, dass Stadtgeschichte populär vermittelt werden kann, ohne in den wichtigen Aussagen den Boden wissenschaftlicher Korrektheit zu verlassen.