Die berühmteste „rote Fliege“ in Burgdorf

Auf Einladung von Caren Marks (Wedemark; Mi.) war SPD-Gesundheitsexperte Prof. Dr. Karl Lauterbach ins Burgdorfer Jürgen Rodehorst-Haus gekommen und referierte aufschlussreich und unterhaltsam über „Pflege stärken“. (Foto: Georg Bosse)

Lauterbach und Marks zu Besuch in der SPD-Parteizentrale

BURGDORF (gb). Bei den Burgdorfer Sozialdemokraten hatte sich hoher Besuch angesagt. Auf Einladung der Parlamentarischen Staatssekretärin Caren Marks (Wedemark; MdB) sprach ihr SPD-Bundestagskollege Prof. Dr. Karl Lauterbach im Jürgen Rodehorst-Haus zum gesundheitspolitischen Thema „Pflege stärken“ - für alle.
Der TV-erfahrene Karl Lauterbach, dessen Markenzeichen seine rote Fliege ist, ist stellvertretender Vorsitzender der Berliner SPD-Bundestagsfraktion und Humanmediziner. Burgdorfs stellvertretender Bürgermeister Matthias Paul (SPD) begrüßte die Gäste und kam nicht umhin, vor den Parteigenossen ob ihres vor wenigen Stunden erreichten Erfolges bei der Bundestagsabstimmung zur „Ehe für alle“, seinen Hut zu ziehen: „Chapeau!“ Mit der „Ehe für alle“ sei endlich die komplette Gleichstellung von hetero- und homosexuellen Paaren gelungen, sagte Caren Marks und setzte hinzu: „Wir haben die Gelegenheit, der von Kanzlerin Merkel eröffneten Möglichkeit einer Gewissensentscheidung, beim Schopfe gepackt.“
Mit Karl Lauterbach ging es anschließend von der „Ehe für alle“ zur „Pflege für alle“. Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung (KV) habe die Pflegeversicherung kein Finanzierungsproblem. Wegen unausweichlicher Kostensteigerungen bei Krankenhausaufenthalten, Medikamenten und Nachsorge müsse bei der KV in den kommenden 20 Jahren mit einem Mehraufwand in Höhe von rund 30 Milliarden Euro gerechnet werden. „In der Pflegeversicherung sehen wir uns keinem Geldmangel, sondern einem dramatischen Personalmangel gegenüber“, so Lauterbach, der auch gleich mit „deprimierenden Nachrichten“ fortfuhr. In einem Beruf, der mehrheitlich von Frauen ausgeübt wird und körperlich und seelisch höchst belastend sowie die Burn Out-Quote am verbreitetsten ist, werden in Zukunft jährlich bis zu 20.000 qualifizierte Pflegekräfte zusätzlich benötigt. Während Herz- und Kreislauferkrankungen leicht rückläufig sind, ist die steigende Demenz der „Hauptmotor“ für Pflegebedürftigkeit.
„Pflegebedürftigkeit beginnt häufig mit milden kognitiven Einschränkungen, die dann schnell in Demenz übergehen. Derzeit werden 80 Prozent der Pflegebedürftigen von ihren Angehörigen versorgt. Der Rest wird etwa zu gleichen Teilen in der ambulanten bzw. in der stationären Pflege betreut“, erklärte Karl Lauterbach. Gegen den bestehenden und vorhersehbar weiteren Personalmangel in der Pflege sowie für eine bessere Bezahlung der (Alten-)Pflegekräfte möchte die SPD den wichtigen Berufsstand mit Einführung einer generalistischen Pflegeausbildung reformieren und attraktiver machen. Generalistik bedeutet in diesem Kontext das in Inhalten und Anforderungen zusammengeführte Berufsbild „Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege“. „Das gibt den Arbeitnehmer künftig die Möglichkeit, sich zu spezialisieren und/oder zwischen der Alten- und Krankenpflege zu wechseln. Und weil in Deutschland nach Ausbildungsniveau bezahlt wird, würden Altenpfleger im Mittel nicht mehr nur rund 2.700 Euro brutto im Monat, sondern als generalistisch ausgebildete Pflegefachkraft um 3.600 Euro brutto herum im Monat verdienen“, betonte Lauterbach.
Am Rande der Veranstaltung äußerte sich Matthias Paul „kryptisch“ gegenüber dem MARKTSPIEGEL zu einer möglichen Kandidatur für das Burgdorfer Bürgermeisteramt: „Das entscheidet ganz allein der SPD-Ortsverein um unseren 1. Vorsitzenden Ahmet Kuyucu. Sollte die Partei mich tragen, dann...“