Der Widerstand gegen geplante SuedLink-Trassen in Burgdorf formiert sich

Angelika Möller, Jörg Neitzel, Rainer Hübbe und Melanie Kade (v.l.) formieren den Widerstand gegen SuedLink in den Burgdorfer Ortsteilen. Am Ortseingang von Dachtmissen ist mittlerweile ein Protestschild aufgebaut worden – direkt in Sichtweite des Weißstorch-Nestes (rechts hinten). (Foto: Jens Kamm)
 
Auch in Sorgensen wächst der Widerstand weiter. Am 23. Januar wird in der Schützenkate Sorgensen erneut über den Sachstand informiert. (Foto: Jens Kamm)

„Ausmaß der Zerstörung wäre enorm“ – Burgdorfer Ortsteile haben einen Dachverband gegründet

BURGDORF (jk). Der Widerstand in Burgdorf gegen die möglichen SuedLink-Trassen formiert sich langsam. „Wir haben jetzt einen Dachverband der Burgdorfer Ortsteile gegründet, um unsere Interessen besser und mit Nachdruck vertreten zu können“, berichtet der Dachtmisser Rainer Hübbe. In der Interessenvertretung arbeiten mittlerweile die betroffenen Ortsteile Dachtmissen, Sorgensen, Hülptingsen, Ramlingen-Ehlershausen und Otze aktiv mit.
„Wir werden einen Flyer herausgeben, um die Bürger über die Auswirkungen der geplanten Trassen ausführlich zu informieren. Dort finden betroffene Bürger, die sich ebenfalls engagieren möchten, auch Ansprechpartner in ihren Ortsteilen.“ Der Flyer soll zeitnah während der Verkaufszeiten des Burgdorfer Wochenmarktes verteilt werden. „Wir haben spät angefangen, uns zu formieren, aber das lag in erster Linie daran, dass uns erst vor Weihnachten sämtliche Informationen über die geplanten Trassenverläufe vorlagen, die uns dann zum Widerstand aufgerufen haben.“ Zurzeit ist sogar die Gründung eines niedersachsenweiten Landesverbands geplant. „Darüber hinaus haben wir unseren Widerstand über Eingaben an TenneT, unsere Bundestagsabgeordneten und die Bundesregierung deutlich gemacht“, erläutert Melanie Kade für den Burgdorfer Dachverband.

Mögliche Verläufe der Trasse
Nachdem im Sommer 2014 zunächst ein Trassenverlauf nahe Beinhorn aus Richtung Engensen veröffentlicht wurde, hat der Übertragungsnetzbetreiber TenneT nun weitere Alternativen durch eine Veröffentlichung ins Spiel gebracht. TenneT hatte den Antrag auf Bundesfachplanung allerdings erst am 12. Dezember 2014 offiziell gestellt. Danach wären über die Alternativen 095, 096 und 097 vor allem die Ortsteile Otze, Weferlingsen, Sorgensen und Hülptingsen betroffen. Der Korridor für die Alternative 095 geht sogar nahe Hänigsen vorbei. Besonders schwer betroffen wäre der Ortsteil Dachtmissen: Die Alternativen 096 und 097 gehen südöstlich direkt am Ortsrand vorbei, die Alternative 095 in nordöstlicher Richtung (nahe Hänigsen). Ein weiterer Korridor 094 sieht einen Trassenverlauf am direkten Ortsrand von Schillerslage in Richtung Beinhorn vor. Interessant dabei: Die Alternativen sind auf der veröffentlichten Karte mit einem Copyright aus dem Jahr 2012 versehen. Das heißt: Schon zu diesem Zeitpunkt waren mögliche Trassenverläufe zumindest angedacht worden. Die Öffentlichkeit ist aber erst jetzt informiert worden. Weitere Informationen im Bild zu den möglichen Trassenverläufen gibt es auf der Seite der Stadt Burgdorf unter folgendem Link: http://www.burgdorf.de/medien/dokumente/moegliche_...

Ökosystem wird zerstört
„Das Schlimme ist: Die wenigsten Bürger wissen, was der Bau der Trasse tatsächlich bedeutet“, erläutert Angelika Möller (Hülptingsen). „Das Ausmaß der Zerstörung durch Bau, Betrieb und Instandhaltung wäre enorm. Schwere Baufahrzeuge werden sämtliche Natur in weitem Umkreis zerstören. Die Auswirkungen auf das hochsensible Ökosystem werden immens sein.“ Nicht nur, dass riesige Waldbestände für eine Trasse gerodet werden müssten, bestimmte Trassenverläufe greifen sogar aktiv in ausgewiesene Naherholungsgebiete (Burgdorfer Holz, Richtung Großer Stern), Landschafts-, Naturschutz und Wasserschutzgebiete ein. „Darunter sind sogar Flächen, die nach § 28a des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes als besonders geschützte Biotope ausgewiesen sind“, weist Dachtmissens Ortsvorsteher Jörg Neitzel auf einen ganz besonderen Umstand hin. „So ist zum Beispiel der Bereich der Aueinsel nahe Dachtmissen eine reine Wildschutzfläche. Auf diesen Flächen dürfen wir selbst als Eigentümer noch nicht einmal Bäume fällen. In bestimmten Trassenbereichen mit hohem Waldbestand, zum Beispiel in Richtung Burgdorfer Holz, müsste dagegen mit einer Rodung von Flächen gerechnet werden, die weit über 100 Hektar hinausgeht.“
Zudem gebe es Flächen, für die sich sogar das Land Niedersachsen besondere archäologische Grabungsrechte vorbehalten habe, da hier bereits Fundstücke im Rahmen der „Großen Schlacht um Dachtmissen“ entdeckt worden sind. „Interessant ist nur, dass noch nicht einmal die Stadt Burgdorf von diesen besonders geschützten Flächen auf Anfrage wusste. Ich habe das Gefühl, dass hier Hausaufgaben nicht gemacht wurden. Die Region Hannover hingegen wusste Bescheid“, erläutert Ortsvorsteher Neitzel.
Auch die negativen Auswirkungen auf die Tierwelt seien kaum abzuschätzen. So nistet unter anderem am Ortseingang von Dachtmissen ein Weißstorch. „Wenn dieser Vogel eine Trasse direkt vor seinen Horst gesetzt bekommt, dann wird er nicht lange überleben“, meint Rainer Hübbe. „Wir sprechen hier von einer Trasse, die mindestens 200 Meter breit sein muss und in deren Bereich nichts angepflanzt werden darf. In der Nähe von Ansiedlungen muss sogar ein Abstand von 400 Metern gewährleistet sein. Bei einer oberirdischen Verlegung ragen Masten in Höhe von 70 Meter in den Himmel.“ Dem pflichtet Jörg Neitzel bei: „Bei einer Trasse in nordöstlicher Richtung von Dachtmissen hätten wir dann „freie Sicht“ nach Hänigsen. Den Wald gibt es dann nicht mehr…“

Beteiligung der Bürger
Der Bauausschuss der Stadt Burgdorf berät über das Thema SuedLink am morgigen Donnerstag, 15. Januar, ab 17.00 Uhr im Ratsaal des Schlosses, Spittaplatz 5, Burgdorf. Auf Basis einer ersten Sachstandspräsentation in der öffentlichen Bauausschusssitzung findet am Donnerstag, 29. Januar 2015, dann ein Beteiligungsverfahren für die Burgdorfer in Bürger statt. Aufbauend auf einer aktuellen Schilderung des Sachstands können Bürgerinnen und Bürger ab 18.00 Uhr im Veranstaltungszentrum, Sorgenser Straße 31, dann im Rahmen der Beteiligungsveranstaltung anhand von themenbezogenen Karten (z.B. Artenschutz, Landschaftsbild, Erholung) weitere Hinweise für die Stellungnahme der Stadt Burgdorf zur Antragskonferenz einbringen. „Diese Stellungnahmen und Hinweise sollten seitens der Bürgerinnen und Bürger zusätzlich und innerhalb der bisher noch nicht bekannten Einwendungsfrist direkt an die BNetzA gesandt werden, weil nach bisherigem Kenntnisstand nur direkte „Einwender“ am weiteren Verfahren beteiligt werden. All diejenigen, die sich nicht äußern, sind voraussichtlich sonst im weiteren Verfahren ausgeschlossen“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt Burgdorf.
In Sorgensen gibt es darüber hinaus zum Thema SuedLink eine weitere Bürgersprechstunde am Freitag, 23. Januar, ab 18.00 Uhr in der Schützenkate Sorgensen, Riethornweg 25. Als Hauptredner ist Dr. Stefan Birkner vorgesehen. Von Januar 2012 bis Februar 2013 war Birkner Niedersächsischer Minister für Umwelt und Klimaschutz. Seit Februar 2013 ist er stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion.