Der „Wegweiser“ ist seinen letzten Weg gegangen

Zum Trauergottesdienst für Rudolf Bembenneck hatten sich zahlreiche Freunde und Weggefährten in der Burgdorfer St. Pankratiuskirche eingefunden. Foto: Georg Bosse
 
Andor Iszák (r), Ehrenpräsident der Siegmund-Seligmann-Stiftung Hannover, über Rudolf Bembenneck (l.): „Wir sind uns nahe.“ Foto: Georg Bosse
Burgdorf: Georg Bosse |

Pastor i.R. Rudolf Bembenneck nach bewegendem Trauergottesdienst beigesetzt

BURGDORF (gb). Die Familie sowie zahlreiche Freunde und Weggefährten hatten sich am vergangenen Freitag in der Burgdorfer St. Pankratiuskirche versammelt, um mit Pastor Michael Schulze in einem bewegenden Trauergottesdienst bewussten Abschied von Rudolf Bembenneck zu nehmen. Anschließend erfolgte die feierliche Beisetzung am Grab auf dem kirchlichen Friedhof „Uetzer Straße“.
„Im Namen der Familien der Zwangsarbeiter und der Bewohner von DP-Camp „Ohio“ (Displaced Persons) sind wir dankbar für die Arbeit, die Pastor Bembenneck mit dem Burgdorfer Arbeitskreis „Stadtgeschichte“geleistet hat, um zu erfahren, was in Burgdorf während der Kriegsjahre und in den Jahren des Flüchtlingslagers geschah. Ein Licht in die Vergangenheit zu werfen ist nie einfach.Pastor Bembenneck half dabei, die Geschichten gewöhnlicher Menschen zu erzählen, die in einer schwierigen Zeit gefangen waren, und seine Unterstützung ermutigte andere dazu, Informationen und Dokumente zu teilen, die man vielleicht nie mehr gesehen hätte. Viele von uns hatten die unvergessliche Gelegenheit, ihn und die anderen Mitglieder seines Teams in Burgdorf während der Gedenkveranstaltungen und der Buchpräsentation „Im Schatten des Vergessens – Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und heimatlose Ausländer in Burgdorf 1939-1950“ zu treffen. Alle Gäste, die teilnahmen, sagten später, es sei wie bei einem Familientreffen gewesen. Dass zeigt, wie willkommen alle waren. Wir werden ihn alle sehr vermissen“, formulierte Daria Valkenburg aus Kanada ihre Betroffenheit, als sie die Nachricht vom Lebensende von Pastor i.R. Rudolf Bembenneck auf Prince Edward-Island erreichte.
Die Meriten, um die sich der ehemalige Postbeamte und spätere Pastor der St. Pankratius-Kirchengemeinde in Burgdorf verdient gemacht hat, wurden 2009 mit der Verleihung der Burgdorfer Bürgermedaille sowie 2016 durch die Auszeichnung „Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ dekoriert. 84-jährig ist der in Schlangen (Lippe) geborene „Wegweiser“, so Burgdorfs Bürgermeister Alfred Baxmann, am 4. Januar 2018 im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen.
Ganz wie es sich der Verstorbene gewünscht hatte, nahm die Trauerfeier mit dem Lied „All Morgen ist ganz frisch und neu“ ihren Anfang. Michael Schulze würdigte die Gewitztheit, den Humor und die Energie von Rudolf Bembenneck, der in seinem jüdisch-christlichen Menschenbild unerschütterlich zum Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes, „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, gestanden habe: „Rudolf Bembenneck hat sich um das Andenken der jüdischen Mitmenschen in Burgdorf gekümmert, ihre Geschichten erzählt und sie damit dem Vergessen entrissen.“
Seine Nächstenliebe und seine Integrität haben Gräben überwunden. „Als Streiter für Gerechtigkeit und Toleranz ist Rudolf Bembenneck in Burgdorf die profilierteste Persönlichkeit der Nachkriegsgeschichte. Sein vielfältiges Wirken wird Spuren im Geist und Gedächtnis der Stadtgesellschaft hinterlassen. Wir verneigen uns vor der ungewöhnlichen Lebensleistung von Rudolf Bembenneck“, so Alfred Baxmann.