Der Weg vom klassischen Honoratiorenclub zu einem modernen Großverein

Bürgermeister Alfred Baxmann (rechts) gratuliert dem VVV zum 85. Geburtstag. (Foto: VVV)

VVV verkörpert verantwortungsvolles Vereinshandeln / Ausstellung zum 85-jährigen Bestehen gestartet

BURGDORF (r/jk). „Der VVV ist einen langen, erfolgreichen Weg gegangen, in dessen Verlauf aus den bescheidenen Anfängen des Jahres 1928 eine breite Bürgerbewegung mit über 2500 Mitgliedern und 29 Arbeitskreisen entstanden ist, die über 100 Kulturveranstaltungen der Stadt organisieren, darunter die Oktober- und Pferdemärkte. Zahllose ehrenamtliche Helfer verkörpern dabei das Herzstück des Vereins“, unterstrich der VVV-Vorsitzende Karl-Ludwig Schrader bei seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung „85 Jahre VVV – 85 Jahre für Burgdorf“ im in festliches Licht gehüllten Stadtmuseum. Zum Auftakt der Festveranstaltung überraschte der Kinder- und Jugendzirkus des JohnnyB. die in großer Anzahl eingetroffenen und mit Glühwein empfangenen Gäste mit einer akrobatischen Feuershow vor dem Stadtmuseum. Wie Schrader bekräftigte, habe der VVV „Lust an Neuem, eine stete Neugier und Freude am Wachstum“, und sehe „der weiteren Entwicklung mit großer Zuversicht entgegen“.

Verlässliche Fundamente

Zu den verlässlichen Fundamenten des Vereins gehöre die vielfach schon Jahrzehnte währende Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer, die Sponsoren und in besonderem Maße die Stadt Burgdorf. Schmerzlich vermissen werde man dabei den am 4. Februar verstorbenen Ehrenvorsitzenden Hans Wißmann, der über dreißig Jahre lang einer der aktivsten Leistungsträger des VVV gewesen sei. Seine Einführung reicherte Schrader mit vergnüglichen Anekdoten aus der Vereinsgeschichte an. So schilderte er unter anderem, wie er 1990 als Ordnungskraft bei einem vom VVV präsentierten Open Air-Konzert mit Peter Kraus beinahe von außer Rand und Band geratenen und die Bühne stürmenden weiblichen Fans des Sängers umgerannt worden wäre. Laut Schrader habe der Künstler diese brenzlige Situation, bei der ihn ein VVV-Mitglied mit seinem schnell herbeigeholten PKW vor dem Zugriff der erhitzten Frauengruppen retten konnte, gewohnt lässig aufgenommen und hinterher in einem Brief an den VVV versichert: „Burgdorf wird mir immer in guter Erinnerung bleiben“.
Anschließend übernahm Bürgermeister Alfred Baxmann das Mikrofon. Er hob hervor, dass die jetzige Ausstellung als gelungene Fortsetzung der bisher in Fünf-Jahres-Intervallen präsentierten Jubiläumsausstellungen einen umfassenden Blick auf das facettenreiche Innen- und Außenleben des VVV freigebe. Die Zusammenstellung der Exponate durch das Museumsteam sowie die begleitende Ausstellungsbroschüre seien hervorragend realisiert worden. Seine Rückschau auf die VVV-Geschichte, die die wesentlichen Traditionslinien des Vereins in den Mittelpunkt stellte, rief noch einmal seit dem Gründungsjahr 1928 eingetretene entscheidende Veränderungen der Vereinsstruktur in Erinnerung, aus denen sich das heutige Erscheinungsbild des VVV herauskristallisiert habe.

„Kunst, Kultur und Kommunikation“

In der 85-jährigen Entwicklung des VVV sei dem Verein die Metamorphose vom klassischen Honoratiorenclub, als der er sich noch in den 1970er Jahren darstellte, zu einem modernen Großverein mit professionellem Management gelungen, das die drei Aufgabenschwerpunkte „Kunst, Kultur und Kommunikation“ in effektiver und zukunftsorientierter Weise umsetze. Wie Baxmann aus einer 2002 veröffentlichten Stadtentwicklungsanalyse zitierte, gehöre Burgdorf zu den Hauptstädten ehrenamtlichen bürgerschaftlichen Engagements. Zu verdanken sei dies im wesentlichen dem VVV, der als einer größten und aktivsten Bürgerinitiativen des Landes in Erscheinung trete und der Stadt ein unverwechselbares Alleinstellungsmerkmal verleihe.

Weichenstellung für die Zukunft

Der Bürgermeister deklarierte das Jahr 1978 zum eigentlichen Wendepunkt der Vereinsgeschichte, da in dieser Zeit Gerhard Bleich die Geschäftsführung des regenerationsbedürftigen VVV übernommen und die Weichen für eine Entwicklung gestellt habe, die mit Karl-Ludwig Schrader an der Spitze in die heutige Rangstellung des Vereins mündete. Er zeigte sich zuversichtlich, dass alle Voraussetzungen für den weiteren Aufstieg des Vereins auch dank kontinuierlichen Sponsorings gegeben seien. „Der VVV verkörpert ein fast unerschöpfliches Reservoir an Bürgerinitiative und gehört dauerhaft zu den fest verwurzelten Grundpfeilern des städtischen Kulturlebens“, fasste Baxmann seinen Redebeitrag zusammen.

Vielfalt und Vervollkommnung

Krönender Abschluss war eine rhetorisch pointierte Satzkonstruktion, in der der Bürgermeister die Bedeutung des VVV unter vorwiegender Verwendung von „V“-Worten verdeutlichte: „Dem VVV verdanken wir Menschen, deren Verdienst es ist, mit großer Verlässlichkeit Verantwortung in unserer Stadt zu übernehmen und damit der Vereinsamung von Menschen und der Verödung unserer Stadtgesellschaft vorzubeugen; die das zur Verblüffung vieler Außerstehender so vorzüglich tun und dabei das Gefühl vermitteln, dass sie es mit Vergnügen und aus tiefer Verbundenheit mit ihrer Stadt tun; Menschen, die den Verlockungen des Stillstandes widerstehen, die den Blick nach vorne wenden; die sich um stetige Verbesserung bemühen, um den Vorsprung gegenüber anderen Städten nicht zu verlieren; Menschen, die zur Vermehrung unseres kulturellen Vermögens beitragen, indem sie nach Vielfalt und Vervollkommnung streben. Dabei ist es nur verständlich, dass sich die in der Stadt Verantwortlichen vor dieser Leistung verneigen.“

Begleitprogramm zur Ausstellung

Beim Rundgang durch die Ausstellung bekamen die Eröffnungsbesucher einen mit reichhaltigem Bildmaterial versehenen Eindruck von den wichtigsten Stationen der Vereins- im Verbund der Stadtgeschichte der letzten 85 Jahre und konnten sich mit der breiten Palette an Aktionsfeldern vertraut machen, denen sich der VVV seit Jahrzehnten oder als neu hinzugekommenen Aktivitäten widmet. Bis zum Ausstellungsende am 17. März gibt es an jedem Wochenende ein Begleitprogramm, zu dem VVV-Partner oder VVV-Arbeitskreise einladen. Führungen durch die sonnabends und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnete Ausstellung sind nach Absprache mit VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich auch innerhalb der Wochentage möglich (Tel. 05136 – 1862).