Der „leeve Jung“ im Burgdorfer JohnnyB.

Mit Fatih Çevikkollu auf der JohnnyB.-Bühne in dem Land, in dem die Post abgeht: postmodern, postmigrantisch und postdemokratisch. (Foto: Georg Bosse)

Fatih Çevikkollu: Da war`n wir dabei! Dat war prima...

BURGDORF (gb). Wenige Tage vor dem Festtag für Floristen (Muttertag) feierten rund 140 Besucher „FathiTag“ im JohnnyB.. Der Kölner Kabarettist Fatih Çevikkollu gastierte mit seinem multikulti- und politiksatirischen Programm in Burgdorf.
„Ich verspreche Euch, Ihr bekommt Euer Geld zurück, wenn Ihr nicht genug gelacht habt“, stand er im roten Anzug und barfüßig in roten Latschen vor seinem deutsch-deutschen Publikum auf der Bühne und es wurde schnell klar, dass kaum die Gefahr bestehen würde, von diesem Angebot Gebrauch zu machen. Dann doch wohl eher, dass dem einen oder anderen das Lachen im Halse stecken bleiben würde. Denn die rheinische Frohnatur bewies, ob als „fiese Möpp“ oder als „leeve Jung“, dass sie längst den Niederungen des TV-Comedy-Blödsinns enteilt und jetzt zu den Champions der scharfzüngigen deutschen Kabarettszene zu zählen ist.
Çevikkollus kluger Humor und Wortwitz ist ein tabufreier Brückenschlag zwischen deutscher und türkischer Gesellschafts- und Religionskultur im „FathiLand“, das eine der größten Rüstungsindustrien beheimatet. „Alles gut. Wenn wir Heckler und Koch oder Mercedes Benz heißen, sind wir Deutschen in der Welt sehr beliebt“, so der „Çevikk-Dingsbums“, der sich als „katholisch bis zum Anschlag“ bezeichnet: „Jesus, mein Bruder, wie geht`s? Hau rein Bruder, lass dich nicht so hängen.“ Auch bei Recep Tayyip Erdoğan, dem Präsidenten der Republik Türkei, haute der „lustige Türke“ rein: „Er ist der erste demokratisch gewählte Sultan. Immer hinter Putin her, halt ein Bospo-Russe.“
Integrationsdebatten sind für ihn Folklore der Politik. Oder wie ist die politisch korrekte Begriffsgeburt „Menschen mit Migrationshintergrund“ für in Deutschland lebende oder gar geborene Menschen anderer Muttersprache zu verstehen? Warum dann nicht auch „Fleisch mit lebendiger Geschichte“ für Steak oder „Menschen mit Menstruationshintergrund“ für Frauen...? Nun, im „FatihUnser“ des Kölners geht es um Identität und ihre Bildung in einer Zeit des digitalen Wandels, in dem es mehr Nullen als Einsen gibt und in einem Europa (EU), das immer noch Friedensnobelpreisträger ist.
Und zur männliche Beschneidung, die im Judentum ein Gebot Gottes, in islamisch geprägten Ländern weit verbreitet ist und 2012 in Deutschland zur juristischen Bewertung vor dem Landgericht Köln führte, sagte Fatih Çevikkollu: „Die Vorhaut ist die fleischgewordene Schnittstelle zwischen Juden und Moslems.“
„FatihTag“: Da simmer dabei! Dat ist prima! Viva Colonia!