Der Kleine Chor begeisterte am Broadway in New York

Der Kleine Chor Burgdorf unter Leitung von Ilsabe Bartels-Kohl während seiner Aufführung des Bonhoeffer-Oratoriums in der Kapelle des Union Theological Seminary in New York. (Foto: Kleiner Chor)

Bonhoeffer-Oratorium an Wirkungsstätte des Theologen aufgeführt

BURGDORF/NEWYORK (r/jk). „Cool“ – lautete der knappe Kommentar von Jonathan Peil, dem mit 9 Jahren jüngsten Sänger und Solisten des Kleinen Chores Burgdorf zur Konzertreise des Ensembles nach New York. Schließlich können nicht viele Burgdorfer von sich behaupten, schon einmal im „big apple“ und dazu auch noch am Broadway aufgetreten zu sein – wenn auch mit der Hausnummer 3041 des Union Theological Seminary in einiger Distanz zu den großen Showbühnen.
In diesem berühmten Seminar hatte Dietrich Bonhoeffer gelehrt, bevor er sich im Juni 1939 wieder bewusst zur folgenreichen Rückkehr nach Nazideutschland entschied. Es war bewegend mitzuerleben, wie die Zuhörer in der Kapelle des geschichtsträchtigen Ortes von der Aufführung berührt und ergriffen wurden. Auch das zweite Konzert im deutschen Generalkonsulat gegenüber den UN-Gebäuden am East River entfaltete große Wirkung und wurde mit lang anhaltendem Applaus bedacht. Dabei kamen auch die zahlreichen jungen Stimmen des Chores zu bester Geltung.
Neben den Aufführungen hatten Sänger und Instrumentalisten viel Zeit für Entdeckungstouren durch Manhattan. Mit der Staten Island Fähre ging es morgens auf die überwältigende Skyline der Metropole zu, dann in die heißen Katakomben der Subway-Stationen und in die verschiedenen Stadtviertel, hin zu Highlights und Museen. Natürlich gehörte ein Besuch der beeindruckenden Gedenkstätte am Ground Zero mit dem neuen One World Trade Center und seiner faszinierenden Subwaystation dazu, weiterhin der Times Square, Central Park, Chinatown und Brooklyn Bridge, MoMA und Guggenheim-Museum. Bei herrlichem Herbstwetter konnte man die Aussicht vom Dach der Rockefeller-Center und 250 Meter tiefer die Schlittschuhläufer auf der berühmten Eisbahn bewundern. Einige hatten das Glück, Karten für einen Opernabend in der Met und Konzerte in der Carnegie Hall zu ergattern – Erlebnisse, die man wohl ein Leben lang nicht vergisst. Entsprechend erschöpft war man, wenn es zuweilen in später Nacht mit der Fähre an der Freiheitsstatue vorbei zurück ins Hotel ging.
Mit dieser Konzertreise ist Chorleiterin Ilsabe Bartels-Kohl ihrem Ziel ein großes Stück näher gekommen, das bewegende Bonhoeffer-Oratorium von Matthias Nagel und Klaus Stork an allen Wirkungsstätten des großen Theologen und Widerstandskämpfers gegen das Nazi-Regime aufzuführen. Nach Berlin, Breslau, London und Flossenbürg kann jetzt auch ein Häkchen hinter New York gemacht werden. Nun fehlen mit Finkenwalde und Barcelona, wo Bonhoeffer ein Auslandsjahr verbrachte, noch zwei Orte, in denen der kleine Chor Burgdorf zu einem Begriff machen kann.