Der Brand der Sporthalle war das Hauptthema

Die Ernennungen: hintere Reihe von links Sebastian Lübbe (Oberfeuerwehrmann), Reinhard Nicks (Hauptlöschmeister), Marc-Robert Krey (Löschmeister), Chris Schattnschneider (Hauptfeuerwehrmann) und Axel Gronau (25 Jahre); vordere Reihe von links Melwin Timm (Oberfeuerwehrmann) Simone Bachmann (Hauptfeuerwehrfrau) und Robert Hussmann (Oberfeuerwehrmann). (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Bewegende Worte von Rüdiger Zach. Die Kameraden sind gerührt – im Hintergrund Ortsbrandmeister Karsten Lübbe. (Foto: Svenja Steinseifer)

Vorsitzender des Heesseler SV bedankte sich auf der Jahreshauptversammlung

BURGDORF (svs). „Wir bekommen von der Versicherung so viel Geld, dass wir die Turnhalle wieder aufbauen können. Ohne Euch wäre das nicht möglich gewesen. Danke!“ Keine „leere Lobhudelei“, sondern eine Welle echter Dankbarkeit schlug den Feuerwehrkameraden aus Heeßel auf der Jahreshauptversammlung am vergangenen Sonnabend von Rüdiger Zach, dem 1. Vorsitzenden des Heesseler SV, entgegen. Der „schwerwiegendste“ und „traurigste“ Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr Heessel 2011 war Thema Nummer eins.
„Als wir ankamen, quoll der Rauch bereits aus allen Knopflöchern“, berichtete der stellvertretende Ortsbrandmeister Reinhard Nicks. Für die Kameraden war es der 31. Einsatz von insgesamt 36 Einsätzen im Jahr 2011. Sechs weniger als im Vorjahr. „Wir konnten nicht rein, es war viel zu heiß.“ Eine aus Burgwedel angeforderte Wärmebildkamera bestätigte die Befürchtung der Wehr: 900 Grad Celsius herrschten im Inneren der brennenden Turnhalle, der Brandherd für die Kameraden unerreichbar. „Als wir einen Lüftungszugang öffneten, zündete es sofort durch“, erinnert sich Reinhard Nicks. „Der Korso der Halle konnte stehen bleiben, weil ihr ein Loch in die Wand gerissen habt, was ich damals gar nicht verstanden habe“, während der Vorsitzende des Heesseler Sportvereins über das spricht, was er am 29. Oktober erleben musste, ist ihm die Trauer noch deutlich anzusehen.
„Die Anforderungen steigen kontinuierlich“, weiß Ortsbrandmeister Karsten Lübbe, „ich denke hier ist die Grenze des ehrenamtlich Machbaren erreicht.“ Insgesamt leistete die Heeßeler Wehr 9597 Dienststunden im Jahr 2011. Ein Einsatz endete tödlich für eines der Unfallopfer. Ein missglücktes Überholmanöver auf der neuen B 188. „Solche Einsätze sind auch für uns nicht einfach“, betont Rüdiger Nicks, „rechts und links sind Leitplanken, da kann ich mich nicht mehr für den Baum oder den Graben entscheiden, da kann ich nur noch den anderen treffen!“ Wie emotional belastend solche Szenarien sind, weiß auch Ortsvorsteherin Simone Heller (Bündnis 90 die Grünen).
„Gerade solche Einsätze haben die Anforderungen enorm anwachsen lassen“, betonte der 1. Stadtrat Lutz Phillips. „Deshalb wird die Feuerwehr finanziell immer angemessen bedacht, trotz gravierender hauswirtschaftlicher Probleme.“ So sollen 10.000 Euro für eine neue Tragkraftspritze im Jahr 2012 bereitgestellt werden. Handlungsbedarf zeigt sich für Karsten Lübbe dennoch: „Die alten Funkmeldeempfänger, die noch bei der Stadtfeuerwehr Burgdorf im Einsatz sind, müssen ausgetauscht werden. Es macht wenig Sinn, junge Leute zu gewinnen und sie dann nicht alarmieren zu können!“
Wie wichtig eine funktionierende Feuerwehr ist, weiß Rüdiger Zach nur zu gut. „Mein Blickwinkel hat sich verändert, seit ich als Betroffener eines Feuers damit leben muss.“ Die bewegenden Dankesworte von Rüdiger Zach sind für den Sicherheitsbeauftragten der Wehr, Peter Ramme, nicht selbstverständlich. „Ich war ja selber zweimal unter Atemschutz im Gebäude, das war schon nicht ohne“, sagte er. Ein „Danke“ sei trotzdem nicht an der Tagesordnung. „Und es tut richtig gut.“ Während Zach spricht, herrscht absolute Ruhe im gerammelt vollen Feuerwehrhaus Heeßel. Und der ein oder andere Kamerad blinzelt. „Der Turnhallenbrand zeigt, was ehrenamtlich alles möglich ist, wenn man an einem Strang zieht!“, betonte Karsten Lübbe.
„Wie wertvoll eure Arbeit ist, zeigt sich, wenn man Hilfe braucht. Wenn man darauf angewiesen ist, dass Leute kommen und einem helfen. Ich kann dazu nur sagen….mir fehlen die Worte. Ich kann nur sagen, es ist schön, dass es euch gibt! Danke.“ Stille.
Wenn Rüdiger Zach die Sirene hört, zuckt er noch immer zusammen. Wie am 24. Dezember. Heiligabend. PKW-Brand auf der A37. „Wir hatten ein schönes Weihnachtsfest mit den Kameraden auf der Autobahn“, sagt Reinhard Nicks und lächelt. Rüdiger Zach sieht das heute mit einem anderen, dankbaren Blickwinkel: „Ihr müsst dann raus, wenn die Sirene geht, egal wann.“