Deine Frau, das unbekannte Wesen in den 1960ern

Petra Pape (links) und Annette Wiede (rechts) führen mit einem Sketch in das Thema ein. (Foto: Arbeitskreis Frauen)

Erzählcafe des Arbeitskreises „Frauen in Burgdorf“

BURGDORF (rjk). Auf Einladung der Geichstellungsbeauftragten und des Arbeitskreises „Frauen in Burgdorf“ kamen 130 Gäste ins Erzählcafe der 60er Jahre Ausstellung im Stadtmuseum. Petra Pape und Annette Wiede führten mit einem Sketch in das Thema ein. Auf amüsante Weise portätierten sie das vorherrschende Frauenbilder in den 1960er Jahren in Westdeutschland.
In Minirock und Kittelschürze ließen sie die minderjährige, verlobte, berufstätige Friseurin Angelika und Monika, Hausfrau und Mutter, Hüterin vom Heim und Herd über den Alltag zwischen Kinder, Küche und Kommune I berichten. Damit riefen sie bei den Gästen viele Erinnerungen wach und animierten zum Austausch.
Viele blieben bis zum Schluss der Veranstaltung in der Dekoration der 60er Jahre Möbel sitzen und tauschten bei Kaffee, Kuchen und Eierlikörchen ihre persönlichen Erinnerungen aus.
Zu Beginn der 1960er Jahre war der Frauenalltag noch weitgehend von der traditionellen Arbeitsteilung bestimmt. Als Hausfrausein ein Beruf war und nachlässige Haushaltsführung ein Scheidungsgrund, ging es für verheiratete Frauen vorrangig um Haushaltsführung, Hausbau und Familienabende vor dem neuen Farbfernseher bei Bonanza oder Kulenkampf.
Nur allmählich gewöhnte man sich daran, dass Alleinstehende oder Geschiedene, dann auch verheiratete Frauen arbeiten gingen. Die Erwerbsarbeit von Müttern wurde nicht akzeptiert. Der Ehemann hatte das Recht, den Arbeitsplatz „seiner“ Frau zu kündigen.
Gleichzeitig wurden junge Frauen zur Zielgruppe für Film und Fernsehen. Helga, Protagonistin im Aufklärungsfilm des Gesundheitsministeriums, oder Uschi Nerke, Moderatorin des Beatclubs, zu Vorbildern. Die Werbung versprach der Hausfrau eine vereinfachte Haushaltsführung und zeigte die moderne Frau als junge und attraktive Zeitgenossin. Twiggy galt als Schönheitsideal und der Minirock wurde zum Symbol der sexuellen Befreiung und der Emanzipation der Frau.
Ende der 1960er Jahre nahmen trotz päpstlichen Verbots immer mehr Frauen die Anti-Baby-Pille. Die planbare Schwangerschaft trug wesentlich zur sexuellen Revolution bei. Zeitgleich revoltierten die StudentInnen gegen den Vietnamkrieg und die Notstandsgesetze, die RAF gründete sich. Die westdeutsche Frauenbewegung ging in die 2. Phase, der legendäre Tomatenwurf 1968 galt als ihr Startsignal.