„Das sind Einsätze, die einem nahe gehen!“

Detlef Hilgert verleiht Ortsbrandmeister Gustav Buchholz das Feuerwehrehrenkreuz in Silber. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Detlef Hilgert verliest die Auszeichnung des Feuerwehrehrenkreuzes in Bronze für Rüdiger Hinte (ganz rechts). (Foto: Svenja Steinseifer)

Ortsfeuerwehr Otze war im letzten Jahr 27 Mal im Einsatz

Otze (svs). „Person unter Zug“ – so lautete der Einsatzbefehl, wenn die Ortsfeuerwehr Otze zu einem Suizid auf der Strecke der Deutschen Bundesbahn ausrücken musste. „Viel zu oft hatten sie damit zu tun“, sagte der 1. Stadtrat Lutz Phillips auf der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Otze am vergangenen Samstag.
Für Ortsbrandmeister Gustav Buchholz war es die letzte Jahreshauptversammlung im Feuerwehrgerätehaus Otze. 18 Jahre lang bekleidete er das Amt des Ortsbrandmeisters und erntete viel Lob und Anerkennung für seine geleistete ehrenamtliche Arbeit – und das Feuerwehrkreuz in Silber. Überrascht und gerührt nahm Buchholz die Auszeichnung von Brandabschnittsleiter Detlef Hilgert entgegen. „Ich freue mich sehr darüber“, sagte Buchholz und zog für das vergangene Jahr ein positives, zum Teil sorgenvolles Resümee.
Insgesamt 6226 Dienststunden fielen für die Feuerwehr im Jahr 2012 an und 27 Einsätze, die für den Ersten Stadtrat Lutz Phillips von „kurios bis hochgradig ernst“ gingen. Im Gedächtnis geblieben sind Gustav Buchholz wie auch den Gästen aus Rat und Verwaltung die steigenden Suizidfälle auf der Strecke der Deutschen Bundesbahn. „Ich betrachte diese Entwicklung mit Sorge“, sagte Buchholz, „ein solcher Einsatz ist für jeden Kameraden eine hohe Belastung.“ Buchholz hofft, dass sich diese Entwicklung nicht fortsetzt. „Das sind die Einsätze, die einem nahe, an die Nerven und die Psyche gehen“, bestätigt auch Detlef Hilgert. Als knapp und brenzlig bezeichnete Buchholz in seinem Jahresbericht einen Garagenbrand vom 25. Mai und die Windhose vom 29. Juni, die über Otze hinwegfegte. Zu insgesamt sieben Brandeinsätzen, 18 Hilfeleistungen und zwei Übungen rückte die Ortswehr Otze im vergangenen Jahr aus.
Der Anteil der Jugendfeuerwehr an den gesamt geleisteten Dienststunden liegt laut Jugendwart Wolfgang Schlusche bei 237,5. Die Jugendfeuerwehr bereitet dem Ortsbrandmeister ebenfalls „Sorge“, zwei Betreuer hätten im letzten Jahr ihr Amt niedergelegt. „Anderswo mussten Ortswehren aufgrund fehlender Mindeststärke stillgelegt werden“, betont Bürgermeister Alfred Baxmann, „solche Nachwuchssorgen haben wir hier gottseidank noch nicht – Otze ist eine personell sehr ordentlich aufgestellte Feuerwehr.“
Eines lag Baxmann besonders am Herzen: Danke zu sagen für eine „großartige ehrenamtliche Lebensleistung“. Der Politiker betonte die besondere Herausforderung eines Führungspostens im Ehrenamt. „Die Leute sind nicht von einem abhängig, hier muss man überzeugen.“ Das habe Gustav Buchholz vor allem mit Offenheit und Ehrlichkeit getan. Seit 1968 ist der Ortsbrandmeister, der sein Amt offiziell am 16. März an seinen Nachfolger Tim Kories übergeben wird, Mitglied der Feuerwehr, seit 1994 im Amt des Ortsbrandmeisters Otze. Die Erschaffung der Jugendwehren Dachtmissen, Otze und Weferlingsen gehen ebenfalls auf sein Konto. Von 2003 bis 2009 war Gustav Buchholz stellvertretender Stadtbrandmeister der Feuerwehr Burgdorf.
Eines hätte Buchholz gerne noch geändert. Auch das Einsatzfahrzeug der Ortswehr habe „eine lange Dienstzeit hinter sich und man sollte darüber nachdenken, es zu ersetzen.“ Obwohl der Feuerwehretat insgesamt aufgestockt wurde, seien neue Anschaffungen in naher Zukunft nicht geplant. „Der Haushalt der Stadt konnte zum vierten Mal infolge nicht ausgeglichen werden“, betonte der Erste Stadtrat Lutz Phillips die finanziell angespannte Lage.
Geehrt und ernannt wurden: Anna-Lena Holstein (Feuerwehrfrau), Ivo Schirmer (Feuerwehrmann), Fabian Balthasar (Oberfeuerwehrmann), Florian Kuckuck und Björn Grotheer (Oberfeuerwehrmann), Steffen Röber, Andreas Meyer und Alexander Jung (Hauptfeuerwehrmann), Helge Steinecke (Oberlöschmeister), Cord Bucholz und Tim Kories (Hauptlöschmeister).
Cord Bucholz, Martin Bartels und Stefan Weidenbach (25 Jahre aktiven Dienst), Peter Rüßmann (40 Jahre aktiven Dienst), Heinz-Rüdiger Günther und Jens-Holger Komm (25 Jahre Landesfeuerwehrverband), Jürgen König und Jürgen Balke (50 Jahre Landesfeuerwehrverband), Jürgen Schacht (60 Jahre Landesfeuerwehrverband) sowie die Fördermitglieder für 25 Jahre Karl-Heinz Dralle und Heinz Martens. Das Feuerwehrehrenkreuz in Bronze erhielt Rüdiger Hinte.