Das „Polizeimuseum“ öffnet am 17. November seine Pforten in Burgdorf

Das Polizeimuseum im Burgdorfer Stadtmuseum. (Foto: VVV)
 
Polizeieinsatz beim Burgdorfer Besuch des damaligen Bundeskanzlers Dr. Konrad Adenauer am 11. August 1957. (Foto: VVV)

„Als der Schutzmann noch auf Streife ging...“ / Neue Ausstellung im Stadtmuseum:

BURGDORF (r/jk). Spannende Einblicke in die niedersächsische und Burgdorfer Polizeigeschichte gibt die Sonderausstellung „Polizeimuseum“, die der VVV und die Stadt Burgdorf vom 17. November bis 27. Januar 2013 im Stadtmuseum (Schmiedestraße 6) präsentieren. Die Exponate der Schau stammen größtenteils aus dem Fundus des Polizeimuseums Niedersachsen. Seine Betreuung liegt in den Händen der Polizeiakademie Niedersachsen. In ihrem Umfang ist die Sammlung des Polizeimuseums nahezu einmalig und dokumentiert den Wandel der Polizei im norddeutschen Raum.
Bürgermeister Alfred Baxmann eröffnet die Schau am Sonnabend, 17. November, um 11.00 Uhr. Den anschließenden Einführungsvortrag halten Jürgen Graver, Leiter der Polizeiinspektion Burgdorf, und Dr. Dirk Götting von der Polizeiakademie Niedersachsen/Polizeimuseum. Am Eröffnungswochenende, 17. und 18. November, gibt die Polizeiinspektion Burgdorf an einem Info-Stand hilfreiche Tipps zur „Prävention bei Einbrüchen“.
Im „Polizeimuseum“ sind umfangreiche Exponate zur norddeutschen Polizeigeschichte zu sehen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Burgdorfer Raum. So gibt es einen komprimierten Überblick zur städtischen Polizeigeschichte. Zur Ausstellungspalette gehören Uniformen, informative Schautafeln, Ausrüstungsgegenstände und Geräte des Erkennungsdienstes. Ein besonderer Abschnitt zeigt, „wie der Schutzmann weiblich wurde“ und die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ihre Umsetzung im Polizeidienst fand.
Bevor das Burgdorfer Polizeiwesen die heute gewohnten, festen Strukturen annahm, ahndeten vom städtischen Magistrat eingesetzte Polizeidiener, Nachtwächter und Feldvögte bis 1922 Verstöße gegen das bürgerliche Wohlverhalten. Bis 1945 erfüllte die Burgdorfer Polizei ihre Funktion im Dienst der preußischen Monarchie, der Weimarer Republik und der Nazi-Diktatur. Im von den Briten besetzten Nachkriegs-Burgdorf begann der nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland forcierte Aufbau einer modernen Polizeiorganisation nach rechtsstaatlichen Grundsätzen. Dieser fand unter erschwerten Bedingungen statt, da Schutz- und Kriminalpolizei an getrennten Standorten stationiert waren und diese mehrfach wechselten. Erst im Dezember 1994 bezogen beide Ordnungsbehörden ihr heutiges, gemeinsames Domizil am Celler Tor 45.
Eine der Aufsehen erregendsten Episoden der Burgdorfer Polizeigeschichte in der Nachkriegszeit ereignete sich am 11. Mai 1965. An diesem Tag überfiel der später als Schauspieler populär gewordene Burkhard Driest die Sparkassenfiliale am Celler Tor. Da sich die Polizeiwache damals in der Schillerslager Straße befand und die Kriminalpolizei ihr Gebäude am Marris Mühlenweg hatte, gelang es dem flüchtenden Gangster problemlos, vor den an den Bahnschranken wartenden Polizisten das Weite zu suchen.
Ein weiterer Ausstellungsabschnitt ist spektakulären Verbrechen der niedersächsischen Kriminalgeschichte gewidmet. Unter ihnen ragt der Fall des hannoverschen Massenmörders Fritz Haarmann heraus. Originale Exponate und Dokumente aus den Ermittlungsakten der damaligen Mordkommission spiegeln in eindrucksvoller Weise den Prozess der Täterfindung wider. Anfang der 1920er Jahre versetzten grausame Mordtaten an über 20 jungen Männern die Bewohner Hannovers in Angst und Schrecken. Monate der Ungewissheit über die Identität des mit unfassbarer Brutalität vorgehenden Täters folgten. Für die hannoversche Mordkommission begann eine monatelange, fieberhafte Ermittlungsarbeit. In deren Verlauf geriet auch der bereits in anderem Zusammenhang verdächtigte Altwaren- und Fleischkonservenhändler Fritz Haarmann ins Visier der Kriminalpolizei. Nach tagelangen Vernehmungen legte er ein Geständnis ab. Im folgenden Prozess erhielt er am 19. Dezember 1924 die Todesstrafe, zu deren Vollzug es am 15. April 1925 im Hof des hannoverschen Gerichtsgefängnisses kam. Zu legendärer Berühmtheit gelangte Fritz Haarmann durch ein schwarzhumoriges Lied, in das Gerüchte über die angebliche Verarbeitung seiner Opfer zu Fleischkonserven einflossen: „Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir, mit dem kleinen Hackebeilchen, macht er Hackefleisch aus dir…“
Das Stadtmuseum ist sonnabends und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Ansprechpartner für Führungen, die für Vereine und Gruppen auch innerhalb der Woche möglich sind, ist VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich (Tel. 05136/1862).