Das Burgdorfer „Polizeimuseum“ erinnert an die Kulturgeschichte der Polizei

Rund 80 interessierte Gäste verfolgten die Eröffnung der neuen Ausstellung „Polizeimuseum“ im Burgdorfer Stadtmuseum. (Foto: VVV)
 
Im Obergeschoss wurde ein Blick auf die Burgdorfer Polizeigeschichte geworfen. (Foto: VVV)

Zu Fritz Haarmanns Zeiten gab es schon die ersten Polizistinnen in Deutschland

BURGDORF (r/jk). Wer ist Henriette Arndt? Besucher der neuen Ausstellung „Polizeimuseum“, die der VVV und die Stadt Burgdorf seit vergangenem Sonnabend im Stadtmuseum präsentieren, erfahren, dass diese Frau in die Annalen der Polizeigeschichte als erste weibliche Polizistin einging. Nicht etwa im Rahmen neuzeitlicher Gleichheitsbestrebungen, sondern bereits im Jahr 1907.
Wie sie in ihrem Buch „Erlebnisse einer Polizeiassistentin“ berichtete, fiel sie aber schon zwei Jahre später den massiven Verdrängungsversuchen ihrer männlichen Kollegen zum Opfer. Immerhin gab es bis 1915 sogar 36 Polizeiassistentinnen im Deutschen Kaiserreich, darunter Bertha Müller in Hannover. Ihre Tätigkeitsfelder umfassten soziale Aufgaben. Strafverfolgendes, polizeiliches Handeln gehörte nicht dazu. Den weiteren Weg bis zur endgültigen und vollwertigen Etablierung weiblicher Polizistinnen verfolgt der zentrale Ausstellungskomplex „Von der Polizeiassistentin zur Führungskraft – die historische Entwicklung des Exekutivdienstes von Frauen in der Polizei“.
Für die Zusammenstellung der von der Stadtsparkasse Burgdorf und dem Förderverein Stadtmuseum unterstützten Schau zeichnet das Polizeimuseum der Polizeiakademie Niedersachsen verantwortlich. Dessen Leiter Dr. Dirk Götting, seit 11 Jahren Hüter der umfangreichen Sammlung zur norddeutschen Polizeigeschichte, und Jürgen Graver, Chef der Polizeiinspektion Burgdorf, eröffneten am Sonnabend nach einleitenden Worten von Bürgermeister Alfred Baxmann das „Polizeimuseum“ vor rund 80 Gästen. Bis zum 27. Januar 2013 erleben die Museumsgäste die vielfältigen historischen Facetten des norddeutschen Polizeidienstes und seiner Ausprägungen im Burgdorfer Raum.
Eine besondere Attraktion ist eine detaillierte Dokumentation des spektakulärsten Kriminalfalls der norddeutschen Polizeigeschichte. Mit seinen grausamen Morden und der angeblichen Verarbeitung seiner Opfer zu Wurstkonserven übte der hannoversche Massenmörder Fritz Haarmann eine bis heute ungebrochene, morbide Faszination aus. Unvorstellbare und bis dahin noch nie vorgekommene Grausamkeiten prägten seine Anfang der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts an jungen homosexuellen hannoverschen Männern verübten Mordtaten.
Im „Polizeimuseum“ sind auch eine fotografische Abbildung des Tatzimmers und das von Haarmann als Mordwerkzeug genutzte Beil zu sehen. Wie Dr. Götting in seiner Eröffnungsrede hervorhob, stellten diese Verbrechen die hannoversche Mordkommission vor eine nervenzermürbende Zerreißprobe. Um den nach wochenlanger Suche endlich als Mordverdächtigen ermittelten Haarmann als Täter zu überführen, griffen die Beamten schließlich zu physischer und psychischer Gewalt und schreckten nicht davor zurück, bis zu seinem Geständnis sogar vier künstlich beleuchtete Schädel seiner Opfer nachts in seine Gefängniszelle zu stellen. Dieses willkürliche Polizeivorgehen beruhte auf dem immer noch vorhandenen Selbstverständnis als obrigkeitshöriges Erfüllungsorgan, das sich erst nach dem 2. Weltkrieg zur heutigen Rolle der Polizei als rechtsstaatlichen Prinzipien verpflichtetes bürgernahes Organ der Gefahrenabwehr und Kriminalitäts-bekämpfung wandelte.
Im oberen Museumssektor ist eine vom VVV zusammengestellte, historische Darstellung der Burgdorfer Polizei zu sehen, deren Ursprünge auf die Ratsdiener und Nachtwächter des späten Mittelalters zurückzuführen sind. Symptomatisch für die gesamte frühere Struktur der niedersächsischen Polizei ist dabei die Tatsache, dass bis 1994 Schutz- und Kriminalpolizei in mehrfach wechselnden Gebäuden untergebracht und unterschiedlichen vorgesetzten Behörden angehörten. Ihren heutigen Stellenwert erhielt die Burgdorfer Polizei erst 2004 mit der Einrichtung der Polizeiinspektion Burgdorf, zu der die Polizeikommissariate in Mellendorf, Langenhagen, Großburgwedel und Lehrte sowie die Polizeistation Uetze gehören. Eingebettet in eine Vielzahl charakteristischer polizeilicher Ausrüstungsgegenstände schlagen Fotoserien über die Arbeit der ländlichen Polizei und der Autobahnpolizei den Bogen in die Gegenwart. Ein Ausstellungsabschnitt über die Kriminalprävention der Burgdorfer Polizei komplettiert die reichhaltige Ausstellungspalette.
Das Stadtmuseum (Schmiedestraße 6) ist sonnabends und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Für Gruppen und Vereine besteht die Möglichkeit, sich an VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich zu wenden und einen Führungstermin auch innerhalb der Woche zu vereinbaren.