Daria Valkenburg auf den Spuren ihres Vaters Wasyl Makota

Pieter und Daria Valkenburg auf Stippvisite in der Burgdorfer KulturWerkStadt. (Foto: Georg Bosse)
 
Mitbewohner von Wasyl Makota (stehend, 4.v.l.) vor den Unterkünften des Lagers „Ohio“ in Burgdorf (1947). (Foto: W. Makota Collection)

Burgdorfer DP-Camp „Ohio“ war auch Schutz vor der Roten Armee

BURGDORF (gb). Ein fast vergessenes Kapitel der Burgdorfer Nachkriegsgeschichte ist in den vergangenen Tagen erneut aufgeschlagen worden. Burgdorfs stellvertretende Bürgermeisterin Christa Weilert-Penk und der Ratsvorsitzende Olaf Weinel begrüßten die kanadischen Eheleute Pieter und Daria Valkenburg in der KulturWerkStadt. Daria Valkenburg ist die Tochter von Wasyl Makota, der als „Displaced Person“ (DP/Heimatloser) von 1946 bis 1948 im DP-Camp „Ohio“ an der Sorgenser Straße in Burgdorf lebte und arbeitete. Das Lager wurde 1950 aufgelöst.
Bereits im September 2012 war der gebürtige Burgdorfer und heute in Berlin lebende Harald Scherdin-Wendlandt zu Gast in der Auestadt und hatte über seinen aus der Ukraine stammenden Vater Dmytro Jalowy berichtet, der das Schicksal von Wasyl Makota im Lager „Ohio“ geteilt hatte (der MARKTSPIEGEL berichtete). Auch der Vater von Daria Valkenburg stammt aus der Ukraine und wurde im Januar 1928 im damals polnischen Teil des Landes in Bolekhiv geboren. Dmytro Jalowy und Wasyl Makota gehörten zu den „ortlosen“ Menschen aus Polen, Russland und der Ukraine, die in ihren Herkunftsländern befürchten mussten, als Kollaborateure der deutschen Besatzungsmacht Repressalien ausgesetzt zu sein. Sie hatten in Nazi-Deutschland Zwangsarbeit leisten müssen.
Im Winter 1942 kam Wasyl Makota als 14-jähriger Junge zu einer Bauernfamilie nach Aerzen/Grupenhagen (Landkreis Hameln/Bad Pyrmont). Durch die tagelange Fahrt in unbeheizten Güterwaggons war Wasyl geschwächt und krank. Aber er wurde von der aufnehmenden Familie gesund gepflegt. Anschließend arbeitete er bis 1946 in einer Bäckerei in Bad Pyrmont.
Als 17-Jähriger kam Wasyl Makota ins DP-Lager „Ohio“ nach Burgdorf. Nach bestandener Fahrschulprüfung wurde er als Fahrer einer britischen Firma eingesetzt, die im Raum Burgdorf den Einschlag von Holz sowie Holzverarbeitung und -transport betrieb. Zeitweise war er auch in einer Burgdorfer Bäckerei beschäftigt, deren Namen (bislang) unbekannt ist.
Im Februar 1948 emigrierte Wasyl Makota im Rahmen des britischen Programms „Westward Ho“ nach Großbritannien und arbeitete zwei Jahre lang im englischen Bergbau. Als 22-Jähriger zog es ihn nach Kanada, wo er 1952 heiratete. Zwei Jahre später kam Tochter Daria zur Welt. „Mein Vater hat Glück gehabt. Auf keinen Fall wollte er in die Hände der Roten Armee fallen und repatriiert werden. Und niemals hat er ein böses Wort über seine Zeit in Deutschland und Burgdorf verloren“, erklärte Daria Valkenburg. Wasyl Makota ging 2012 auf Prince-Edward-Island (Kanada) heim.
Daria Valkenburg und ihr Gatte Pieter, ein ehemals im diplomatischen Dienst stehender Holländer, weilten in Burgdorf, um die Spurensuche des Arbeitskreises zur Geschichte der Zwangsarbeit im Kreis Burgdorf des Berliner Historikers Ralf Gräfenstein zu unterstützen und hier persönliche Familienforschung zu betreiben. „Die Stadt hat eine vielschichtige Geschichte und wird sich mit einer schonungslosen Aufarbeitung der Vergangenheit ihrer Verantwortung stellen“, so Christa Weilert-Penk.
Für eventuelle Zeitzeugen ist Peter Pfeiffenbring unter Telefon 05136/857 83 und/oder Email: peter.pfeiffenbring@online.de Ansprechpartner für den Burgdorfer Arbeitskreis. Daria Valkenburg hat auf http://www.dpcamps.org/burgdorf.html eine englischsprachige Webseite für Burgdorf zusammengestellt.