Comedian Heinz Gröning offenbarte sich als Poet im Körper eines Super-Machos

Der unglaubliche Heinz „heinzt“ dem Publikum ein. (Foto: VVV)

Junger VVV lud zu Comedy-Highlight ein / Musikkabarettist Sebastian Krämer kommt am 12. Oktober ins Johnny B.

BURGDORF (r). Erfrischend andersartig – unter diesem Motto steht das Veranstaltungsprogramm, mit dem der junge VVV eine belebende Brise in die Burgdorfer Kulturszene bringen will. Dabei ist der vor zwei Jahren gegründete neue Arbeitskreis des VVV eine Partnerschaft mit der Kulturabteilung der Stadt und dem Team des JohnnyB. eingegangen. In Fortsetzung des bisherigen Programmzyklus ist es gelungen, weitere prominente Vertreter der deutschen Comedy- und Kabarettszene für Auftritte in Burgdorf zu engagieren.
Geballte Manneskraft
Den rundum gelungenen Anfang machte der Comedian „Der Unglaubliche Heinz“, alias Heinz Gröning, der mit seinem Soloprogramm „Manche mögen´s Heinz“ im ausverkauften Theatersaal des JohnnyB. auftrat. Mit herbem Charme und spöttischem Augenzwinkern präsentierte sich der selbst ernannte Frauenschwarm als liebenswert-sympathischer Urviech-Macho mit geballter Manneskraft und als fleischgewordene erotische Phantasie unzähliger Frauenträume. Mit „testosterongesättigtem“ Überschwang pries er seine Fähigkeiten als leistungsfähiger Ekstasehelfer für die ihm in hemmungsloser Leidenschaft verfallenen Frauen an. Hinter allem war ein gehöriger Schuss Selbstironie zu spüren, die der Comedian gleich zu Anfang unter Beweis stellte, als er von einer Szene mit einer Kulturamtsleiterin berichtete: Vor einer Vorstellung hält sie ihn beim Anblick seines Adoniskörpers für einen polnischen Bauarbeiter. Seine schlagfertige Antwort lautet, dass er stattdessen ein vom Stadtmarketing engagierter „kirgisischer Kinderschreck sei“.
Macho mit poetischer Ader
Im Verlauf des Abends gerieten frivole Anzüglichkeiten schnell zur Nebensache. Gröning bewies eine erstaunliche Vielseitigkeit in der Themenwahl seines Programms, in das sich seine zwangslosen Stehgreif-Plaudereien mit dem Publikum mischten. Sogar die Wohnqualität eines in Burgdorf nicht den besten Ruf genießenden Straßenviertels kam dabei ins Gespräch.
Dass unter seiner rauen Schale eine poetische Ader verborgen lag, zeigte der „Unglaubliche Heinz“ immer dann, wenn er seine selbst verfassten Gedichte vortrug oder mit lässigem Hüftschwung tänzelnd zu seiner Gitarre schritt und mit ihr in süffisanter Liedermacherpose scherzhaft-launige Lieder (z.B. über die Andersartigkeit von Mann und Frau und über eine vegetarische Ex-Freundin und andere Katastrophen) zum Besten gab. Sich selbst bezeichnete der Künstler als „sensiblen Poeten, der im Körper eines zu stark behaarten LKW-Fahrers gefangen“ sei.
Alltäglichen Situationen, wie die Konversation mit einer streitlustigen oder sich zu dick findenden Freundin, der Polizei, Kneipen- und Schulhofgesprächen oder dem Arztbesuch mit dem Sohn vermochte er in der lockeren Szenenfolge „Poesie im Alltag“ geistreiche Humorpointen mit garantiertem Überraschungseffekt abzugewinnen.
Versjongleur und Wortartist
Mit ihrer Verbindung aus Sprachspielen und Wortartistik, in die sich bissiger Pointenreichtum zwanglos eingliederte, trafen seine Gedichte und Lieder punktgenau die Lachmuskeln seines begeisterten Publikums, das ihn immer wieder mit witzigen Zurufen anfeuerte. In schnellem Staccatorhythmus vorgetragene lustige Reimfolgen (u.a. auf „i“, „…atte“, „Ellen“ oder „…acken“ und „…ocken“) zeigten ihnen als profilierten Versjongleur.
Erst nach lang anhaltendem Applaus und zwei Zugaben, in denen u.a. eine Fleischereifachverkäuferin ihr Fett weg bekam, entließen die Zuschauer den „Unglaublichen Heinz“ von der Bühne des JohnnyB.
Kabarett-Fans dürfen sich schon auf das nächste Event des jungen VVV im Johnny B. freuen. Am Freitag, 12. Oktober, ist der Musikkabarettist Sebastian Krämer um 20.00 Uhr mit seinem Solo-Programm „Akademie der Sehnsucht“ zu Gast. Eintrittskarten, die VVV-Mitglieder zum ermäßigten Preis erhalten, gibt es bereits bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2, Tel. 05136 – 1862.