Christen erinnern an Kreuzweg Jesu

Das hölzerne Kreuz auf den Schultern geht es durch die Straßen und Gassen von Burgdorf. (Foto: Wolfgang Obst)

Ein außergewöhnlicher Weg durch die Gassen und Straßen von Burgdorf

BURGDORF (r/jk). Seit Jahrhunderten gedenken am Karfreitag Christen dem Leiden und Sterben Jesu. In aller Welt nehmen an diesem Tag Menschen ein hölzernes Kreuz auf ihre Schultern, um somit einen Teil des Leidensweges Jesu zugehen. Auch in Burgdorf nahmen am vergangenen Mittwoch Menschen das Kreuz auf ihre Schultern, um es von St. Pankratius durch die Straßen und Gassen der Stadt zu St. Nikolaus zu tragen.
Es war der erste ökumenische Stadt-Kreuzweg der drei evangelischen Kirchengemeinden – St. Pankratius, St. Paulus und Martin Luther – sowie der katholischen St. Nikolaus-Pfarrgemeinde, der an den Leidensweg Jesu erinnern sollte und der deutlich machen sollte, dass durch das Leiden und Sterben des Sohn Gottes auf Erden die Menschen den Tod nicht zu fürchten haben. Durch ihn ist die Welt erlöst worden. „Vater in Deine Hände lege ich meinen Geist“, unter diesen Worten erinnerte Pastor Dirk Jonas in St. Pankratius, dass es auch heute noch unendlich viel Leid auf dieser Welt gibt. Dieses Leiden spiegelt sich allabendlich in den Nachrichtensendungen erschreckend wieder. Jonas wies in diesem Zusammenhang auch auf den auf einem Pferd sitzenden Soldaten über dem Eingangsportal der Stadtkirche hin. Ein Mahnmal, das an den ersten Weltkrieg erinnert und teilweise bis heute nicht unumstritten ist. Unter Krieg und Gewalt leiden Tag für Tag unzählige Menschen. Als Christen haben wir die Aufgabe, so Jonas, immer wieder deutlich zu machen, dass Krieg und Gewalt kein Mittel der Politik sein kann und schon gar nicht im Namen der Religion als Rechtfertigung dient.
Am Pressehaus Ecke Marktstraße/Poststraße, Sitz der Redaktionen vom Anzeiger für Burgdorf und dem Marktspiegel, klagte Pastor Matthias Paul unter anderem mit dem Hinweis auf die derzeitige Administration in den USA darüber, dass heute Wahrheiten als keine Wahrheiten, als alternative Fakten, verbreitet werden. Das Fakenews, insbesondere im Internet, suggerieren als Wahrheiten anerkannt zu werden. In den neuen Medien, wie Facebook, tagtäglich nachzulesen. Erfundene Massenvernichtungswaffen waren der Anlass, dass 2003 die USA und Großbritannien gegen den Irak in den Krieg zogen. Umso notwendiger ist, dass es eine freie und unabhängige Presse gibt.
Vor dem Rathaus mahnte Pastorin Susanne Paul davor, sich dem Wahlrecht zu verweigern. Demokratie lebt vom Votum der Wähler. „Wir sollten dankbar sein, dass wir in einem Land leben, in dem wir frei und unabhängig mit unseren Stimmen entscheiden können, wen wir in die Parlamente schicken wollen und somit mitbestimmen können. In vielen Teilen der Welt ist dieses nicht möglich.“
An den Überfluss von Lebensmitteln, die alljährlich tonnenweise in Europa vernichtet werden, sprach Angelika Wirz von St. Nikolaus vor dem kirchlichen Benefizz-Laden in der Hannoverschen Neustadt. „Während wir hier in Deutschland uns alles leisten können, weiß ein großer Teil der Menschheit nicht, wie er seinen Hunger stillen soll. Ausgebeutet und durch eine korrupte Politikerklasse fehlt es Millionen am Nötigsten.“ Wirz erwähnte, dass durch die zahlreichen Spenden der Bürgerinnen und Bürger es möglich ist, dass kirchliche und soziale Projekte mit den Einnahmen unterstützt werden können. Ein mit Kreide auf den Fußweg gezeichnetes Kreuz symbolisierte auch an dieser Stelle, dass das Leiden und Sterben vieler nicht sein müsste, wenn sich die Welt einig wäre.
Das Bildung in Deutschland davon abhängig ist, welchen sozialen Status Eltern haben, ist etwas Einmaliges in Europa, so Susanne Paul von Martin Luther auf dem Schulhof der Grundschule an der Hannoverschen Neustadt bzw. der Gartenstraße. Eine Hauptschule, die zur Restschule verkommen ist und Jungen und Mädchen immer noch stigmatisiert, macht deutlich, dass es in Deutschland am Bildungsstand junger Menschen noch viel zu tun gibt. Auch alte Menschen, so Dirk Jonas vor dem Seniorenheim an der Schmiedestraße, gehören zur Stadtgesellschaft. Ohne sie gäbe es die jüngeren nicht. Eine nicht immer angemessene Pflege haben viele Heime in Misskredit gebracht. Der Kostendruck, der überbordende bürokratische Anteil haben wesentlich dazu beigetragen. „Als Christen ist es daher unsere Pflicht immer und immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass auch ältere Menschen in unsere Mitte gehören und nicht ausgegrenzt oder an den Rand der Rand der Gesellschaft geschoben werden.“
Mit einem abschließenden Gebet und der Aufrichtung des durch die Stadt getragenen Kreuzes in der St. Nikolaus-Pfarrkirche Im Langen Mühlenfeld fand der von gut 40 teilnehmenden Christen und musikalisch begleitet durch dem Posaunenchors von St. Pankratius erste gemeinsame Stadt-Kreuzweg seinen Abschluss.