„Burgdorfer Köpfe“ in der KulturWerkStadt eröffnet

Blumen für den „Burgdorfer Kopf“ Pastor i.R. Rudolf Bembenneck von Christel Hoffmann-Pilgrim und Bürgermeister Alfred Baxmann (v.l.) für dessen Einführungsvortrag zu „Burgdorfer Köpfe“ in der KulturWerkStadt. (Foto: Georg Bosse)

Beeindruckende Biografien von Burgdorfer Persönlichkeiten werden vorsgestellt

BURGDORF (gb). Den Besuchern der Eröffnung zur KulturWerkStadt-Ausstellung „Burgdorfer Köpfe“ wurde am vergangenen Samstag Karl Heinrich Ulrichs (1825-1895) als „Der erste Schwule der Weltgeschichte“ von Pastor i.R. Rudolf Bembenneck ausführlich vorgestellt. Neben Ulrichs können die beeindruckenden Biografien von weiteren zehn Burgdorfer Persönlichkeiten, darunter unter anderen von Carl von Brandis (1827-1902), dem „Gründer von Johannesburg (Südafrika), Carl Sannemann (1855-1913), Fritz Rode (1925-1998) und Gertrud Mrowka (1937-2010), noch bis Sonntag, 28. Juni, in Bild und Wort nachvollzogen werden.
Dass Karl Heinrich Ulrichs bei dieser stadthistorischen Präsentation zu den „Burgdorfer Köpfen“ gezählt wird, ist dem Umstand zu verdanken, dass der nahe Aurich als Sohn eines Landbauverwalters geborene und spätere Jurist, Journalist, Verleger und Pionier der Sexualwissenschaft als Kind und auch später in Burgdorf lebte und hier konfirmiert wurde. Von hier aus besuchte er von 1842 bis 1844 das humanistische Gymnasium in Celle und begann anschließend in Göttingen Jura, die klassischen alten Sprachen sowie Archäologie und die Geschichte der neueren deutschen Literatur zu studieren. „In Göttingen wurde ihm endgültig bewusst, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt“, so Bembenneck. Karl Heinrich Ulrichs war überzeugter Hannoveraner und Welfenfreund und wurde wegen seiner kämpferischen Heimattreue zweimal in seiner Burgdorfer Wohnung in der Hannoverschen Neustadt 15 verhaftet. Ab 1860 schrieb Ulrichs Artikel für die Cottasche Verlagshandlung in Tübingen. Er war Berichterstatter für die Allgemeine Zeitung in Augsburg, die bis 1868 als wichtigste und einflussreichste deutsche Zeitung des 19. Jahrhunderts galt. Seine Schriften zum Thema „gleichgeschlechtliche Liebe“ veröffentlichte Ulrichs anfangs anonym. Er ist überzeugt, dass homosexuelle Prägung angeboren und deshalb natürlich ist: „Jedes Individuum muss seiner Natur folgen und sollte entsprechend beurteilt werden. Eine naturwidrige Liebe gibt es nicht. Wo wirkliche Liebe ist, da ist auch Natur. Deswegen hat diese Liebe ebenso wenig Verfolgung verdient, als die Liebe zu Weibern.“
Das Jahr 1867 gilt als Geburtsstunde der Homosexuellenbewegung. Auf dem Deutschen Juristentag in München bekannte er sich zu seiner sexuellen Prägung und trat forthin offen für die Rechte von Homosexuellen ein – nicht nur damals ein unerhörter Vorgang. Dafür wurde Karl Heinrich Ulrichs von Sexualforscher Volkmar Sigusch (*1940) als „Der erste Schwule der Weltgeschichte“ bezeichnet.
Mit Benennungen von Straßen und Plätzen in Aurich, Bremen und Göttingen, in Hannover. Hildesheim und L`Aquila sind Ulrichs zahlreiche Ehrungen zuteil geworden. In der Kleinstadt in den italienischen Abruzzen, rund 120 Kilometer nordöstlich von Rom, steht sein Grabstein.