Burgdorf stand einst im Blickfeld der europäischen Politik

Sophie Dorothea von Celle. (Foto: VVV)

VVV präsentiert Broschüre „Als die Diplomaten in Burgdorf tagten“

BURGDORF (r/jk). Im Rahmen des Themenjahrs 2012 „Burgdorf international“ präsentiert der VVV in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Stadtmuseum und Stadtmarketing Burgdorf die Broschüre „Als die Diplomaten in Burgdorf tagten – Das Schloss an der Aue im Zentrum bedeutender Ereignisse“. Verfasser ist der Freizeithistoriker und Hobbyfotograf Dieter Heun. Die limitierte Auflage ist bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Str. 2, und im Stadtmuseum zum Preis von 4 Euro (VVV-Mitglieder: 3 Euro) erhältlich.
Dieter Heun hat bereits mehrere stadtgeschichtliche Publikationen veröffentlicht, die auf ein reges Interesse gestoßen sind und manche Lücke in der Dokumentation der Burgdorfer Vergangenheit geschlossen haben. In seinem aktuellen Werk beleuchtet er ein bedeutsames, bisher aber nicht systematisch und umfassend untersuchtes Kapitel der Burgdorfer Stadtgeschichte.
Nach dem Wechsel des „Heideherzogs“ Georg Wilhelm von Hannover nach Celle im Jahre 1665 trafen in den folgenden Jahrzehnten hochrangige Vertreter der Welfenherzöge bei 145 Anlässen im neu erbauten Burgdorfer Schloss zu Hauskonferenzen zusammen, um die Politik der drei welfischen Fürstentümer in allen Bereichen der inneren und äußeren Angelegenheiten zu besprechen und abzustimmen.
In Heuns Schilderung der zeitgeschichtlichen Hintergründe wird deutlich, dass Burgdorf in den Tagen der Hauskonferenzen auch im Blickpunkt der europäischen Diplomatenszene stand. Dies fand seinen Niederschlag in zahlreichen Berichten ausländischer Botschafter über die in Burgdorf geführten Verhandlungen an die Regierungen in Den Haag, Kopenhagen, London, Paris, Stockholm und Wien.
Die 43-seitige, farbige Broschüre widmet sich darüber hinaus der Rolle Burgdorfs bei zwei konfliktträchtigen Anlässen, die das Verhältnis der Welfenherzöge zueinander auf eine schwere Belastungsprobe stellten: die Scheidung von Georg Ludwig von Hannover und Sophie Dorothea von Celle (der „Prinzessin von Ahlden“) im Jahr 1694 und die anhaltenden Anfeindungen des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel, der die Verleihung der Kurfürstenwürde an seinen Vetter Ernst August von Hannover nicht verwinden konnte und schließlich mit Waffengewalt zur Ordnung gerufen werden musste.
Zum Abschluss seiner Darstellung rückt Heun die gelegentlich unrichtig dargestellten Umstände der vermeintlichen Teilnahme des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz an einer Hauskonferenz der Welfen in Burgdorf am 20. und 21. April 1702 in das rechte Licht.