Bundestagsabgeordneter war „Tagespraktikant“ bei Bertram

Dr. Hendrik Hoppenstedt (links) schaut Pflegedienstleitung Janine Schibgilla (2.v.r.) und Residenzleiterin Bettina Bertram (rechts) über die Schulter. (Foto: Dana Noll)

Dr. Hendrik Hoppenstedt besuchte Seniorenresidenz Bertram

DACHTMISSEN (dno). Im Rahmen der Aktion „Praxis für Politik“ des Bundesverbandes der Dienstleistungswirtschaft (BDWi) besuchte Bundestagsabgeordneter Dr. Hendrik Hoppenstedt die Seniorenresidenz Bertram in Burgdorf. Hier schaute er Pflegedienstleitung Janine Schibgilla über die Schulter und suchte das Gespräch mit der Leiterin der Residenz Bettina Bertram.
„Ich möchte das Berufsbild näher kennenlernen. Es ist für meine Arbeit wichtig, wie unsere Gesetzgebungsvorhaben in der Praxis ankommen und wie sie umsetzbar sind“, so Dr. Hoppenstedt. Für einen Tag bekam er die Möglichkeit, in einem Berufszweig seiner Wahl zu hospitieren. Ohne Zögern entschied er sich für eine Altenpflegeeinrichtung, da er es „schätzt, wie viel Kontakt zu Menschen der Beruf Pfleger mit sich bringt und trotzdem stark unterschätzt wird.“
Seit 25 Jahren betreut und pflegt das Team um Bettina Bertram in einem ehemaligen, schönen Bauernhaus überwiegend demente Personen. Gemäß dem Leitbild „Dem Menschen in seiner Einzigartigkeit sehen“, leben derzeit 62 Senioren/innen in der Residenz, um die sich 52 Betreuer im Bereich Pflege, Küche, Verwaltung und Ergotherapie kümmern. Auch in den Bereich Ausbildung wird hier personell investiert.
„Die Ausbildung zum Altenpfleger verläuft oft nicht so, wie wir uns das vorstellen. Die Folge ist Fachkräftemangel“, so Bertram. Nicht das einzige Thema, worin sich offenbar Politik und Praxis nicht ganz einig sind. „Pflege wird oft stiefmütterlich behandelt, dennoch brauchen wir im Rahmen des demographischen Wandels, Gesetze und Lösungen, die das ändern“, so Dr. Hoppenstedt. „Wir können gar nicht so arbeiten, wie wir es am liebsten möchten. Die Pflegesätze sind unten – denn Pflege kostet viel Geld.“ fügte Bettina Bertram hinzu.
Das 2. Pflegestärkungsgesetz könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein. Kernstück ist die Einführung eines gesetzlich verbindlichen Pflegebedürftigkeitsbegriffs zum 1.1. 2017. Damit soll die bisherige Benachteiligung von Personen mit kognitiven Einschränkungen wie auch häufig bei Demenz, beseitigt werden. Aus den bisherigen drei Pflegestufen werden dann fünf Pflegegrade! Bei der Umstellung auf das neue System wird es keine Benachteiligung der bisherigen 2,8 Millionen Pflegebedürftigen geben. Zur Finanzierung soll der Beitrag zur Pflegeversicherung ab 2017 minimal steigen.
Auch soll der Pflegeapparat deutlich „entbürokratisiert“ werden. Ein Aspekt, den nicht nur Bettina Bertram herbei sehnt: „Es heißt immer verhandeln. Doch es kann nicht sein, dass man wegen Centbeträgen ein Dutzend Formulare ausfüllen muss!“