Bürgermeister Alfred Baxmann empfing Janne Anderson

Rudolf Bembenneck (Mi.) mit Janne Anderson und seiner Lebensgefährtin Annkristin (v.r.) im Amtssitz „Alte Landratsvilla“ (Rathaus II) von Bürgermeister Baxmann. (Foto: Georg Bosse)

Ein Schwede auf den Spuren seiner polnischen Mutter in Deutschland

BURGDORF (gb). Vor wenigen Tagen waren Janne Anderson und seine Lebensgefährtin Annkristin zu Gast bei Bürgermeister Alfred Baxmann. Das schwedische Paar hatte die Spurensuche nach Jannes Mutter nach Burgdorf gebracht. Seine Mutter war Genowefa (Eugenia) Marzuchoswka (Weber), eine junge Polin, die vermutlich Anfang 1940, der Armut in ihrer Heimat entfliehend, freiwillig nach Deutschland reiste, um in einer Schuhfabrik zu arbeiten.
Als Zwangsarbeiterin in der Burgdorfer Konservenfabrik lernte sie Wladyslaw Romian kennen, der ihre wohl enge Beziehung mit einem Siegelring bekräftigte. Im Mai 1944 wurden beide von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet, weil sie versucht hatten, Brot mit gefälschten Brotmarken zu kaufen. Während Genowefa nach Celle/Lüneburg geschickt wurde, wurde ihr Freund Wladyslaw angeblich erschossen.
Ihre weiteren Stationen waren das Frauen-Konzentrationslager (KZ) Ravensbrück, das KZ Neuengamme und wieder Ravensbrück. Nach der Befreiung im April 1945 kam Genowefa Marzuchoswka mit den „Vita Bussarna“ (Weißen Bussen) nach Schweden. Sie arbeitete in einem Krankenhaus und anschließend in einer Hotelküche in Göteborg. 1947 heiratete Genowefa den Vater von Janne.
„Während meiner gesamten Kindheit hörte ich sie selten von ihren Erlebnissen berichten. Wenige Male erzählte sie flüchtig von furchtbaren Sachen, die (ihr) geschehen waren. Meine Mutter war eine sehr starke Frau und schaffte es 86 Jahre alt zu werden, bevor sie an Krebs starb. Ich und meine Schwester hielten ihre Hand, als sie auf die andere Seite hinüberging“, heißt es in einem Brief von Janne Anderson an Pastor i.R. Rudolf Bembenneck, der ihn auf den Spuren der Mutter in Burgdorf begleitete.
Der bereits erwähnte Siegelring mit den Initialen „WR“ wird unter den Effekten beim Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen (Hessen) aufbewahrt. Nach einem Besuch im KZ Neuengamme hoffte Janne Anderson, den Siegelring als wichtiges Erinnerungsstück an die bewegte Familiengeschichte ausgehändigt zu bekommen. „Das wird klappen“, sagte Rudolf Bembenneck.
Die Burgdorfer Geschichtskreis um Rudolf Bembenneck hat inzwischen herausgefunden, dass Wladyslaw Romian überlebt, später in Szczecin (Stettin) gelebt hat und dort 1997 beerdigt wurde.