Bürger leiden unter Bahnlärm

Vor allem von den Güterzügen fühlen sich viele Burgdorfer gestört.
 
Die Burgdorfer sind im Vergleich besonders stark von Bahnlärm betroffen, so das Ergebnis eines Lärmgutachtens des Eisenbahn-Bundesamtes.

Lärmaktionsplan fasst Messwerte und Umfrageergebnisse zusammen

BURGDORF (fh). Vor allem in der Nacht sind die Burgdorfer dem Lärm von Güterzügen ausgesetzt, und zwar deutlich mehr als die Bürger anderer Kommunen. Zu diesem Ergebnis kommt der Lärmaktionsplan Teil A, den das Eisenbahn-Bundesamt im Januar veröffentlicht hat. Die Behörde hat für Burgdorf eine nächtliche Lärmkennziffer von 75.697 ermittelt. Zum Vergleich: In Städten mit ähnlicher Einwohnerzahl ist dieser Wert durchschnittlich nur etwa halb so hoch (37.173). Die Lärmkennziffer ergibt sich daraus, welche Lautstärken gemessen wurden und wie viele Bürger davon jeweils betroffen sind.
Diese Messwerte hat das Eisenbahn-Bundesamt im vergangenen Herbst durch eine Bürgerbeteiligung ergänzt. 273 Burgdorfer haben daran teilgenommen. Ihre Antworten spiegeln einen Leidensdruck wider. So haben 217 Befragte angegeben, dass sie sich stark von dem Schienenverkehrslärm gestört fühlen und zwar vornehmlich von den Güterzügen. Den meisten machen vor allem die Fahr- und Bremsgeräusche zu Schaffen, einigen zusätzlich das Quietschen in den Kruven. 237 Befragte fühlen sich dadurch beim Ein- oder Durchschlafen beeinträchtigt.
Dabei darf allerdings nicht aus dem Blick geraten, dass weniger als ein Prozent der Burgdorfer Einwohner an der Befragung teilgenommen haben. Da sie nicht nicht zufällig ausgewählt wurden, sondern sich jeder freiwillig daran beteiligen konnte, sind die Ergebnisse nicht repräsentativ. Es ist vielmehr anzunehmen, dass den Fragebogen gerade diejenigen Bürger ausgefüllt haben, die besonders unter dem Lärm leiden. Trotzdem liefert die Befragung Anhaltspunkte dafür, dass das Thema Bahnlärm viele Burgdorfer umtreibt. „Gemessen an der Einwohnerzahl war die Beteiligung in Burgdorf überdurchschnittlich hoch“, betont Stadtplaner Jan-Hinrich Brinkmann. Das zeigt auch ein Blick in die Tabelle: Es gibt nur wenige Städte mit deutlich höheren Teilnehmerzahlen, selbst in Berlin waren es nur rund 300.
Von den Gegenmaßnahmen, die das Eisenbahn-Bundesamt vorschlägt, zeigt sich die Stadt Burgdorf enttäuscht. „Hier werden aber lediglich größtenteils bekannte Instrumente aufgeführt“, schreibt Brinkmann in einer Mitteilung, die er auch im Verkehrsausschuss sowie in den Ortsräten in Otze und Ramlingen-Ehlershausen vorgestellt hat. Kritisch sieht er vor allem den Vorschlag, dass Kommunen bei neuen Baugebieten einen größeren Abstand zu den Schienen einhalten sollten. Das widerspreche dem Ziel, „im zentralen Stadtgebiet und insbesondere in räumlicher Nähe zum S-Bahnhof Möglichkeiten für Wohnbebauung zu eröffnen“, heißt es dazu in der Drucksache. Stattdessen will die Stadt die Bedingungen zum Lärmschutz durchsetzen, die im Dialogforum Schiene Nord formuliert wurden. Eventuell könne Burgdorf auch noch einmal in das Lärmsanierungsprogramm des Bundes aufgenommen werden, obwohl es bereits im Jahr 2007 einmal durchgeführt wurde.
Noch bis zum 7. März können Bürger in der zweiten Phase der Öffentlichkeitsbeteiligung einbringen. Anders als bei der Befragung im Herbst geht es nun nicht mehr um die Lärmbelastung. Stattdessen können Bürger den bisherigen Ablauf bewerten und eine Rückmeldung zu den Maßnahmen geben, die im Lärmaktionsplan vorgeschlagen werden.

Lärmbelastung im Detail

Für rund 9000 Burgdorfer liegt der Bahnlärm nachts über 49 bis 50 db(A). Das ist der Grenzwert der Verkehrslärmschutzverordnung. Rund 800 Bürger haben sogar Lautstärken jenseits von 60 db(A) zu verkraften, was der anerkannten Grenze für Gesundheitsgefährdung entspricht. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.laermaktionsplanung-schiene.de. Der vollständige Lärmaktionsplan und der Anhang mit den Tabellen ist am schnellsten zu finden unter www.eba.bund.de/lap.