Ausstellung „Frauenleben in Burgdorf - eine Zeitreise“ wird eröffnet

Frauen leisten bereits seit Jahrzehnten ihren Beitrag in der Freiwilligen Feuerwehr. (Foto: VVV)

Erinnerungen an den gesellschaftlichen und beruflichen Beitrag von Frauen

BURGDORF (r/jk). Stadtgeschichte aus weiblicher Perspektive steht im Mittelpunkt der neuen Ausstellung „Frauenleben in Burgdorf – eine Zeitreise“, die der VVV und die Stadt Burgdorf vom 26. November 2011 bis zum 29. Januar 2012 im Stadtmuseum (Schmiedestraße 6) zeigen. Die sozialgeschichtliche Schau erinnert mit zahlreichen Dokumenten und Kurzportraits an den gesellschaftlichen und beruflichen Beitrag, den Frauen in der Stadt Burgdorf seit 100 Jahren leisten. Das Ausstellungsteam umfasst Christel Hoffmann-Pilgrim, Heidrun Rickert, Karin Sander, Heidi Rust, Holger Schöne, Brigitte Janssen und Elke Baxmann. Wertvolle Unterstützung kommt von den Stadtwerken Burgdorf. Die Eröffnungsveranstaltung ist am Freitag, 25. November, um 19.00 Uhr. Nach einer Einführung von Christel Hoffmann-Pilgrim ist die Theaterszene „100 Jahre Frauenbewegung in 20 Minuten“ zu sehen. Abschließend folgen Grußworte der stellvertretenden Bürgermeisterin Christa Weilert-Penk.
Die Ausstellung zeigt die facettenreiche Vielschichtigkeit des Burgdorfer Frauenlebens in den letzten hundert Jahren auf. Lange Zeit fand das Wirken der Frauen nur eine sehr eingeschränkte gesellschaftliche Anerkennung. In den städtischen Chroniken wurde es kaum gewürdigt. Verantwortlich dafür war ein über Jahrhunderte tradiertes Frauenbild, das sich auf ihre Rolle als fürsorgliche Hausfrau und Mutter beschränkte und ihnen das allen Männern gewährte Recht auf individuelle Selbstverwirklichung im Berufs- und Geistesleben verwehrte.
Ein Bereich der Ausstellung stellt die eng begrenzten, gesellschaftlich akzeptierten Ausnahmen von dieser Rollenbestimmung vor. Frauen aus dem Arbeitermilieu, die zum Unterhalt der Familie beitragen mussten, konnten sich als Hilfskräfte in Haus und Hof, in Geschäften und in verschiedenen Fabriken „in Stellung“ begeben. Stellenanzeigen aus der Zeit von 1920er bis 1950er Jahren demonstrieren anschaulich, welche Beschäftigungsgelegenheiten den Burgdorferinnen offenstanden. Spezielle Burgdorfer Frauenarbeitsplätze entstanden nach 1900 in der Konservenfabrik, Mantelfabrik, Matratzenfabrik und in der auch heute noch vorwiegend Frauen beschäftigenden Keksfabrik Parlasca und der Burgdorfer Silberwarenfabrik. Den Frauen des Bürgertums blieb lange nur die Möglichkeit zum Beispiel als Lehrerin, Krankenschwester oder Kindergärtnerin zu arbeiten. Vielfach engagierten sie sich ehrenamtlich in sozialen Organisationen wie dem Vaterländischen Frauenverein (1904 bis 1937, danach DRK) und in den Burgdorfer Kirchengemeinden. Sport- und Schützenvereine sowie die Feuerwehr boten später weitere Entfaltungsmöglichkeiten.
Ein besonderer Abschnitt der sozialgeschichtlichen Schau stellt bedeutende Bürgerinnen vor, denen es in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg gelang, die weiterhin männlich dominierte Gesellschaftstruktur erfolgreich zu durchbrechen und als jeweils erste Frau verantwortungsvolle gesellschaftliche Positionen in der Stadt zu übernehmen. Sie leiteten damit eine bahnbrechende Entwicklung für die Zukunft ein. Dazu gehörten die ersten Frauen im Stadtrat, in leitenden Positionen der Stadtverwaltung und die ersten Burgdorfer Unternehmerinnen, die nach 1945 einen eigenen Betrieb in der Stadt gründeten und diesen persönlich leiteten. So eröffnete Frieda Virkus 1948 ein Fachgeschäft für Augenoptik in der Marktstraße, das heute in der 3. Generation von ihrer Enkelin Silke geführt wird. Weitere Geschäftsfrauen folgten in den 1950er Jahren bis heute ihrem Beispiel und bewährten sich in früher nur von Männern ausgeübten Berufszweigen.
Die in der Ausstellung zu sehenden Werbeanzeigen für Burgdorfer Frauen aus den 1930er bis 1950er Jahren belegen, dass weiterhin ein Frauenbild existierte, das die totale Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau bis in die 1970er Jahre noch in weite Ferne rückte. Auch die durch die Kriegsabwesenheit der Männer bedingte, zeitweise Übernahme männlicher Berufsdomänen durch die Frauen (z.B. in der Feuerwehr) ändert daran wenig.
Kurzinterviews mit Burgdorfer Frauen unterschiedlicher Generationen, die über ihre Lebenserfahrungen berichten, und eine von der Gleichstellungsbeauftragten und Burgdorfer Frauenorganisationen zusammengestellte Präsentation runden das Ausstellungsspektrum ab.
Im Rahmen der Schau gibt es ein umfangreiches Beiprogramm, das neben mehreren Führungen Kurzausstellungen im Aktionsraum des Stadtmuseums umfasst. Burgdorfer Künstlerinnen stellen hier ihre Werke vor. Eine Gesprächsrunde mit weiblichen Zeitzeugen befasst sich am Sonntag, 29. Januar, um 14.30 Uhr mit der Frage „Wie war es damals- Wie ist es heute?- Erzählt doch einmal“. Besondere Höhepunkte sind eine Veranstaltung der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Burgdorf und eine Lesung der Krimiautorin Cornelia Kuhnert, die am Mittwoch, 7. Dezember 2011, um 19.30 Uhr in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Wegener stattfindet.
Die Ausstellung ist sonnabends und sonntags von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Für Besuchergruppen bietet der VVV Sonderführungen auch innerhalb der Woche an. Eine vorherige Absprache mit Geschäftsführer Gerhard Bleich (Tel. 05136 – 1862) ist notwendig.