Am Anfang war ein Knall

Von einer illustren Veranstaltung für Adlige sind Feuerwerke zum Massenspektakel geworden. An Silvester kann sogar jeder einzelne seine eigenen Raketen zünden. (Foto: Archiv/Walter Klinger)

Eine kleine Geschichte des Feuerwerks - vom chinesischen Mönch bis zum modernen Pyrotechniker

ALTKREIS (r/fh). Laute Knaller, bunte Raketen und schrille Heuler – Feuerwerk ist für viele Kinder und Erwachsene an Silvester nicht wegzudenken. Ihren Siegeszug trat die Pyrotechnik vor knapp 1400 Jahren in China an. Dort kennt jedes Kind die Geschichte des Mönches Li Tian. Seine Erfindung war eine einfache Konstruktion: ein Bambusrohr, gefüllt mit Salpeter, Holzkohle und Schwefel.
Mit diesem sogenannten Bahzou versuchte man zu Zeiten der Tang-Dynastie böse Geister und Dämonen zu vertreiben. Seine Detonation vor knapp 1400 Jahren ließ bald ein ganz neues Gewerbe entstehen, die Pyrotechnik. Am Anfang standen also nicht das Licht und die möglichen Farbvariationen des Feuerwerks im Vordergrund, vielmehr zeichneten sich die frühzeitlichen pyrotechnischen Produkte durch laute Knalleffekte aus.
Vom fernöstlichen Volksglauben fand das Feuerwerk bald Eingang in die höfische Kultur der westlichen Welt. Im 14. Jahrhundert entwickelte sich in Italien eine eigenständige Feuerwerkskunst, die sich von hier aus in ganz Europa verbreitete. 1506 zündete Kaiser Maximilian I. anlässlich des Reichstags zu Konstanz das erste Feuerwerk in Deutschland, stilecht über dem Bodensee.
Spätestens im Barock hatte sich die Feuerwerkskunst als wichtiges Statussymbol für Könige und Fürsten etabliert. Die Feuerwerksmusik, ein vom englischen König bestelltes und anno 1748 von Georg Friedrich Händel verfasstes Werk, wurde am 27. April 1749 uraufgeführt – natürlich bei einem Feuerwerk. Ob in Versailles, Wien oder in London – wer als Monarch etwas auf sich hielt, inszenierte sich in so genannten Raketenbildern.

Weltweite Begeisterung

Von einem illustren Ereignis für den Adel hat sich das Feuerwerk mittlerweile demokratisiert. Festivals und Wettbewerbe sind beliebte Massenveranstaltungen, so auch jährlich der Internationale Feuerwerkswettbewerb in den Herrenhäuser Gärten. Und an Silvester darf sogar jeder einzelne sein eigenes Feuerwerk zünden – und zwischendurch nach links und rechts schauen und staunen, um auch das bunte Spektakel der näheren und entfernteren Nachbarn zu bewundern.
Das Batterie- oder Verbundfeuerwerk ermöglicht durch die Kombination verschiedener pyrotechnischer Produkte eine Vielfalt an Farb- und Effektvariationen, die sonst professionellen Feuerwerken vorbehalten bleibt. Dabei muss nur einmal die Zündschnur angezündet werden, und eine ganze Batterie von Feuerwerkseffekten wird nacheinander selbsttätig im Sekundentakt in die Silvesternacht geschossen. Es sei technologisch auf dem neusten Stand, zuverlässig und leicht zu handhaben, so der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI).
Am Firmament entstehen vergängliche Bilder. Die Faszination des Schauspiels aus Licht wird durch die feurige Dramaturgie hervorgerufen, durch das Zusammenspiel von Akustik und Optik, das Knallen und Zischen, Heulen, Pfeifen und Trillern in harmonischer Verschmelzung mit Kaskaden buntfeuriger Sterne und Bouquets, Blitze, Fächer und zuckende Leuchtschlangen.