Als Puppen unzertrennliche Gefährten der Kinder waren

Die Ausstellung zeigt die Gestaltungsvielfalt bei der Entwicklung neuer Puppenmodelle. (Foto: VVV)

Neue Ausstellung „Spielzeug aus dem 20. Jahrhundert“

BURGDORF (r/jk). Zahllose Puppenaugen richteten ihren prüfenden Blick auf die Besucher der Eröffnungsveranstaltung zur neuen Ausstellung „Spielzeug im 20. Jahrhundert“. Die Puppen, zu denen sich Spielzeugteile unterschiedlichster Variationen gesellen, bevölkern bis zum 22. Juni die KulturWerkStadt (Poststraße 2). Sie lassen eine Zeit wiederaufleben, als der Umgang mit Puppen und anderem Spielzeug den noch computer- und fernsehfreien Spielalltag der heranwachsenden Kinder prägte.
„Puppenmutter“ Karin Förster aus Hannover, eine seit Jahrzehnten aktive Sammlerin, hat aus der Schatzkammer ihres umfangreichen Fundus die interessantesten Exemplare aus der Zeit nach 1900 für die vom VVV, Förderverein Stadtmuseum und Stadt organisierte Schau zusammengestellt. Alle Puppen sind dank Karin Försters sorgfältiger Aufbereitungsmaßnahmen in tadellosem Zustand erhalten und dürften ihr „Überleben“ ihren langjährigen Streifzügen über Floh- und Antikmärkte zu verdanken haben.
Nach der offiziellen Eröffnung durch Christel Hoffmann-Pilgrim (VVV) hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, im Gespräch mit Karin Förster Hintergrundgeschichten zu ihren Exponaten in Erfahrung zu bringen. Die Ausstellung zeigt die Gestaltungsvielfalt, die die Herstellerfirmen bei der Entwicklung neuer Puppenmodelle und Spielzeugformate an den Tag legten. Nahezu alle namhaften Vertreter der Puppenanfertigung sind mit einigen ihrer Prachtstücke vertreten, darunter so illustre Namen wie Steiff (seit 1880), Schildkröt (seit 1896), Käthe Kruse (seit 1912) und Max Carl (seit 1924). Kurios ist die Geschichte der „Ari“-Puppen, deren Herstellerfirma sich nach der deutschen Teilung in einen DDR-Zweig („Ari“) und einen bundesdeutschen Zweig („Edi“) aufteilte. Besonderen Eindruck machten die mit sicherem Blick entworfenen, liebevoll arrangierten Szenen aus der Puppen- und Spielzeugwelt, die sich u.a. im Kaufladen, auf einer Hochzeit, mit Tieren, an einem Umzugswagen, in ländlichem Umfeld oder in einem Holzbadezimmer der ehemaligen DDR abspielen.
Diverse Schautafeln reichern das Ausstellungsgeschehen an und blicken auf die Geschichte des Spielzeugs sowie auf seine ehemals erzieherische Funktion zurück. Dabei erfahren die Besucher, dass die handgefertigten Puppen bis zur Etablierung einer auf Massenanfertigung ausgerichteten Spielzeugindustrie ein Luxusgut darstellten, in dessen Genuss in der Regel nur die Kinder aus gehobenen Gesellschaftsschichten kamen. Dies bestätigte auch Besucherin Heidi Parow (Jahrgang 1942): „Für unsere Familie waren Puppen kaum erschwinglich, so dass nur meine Schwester eine besaß. Für sie war es ein Drama, als ich ihrer Lieblingspuppe einen Zeh abbrach.“
„Natürlich mussten wir in den Nachkriegsjahren in erster Linie ums Überleben kämpfen und hatten kaum Gelegenheit, uns um Spielzeug Gedanken zu machen“, ergänzt Parow, die die Schau „als sehr gelungen“ bezeichnete und mit ihrer Freundin Gertrud Rohrberg aus Lehrte die Ausstellungseröffnung besuchte.
Die KulturWerkStadt ist sonnabends und sonntags von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet. Dies gilt auch für den Ostersonntag und Ostermontag. Am Sonnabend bleibt die KulturWerkStadt geschlossen. Führungen durch die Spielzeugausstellung können nach Absprache mit VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich auch innerhalb der Woche stattfinden.