Alles eine Frage des richtigen Feelings

Nehmen ihr Motto ernst – Keep Swinging, Andy Cooper (ganz links) und Band. (Foto: Svenja Steinseifer)

„Stars des britischen Jazz“ swingen das voll besetzte Black Horse

BURGDORF (svs). Kenny Ball, Chris Barber und Acker Bilk – das sind sie, die drei großen „B´s“. In den 50iger und 60iger Jahren Herrscher über die Jazz-Szene. Mit Energie, Witz und vor allem einer Menge Musik im Gepäck holten die „Stars des britischen Jazz“ puren Swing ins Black Horse, der niemanden kalt ließ.
„Ich werde Euch jetzt was husten, auf Englisch“, mit dieser „Drohung“ haben die „Stars des britischen Jazz“ das Publikum im Jazzclub Black Horse am vergangenen Sonnabend sofort auf ihrer Seite. Schmalzbrot gibt es diesmal nicht, denn Paul Rhode, 1. Vorsitzender der Jazzfreunde Alkreis Burgdorf, hat mit weniger Jazzfreunden gerechnet. Jetzt ist „die Bude voll“ und ohnehin dauert es nur zwei Songs, bis die Stimmung steigt. Denn vor allem „Husten“ die Jungs ihren Fans feinsten „Revival New Orleans Jazz“ mit Klarinette, Bass, Stimme & Co.
„Die Jungs sind eine absolute Bombe, eine Ausnahmeband“, schwärmt Paul Rhode. „British Traditional“ bieten die Weltklasse-Musiker Colin Wood (Piano), John Benson (Double Bass/Vocals), Richie Burns (Drums), Graham Woodhouse (Trombone/Vocals), Simon Nelson (Cornet/Vocals) und Andy Cooper (Clarinet/Vocals). Der Name mag täuschen – „British Traditional“ steht für den in den 50iger und 60iger Jahren populär gewordenen „Revival New Orleans Jazz” und damit für Energie und Kreativität.
„Die Jungs lachen die ganze Zeit, machen Blödsinn – es ist toll!“, betont Rohde. Eine witzig-kreative Ader mit durchaus ernst gemeintem Hintergrund bewies Andy Cooper schon 1968 mit seinem Affen-Song in Disneys Dschungelbuch. Heute swingt er das Black Horse. „Andy Cooper ist am Donnerstag 70 Jahre alt geworden“, weiß Jazz-Fan Rohde, der für seine Faszination am Jazz eine einfache Erklärung parat hat: „Man muss es einfach fühlen!“ Gleichzeitig warnt er davor, Jazz mit Blues zu verwechseln. „Blues geht mehr in Richtung Boogie - Jazz ist Swing“, erklärt er.
„Versuchte man eine aktuelle Bestandsaufnahme der wichtigsten Entwicklungsstränge in den letzten fünf, zehn Jahren, so böte sich der Vergleich des Jazz mit einem späten Liebhaber an, der sich nach einer wilden Sturm-und-Drang-Zeit sowie einer ausgiebigen Phase der Selbstvergewisserung nun mithilfe einiger mehr oder weniger zaghafter Flirts neu zu orientieren versucht.“ Dieses Resümee des Kritikers Robert Fischer über Jazz drückt kompliziert das aus, was für Paul Rhode ganz einfach ist: Feeling.
Und das stimmt vom ersten Moment an. Mit Witz und Humor und vor allem musikalischem Können spielen sich Andy Cooper & Co durch den Jazz des „British Traditional“. Rohde freut sich vor allem darüber, dass auch jüngere Leute den Weg in den Jazz-Club gefunden haben. „Mir ist wichtig, neue Leute für die Musik zu erschließen“, sagt er und räumt ein: „Es ist abzusehen, dass Jazz eine Musik ist, die es vielleicht bald nicht mehr gibt!“
Das amerikanische Pendant zur klassischen Europäischen Musik zu erhalten, haben sich Andy Cooper und Band zur Aufgabe gemacht. Und der Jazz-Funke springt im Black Horse schnell über. Es ist eine Frage des Feelings. „Andy Cooper und Colin Wood werden Sonntag schon wieder im Flieger nach London sitzen“, sagt Paul Rohde. Dort warten 1800 Jazz-hungrige Fans auf die drei großen „B´s“. Und auf den Funken.