Ärzte fordern größere Mindestabstände bei Windenergieanlagen

Großes Interesse: Die FDP Burgdorf informierte im StadtHaus über das Thema Windkraft. Dr. Thomas Stiller (links) wies besonders auf gesundheitliche Folgen hin. (Foto: Sabine Mesias)

Großes Interesse bei Info-Veranstaltung der FDP

BURGDORF (r/jk). Vor rund 100 Gästen im StadtHaus von Burgdorf erläuterte der umweltpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Dr. Gero Hocker, seine Forderung, im neuen Windenergieerlass Mindestabstände vom 10-fachen der Nabenhöhe festzulegen. Ein entsprechender Antrag wurde bereits im Landtag eingebracht.
Hocker begründete dies in seinem Eingangsreferat mit erheblichen Gefahren, die bei kürzeren Abständen für die Menschen nachgewiesen seien. Der FDP-Ehrenvorsitzende Dieter Lüddecke wies auf einen gleich lautenden Antrag im Burgdorfer Rat hin. Da in der neuen Generation von Windmasten von 180 Meter Höhe auszugehen sei, wäre demnach der Mindestabstand 1800 Meter. Lüddecke forderte die anwesenden Landwirte auf, einmal in ihren eigenen Organisationen zu diskutieren, welchen Einfluss Windparks mit 200 Meter hohe Masten auf ihre landwirtschaftlichen Flächen hätten. Jeder Mast dieser Größe benötigt eine Verankerung im Boden mit Betonsockeln von 30 bis 50 Meter Durchmesser und rund 8 bis 10 Metern Tiefe mit allen Folgen für Natur und Grundwasser. Wenn in 20 oder 30 Jahren aufgrund wissenschaftlicher Forschung neue Energiequellen erschlossen seien, würde dies einen kaum zu bewältigenden Rückbau riesiger Flächen bedeuten.
Großen Beifall erhielt der parteiunabhängige Arzt Dr. Thomas Stiller, der neueste Forschungsergebnisse der Medizin vorstellte. Das Mitglied im Bündnis Ärzte für Immissionsschutz erläuterte, dass es neben den akustischen Immissionen neue gesicherte Erkenntnisse über die Auswirkungen von Infraschall gebe. Die zwar nicht gehörten aber im Gehirn verarbeiteten Schallereignisse führten zu Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Blutdruckanstieg und Stress. Er befürchte, dass diese Erkenntnisse im Umweltministerium nicht wahrgenommen werden, um die politische Forderung, Windkraft mit größeren Anlagen und Flächen zügig durchzusetzen.
Bodo Kutzke vom NABU ergänzte, dass nicht nur der Mensch vor diesen riesigen Windenergieanlagen zu schützen sei, sondern auch viele Vogelarten. Schon heute sterbe in Deutschland eine große Zahl an Vögeln aufgrund der bereits vorhandenen Anlagen. Er forderte deshalb, neue Windkraftanlagen auf wenige Flächen zu begrenzen und Natur- und Landschaftsschutzgebiete auszuschließen.
Hocker und Lüddecke forderten abschließend die Landesregierung auf, die Energiewende nicht mit der Brechstange zu Lasten der Menschen und der Natur durchsetzen zu wollen, sondern ein für alle erträgliches Konzept zu entwickeln. Energie sei heute in ausreichendem Maße vorhanden. Es gebe keinen Zeitdruck.